Wallnöfer-Denkmal sorgt in Tirol für Koalitionsstreit

2. November 2016, 15:27
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Opposition und Grüne wollen wissen, wer den Künstler beauftragt hat und warum Mittel dafür erst nachträglich beschlossen wurden

Innsbruck – Erst in der Vorwoche stand die Erinnerungskultur am Innsbrucker Eduard-Wallnöfer-Platz vor dem Tiroler Landhaus im Fokus. Der Platz ist heute der zentrale Ort in Tirol, an dem der Opfer des Nationalsozialismus gedacht wird. Nun soll ausgerechnet hier eine Statue des ehemaligen Landeshauptmanns Eduard Wallnöfer, der selbst NSDAP-Mitglied war, aufgestellt werden. Für den Klubobmann der Grünen, Gebi Mair, ein Affront: "Der Landhausplatz wurde sukzessive zu einem Ort des Gedenkens an die Opfer der NS-Diktatur umgestaltet. Dieser Platz verträgt keine 2,70 Meter hohe Statue eines NSDAP-Mitläufers."

Als der Platz 1994 nach ihm benannt wurde, war Wallnöfers NS-Vergangenheit noch unbekannt. Mit deren Bekanntwerden 2005 begann in Tirol eine breite Diskussion über den Umgang mit der NS-Vergangenheit des Landes.

Stiftung kauft Statue um 130.000 Euro

Die Pläne für ein Denkmal hatte Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) im Rahmen der Feiern zu Wallnöfers 100. Geburtstag 2013 erstmals aufgebracht. Nun wurde die Idee plötzlich aktuell, weil die Landesgedächtnisstiftung 130.000 Euro bewilligt hat, um die bereits fertige Wallnöfer-Bronzestatue des Bildhauers Rudi Wach zu kaufen. Zudem empfiehlt die Stiftung, das Denkmal am Eduard-Wallnöfer-Platz aufzustellen. Nun herrscht große Verwunderung darüber, wer den Künstler mit der Herstellung der Statue beauftragt hat, bevor klar war, wer dafür bezahlen wird.

Die Landesgedächtnisstiftung wird aus Mitteln des Landes und der Gemeinden gespeist und soll unter anderem Tiroler Schüler und Studenten fördern sowie den Erhalt des baukulturellen Erbes sicherstellen. Das Gremium, das über die Fördermittel entscheidet, ist mit Vertretern von ÖVP und SPÖ und Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer besetzt. Den Vorsitz hat Landtagspräsident und Ex-Landeshauptmann Herwig van Staa (ÖVP), Wallnöfers Schwiegersohn, inne. Die Grünen stellen nur ein Ersatzmitglied und waren daher in die Entscheidung über den Ankauf der Statue nicht eingebunden.

Wer gab das Denkmal in Auftrag?

Dementsprechend verstimmt reagiert der Koalitionspartner der ÖVP auf die Entscheidung der Stiftung. "Die Statue war bereits fertig, bevor sie in der Landesgedächtnisstiftung zum Thema wurde. Die Frage ist, wer hat sie in Auftrag gegeben?", sagt der grüne Klubobmann Mair. Wenn es das Land war, hätten die Grünen als Koalitionspartner darüber unterrichtet werden müssen, verweist Mair auf ein entsprechendes Abkommen, das besagt, dass Beträge über 40.000 Euro in der Regierung besprochen werden müssen.

Auf Anfrage des STANDARD will jedoch niemand den Auftrag erteilt haben oder sich überhaupt dazu äußern. Aus dem Büro der für den Platz zuständigen Landesrätin Patrizia Zoller-Frischauf (ÖVP) heißt es, man sei nie mit diesem Auftrag befasst gewesen. Seitens des Landeshauptmanns verweist man auf van Staa, der das Projekt ursprünglich über "private Sponsoren, den Landesenergieversorger Tiwag, den Seniorenbund sowie 100 Tiroler Gemeinden, in denen Wallnöfer Ehrenbürger ist", habe finanzieren wollen. Van Staa habe "federführend die Gespräche mit dem Künstler geführt" und Platter laufend darüber informiert. Wer nun aber Wach mit der Skulptur beauftragt hat, bleibt unbeantwortet. Platter sei es nicht gewesen, heißt es aus seinem Büro. Van Staa war für eine Stellungnahme bisher nicht erreichbar.

Zur nunmehrigen Finanzierung über die Landesgedächtnisstiftung sagt Platter, das sei "am zweckmäßigsten". Der Beschluss dazu sei in der Stiftung einstimmig gefallen. Für die Grünen keine befriedigende Antwort, wie Mair sagt: "Man umschifft damit klar die Beantwortung der Frage, wer in wessen Namen den Auftrag an den Künstler erteilt hat."

Liste Fritz empört, SPÖ bissig

Die Liste Fritz, die mit ihrer Anfrage zu den Kosten den Stein ins Rollen brachte, sieht sich bestätigt: "Mehr als eine Posse, mehr als die sichtbare Feigheit der Politik, zu Entscheidungen zu stehen, geradezu ein unwürdiges Schauspiel! Keiner hat den Mut, sich hinzustellen und zuzugeben, dass er den sündteuren Auftrag erteilt hat." Vor den angekündigten Kürzungen im Sozialbereich seien 130.000 Euro für eine Statue zudem unverständlich.

Die Innsbrucker SPÖ-Gemeinderätin Angie Eberl stichelt in Richtung ÖVP: "Ich finde es toll, dass man nun die Aufarbeitung der eigenen Parteigeschichte angeht." Sie gehe davon aus, sagt das Vorstandsmitglied des Bunds Sozialdemokratischer Freiheitskämpferinnen, dass die Statue eine ausführlichen Erklärung zur NS-Vergangenheit Wallnöfers mittransportieren werde.

Historiker: "Denkbar schlechtester Standort"

Der Historiker Horst Schreiber von der Universität Innsbruck erachtet die Wahl des Standorts für die Statue als denkbar schlecht: "Der Eduard-Wallnöfer-Platz ist der zentrale Ort der Erinnerung an den Nationalsozialismus geworden. Der Platz macht heute den Kontrast zwischen dem ehemaligen Gauhaus als Zentrale der Diktatur und dem Befreiungsdenkmal, das für Widerstand und den Beitrag der Alliierten für die Freiheit Tirols steht, sichtbar. Stärker in den Vordergrund gerückt wurde auch das Pogrommahnmal für die in Innsbruck ermordeten Juden."

Dieser Kritik kann die ÖVP nichts abgewinnen. Platter und Zoller-Frischauf betonen Wallnöfers große Verdienste um das Land, dem er von 1963 bis 1987 als Landeshauptmann vorstand. Seine NS-Vergangenheit und seine umstrittene Rolle in der Causa der Agrargemeinschaften bleiben von allen unerwähnt. (Steffen Arora, 2.11.2016)

  • Eduard Wallnöfer war über Jahrzehnte Landeshauptmann von Tirol. Seine Vergangenheit und seine Verdienste sind aber nicht unumstritten. Die ÖVP will ihm dennoch ein Denkmal setzen.
    foto: volkspartei

    Eduard Wallnöfer war über Jahrzehnte Landeshauptmann von Tirol. Seine Vergangenheit und seine Verdienste sind aber nicht unumstritten. Die ÖVP will ihm dennoch ein Denkmal setzen.

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