Tschechiens Außenminister verglich Dalai Lama mit NS-Sudetenführer

2. November 2016, 11:40
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Außenminister Zaorálek entschuldigte sich später für die Aussage – Landwirtschaftsminister Jurečka musste Besuch in Peking absagen

Prag/Peking – Im Streit um den Empfang des Dalai Lama in Prag sorgt der tschechische Außenminister Lubomír Zaorálek mit einem missglückten Vergleich für Aufsehen. Das Treffen von Kulturminister Daniel Herman mit dem tibetischen Exil-Oberhaupt sei so, als ob in der Zwischenkriegszeit ein ausländischer Politiker mit dem Sudetenführer der NS-Zeit, Konrad Henlein, zusammengetroffen wäre, sagte Zaorálek am Dienstag.

Henlein war in der ersten Tschechoslowakischen Republik der Chef der Sudetendeutschen Partei (SdP), die mit dem Nazideutschland kollaborierte und sich mit militärischer Gewalt für eine Sezession der deutschsprachigen Gebiete einsetzte. Nach dem umstrittenen Münchner Abkommen im September 1938 wurde Henlein zum Gauleiter des vom Deutschen Reich annektierten Sudetengaus.

Späte Entschuldigung

Zaorálek zog seinen Vergleich bei einem Sondertreffen tschechischer Spitzenpolitiker zur Außenpolitik auf der Prager Burg. Später entschuldigte sich der sozialdemokratische Politiker für seine Äußerung. "Ich wollte mit einem extremen Beispiel veranschaulichen, wie China den offiziellen Empfang von Dalai Lama annehmen könnte", schrieb der Außenminister auf Twitter. Der Vergleich sei aber "unpassend" und "jenseitig" gewesen.

Der Außenminister kündigte auch an, das Protokoll einer Regierungssitzung vor zwei Jahren veröffentlichen zu wollen, bei der die Minister vereinbart hätten, den Dalai Lama wegen der Beziehungen mit China offiziell nicht zu empfangen. Herman stellt eine solche Vereinbarung in Abrede. Zuvor hatte er das Treffen mit dem tibetischen geistlichen Führer als "Gewissensfrage" bezeichnet und erklärt, "mit jedermann und überall" zusammentreffen zu wollen.

Unterdessen zeigt sich, dass das Treffen Spuren in den bilateralen Beziehungen zwischen Tschechien und China hinterlassen hat. Landwirtschaftsminister Marian Jurečka berichtete, dass er einen geplanten Besuch in Peking habe absagen müssen, weil sein chinesischer Amtskollege und ein weiterer Minister ihre Termine unvermittelt platzen ließen. "Die Begründung lautete, dass es aus Gründen ist, die beide Seiten ganz sicher verstehen", sagte der Parteifreund Hermans. Jurečka hatte das Treffen des Kulturministers mit dem Dalai Lama zuvor öffentlich verteidigt. (APA, 2.11.2016)

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