Feiertagsabfolge dämpft Erwartungen an Wintertourismus

2. November 2016, 13:46
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Weihnachten und Neujahr am Wochenende, Ostern Mitte April: Touristiker erwarten keine Rekorde

Wien – Seit der Wintersaison 1996/97 ist es mit Ausnahme des Finanzkrisenjahrs 2009 kontinuierlich nach oben gegangen mit den Winter-Ankunftszahlen im österreichischen Tourismus. Ob das heuer so weitergeht, ist fraglich. "Wir sind vorsichtig optimistisch. Ein Halten der vorjährigen Rekordzahlen wäre angesichts der unvorteilhaften Rahmenbedingungen schon ein Erfolg", sagte Petra Stolba, Chefin der Österreich-Werbung (ÖW), am Mittwoch in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Fachverband der Seilbahnen.

Unvorteilhaft sei unter anderem die Ferienabfolge mit Weihnachten und Silvester jeweils am Wochenende und Ostern erst spät im Jahr, nämlich Mitte April.

Rekordinvestitionen der Seilbahnwirtschaft

Die Seilbahnen jedenfalls haben für die kommende Wintersaison so viel investiert wie noch nie – in Summe 710 Millionen Euro. Dabei war bereits 2015 mit 572 Millionen Euro ein Rekordinvestitionsjahr über dem langjährigen Schnitt von 540 Millionen. "Wir sind gut gerüstet und glauben an die Zukunft des Wintersports", sagt Fachverbandsobmann Franz Hörl.

Von den 710 Millionen wurden 367 Millionen für Reinvestitionen ausgegeben, also für Sicherheit, Qualität und Komfort bestehender Anlagen. 171 Millionen wurden in neue Beschneiungsanlagen investiert, 172 Millionen in Sonstiges, unter anderem Rodelbahnen, Langlaufloipen und von den Bergbahnen betriebene Haubengastronomie. Zum Vergleich: Der Gesamtumsatz der österreichischen Seilbahnbranche belief sich in der vergangenen Wintersaison auf gut 1,3 Milliarden Euro.

Ansprache der Gäste abseits vom Skifahren

Mit einer Sonderkampagne wirbt die ÖW heuer erstmals in Deutschland um Gäste abseits der Hardcore-Skifans. "Beim Winterzauber geht es um Genuss, Schneefreuden und vor allem Erholung", sagt Stolba. Gab die ÖW in den vergangenen Jahren etwa 60 Prozent ihrer Marketingmittel von 44 Millionen Euro für den Sommer und 40 Prozent für den Winter aus, ist das Verhältnis heuer erstmals ausgewogen.

Die Winterbuchungen in Österreichs wichtigstem Quellmarkt jenseits der Grenzen – Deutschland – sind nach Einschätzung der lokalen ÖW-Büros verhalten angelaufen. Dabei spiele wohl auch die Erinnerung der Gäste an die beiden vergangenen Winter mit eher wenig Schnee eine Rolle.

Russland dürfte Talboden erreicht haben

Guter Hoffnung ist man bei der ÖW bezüglich der Schweiz und Großbritannien (trotz Brexit). Auch die Flugverbindungen von der Insel nach Innsbruck und Salzburg seien gut, sagt Stolba. Russland hingegen bleibe das Sorgenkind, der Talboden dürfte nach jeweils rund 30-prozentigen Einbrüchen bei den Ankünften in den vergangenen beiden Jahren erreicht sein.

Aus China orte man hingegen steigendes Interesse an Österreich-Urlauben, Skifahren sei aber noch eindeutig ein Nischenprodukt. Stattdessen gebe es verstärktes Interesse an Weihnachtsmärkten und Brauchtum, sagt Stolba. "Das beziehen wir in unsere Werbung ein." (Günther Strobl, 2.11.2016)

  • Die Seilbahnwirtschaft ist für den beginnenden Winter gerüstet. Die Tourismusbranche insgesamt ist vorsichtig optimistisch, was Ankünfte und Nächtigungen in den kommenden Monaten betrifft.
    foto: gletscherbahnen kaprun

    Die Seilbahnwirtschaft ist für den beginnenden Winter gerüstet. Die Tourismusbranche insgesamt ist vorsichtig optimistisch, was Ankünfte und Nächtigungen in den kommenden Monaten betrifft.

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