NGO Sindbad will benachteiligten Schülern Weg in die Lehre ebnen

2. November 2016, 10:55
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Sindbad bringt Wiener NMS-Schülern 1:1-Betreuung durch Studenten und junge Berufstätige

Wien – An Neuen Mittelschulen (NMS) in Wien hat der Großteil der Schüler Migrationshintergrund, viele kommen aus sozial schwachen Familien. Das neue Sozialunternehmen "Sindbad" will nun mit einer 1:1-Betreuung durch Studenten und junge Berufstätige mehr Jugendlichen einen guten Übergang in Lehre oder weiterführende Schulen ermöglichen. Das Programm startet am Samstag.

Hintergrund der Initiative laut Co-Gründer Andreas Lechner: Immer weniger Betriebe bieten Lehrstellen an, gleichzeitig breche ein Viertel der Wiener die Lehre vorzeitig ab. Wer nur die Pflichtschule abschließt, hat allerdings mit 35 Prozent ein hohes Risiko, arbeitslos zu werden. An weiterführende Schulen gehe nur ein Viertel bis ein Drittel der Wiener NMS-Absolventen. Ihre Chancen auf einen positiven Abschluss von AHS-Oberstufe bzw. berufsbildender mittlerer und höherer Schulen (BMHS) sind zudem geringer als jener, die davor die Unterstufe eines Gymnasiums besucht haben.

"Mentorenbeziehungen"

Bei der Veranstaltung am Wochenende sollen die ersten 25 Jugendlichen, die aus acht Wiener NMS ausgewählt wurden, bei einem Speed-Dating auf ihre 25 künftigen Mentoren treffen, schildert Lechner, der wie Co-Gründer Joseh Kap-herr davor bei den Neos aktiv war. Im ersten Durchgang wurden jene Schüler aufgenommen, die bei der Programmpräsentation an den Standorten die größte Motivation gezeigt haben.

Eineinhalb bis zwei Jahre lang sollen die "Mentorenbeziehungen" dauern, bei denen die Jugendlichen von ihren ehrenamtlichen Unterstützern beim Übergang von der NMS in die Lehre oder weiterführende Schulen begleitet werden sollen. Der Schwerpunkt werde dabei voraussichtlich auf der Lehre liegen, so Lechner. Er rechnet damit, dass auch weiterhin zwei Drittel bis drei Viertel der NMS-Absolventen sich für diesen Weg entscheiden werden.

Kooperation mit öffentlichen Stellen

Alle zwei Wochen sollen sich Schüler und Mentor treffen. Nach dem Beziehungsaufbau soll es vor allem darum gehen, die Talente, Stärken und Interessen der Jugendlichen herauszufinden. Danach soll die passende Ausbildung bzw. das entsprechende Berufsbild für die Jugendlichen gefunden werden.

Die Stärke des Modells ist laut Lechner, dass die Mentoren selbst noch jung sind und in ihrem Leben auch gerade vor ähnlichen Herausforderungen (Orientierung im Studium bzw. Berufsleben) stehen. Das inhaltliche Rüstzeug für die Beratung sollen die Mentoren bei Schulungen bekommen, "Sindbad" will dabei auch auf Kooperationen mit öffentlichen Stellen setzen.

Geplant ist auch ein Netzwerk aus Partnerunternehmen, in denen die Jugendlichen Einblick in die Berufswelt erhalten und die im Gegenzug Zugang zu motivierten Jugendlichen bekommen. Noch gibt es keine fixen Kooperationen, laut Lechner ist man allerdings in guten Gesprächen mit mehreren Firmen. Zusätzlich sollen künftig auch gezielt Betriebe dazugeholt werden, wenn die Jugendlichen spezielle Plätze suchen. (APA, 2.11.2016)

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