Eierstocktransplantation könnte möglich werden

2. November 2016, 10:16
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Forscher der MedUni Wien konnten erstmals erfolgreich einen Eierstock von Pavian zu Pavian transplantieren

Wien – Etwa ein Prozent aller Frauen weltweit leidet an vorzeitigem Versagen der Eierstöcke. Mögliche Gründe dafür: Chemotherapien oder genetische Erkrankungen. Häufig ist die Ursache aber unbekannt.

"Durch die verfrühte Menopause kann einerseits ein sehnlicher Kinderwunsch nicht erfüllt werden, andererseits kann durch den entstehenden Hormonmangel eine Osteoporose oder andere Menopausenkomplikationen frühzeitig ausgelöst werden", erklärt Michael Feichtinger von der Uniklinik für Frauenheilkunde der MedUni Wien und Erstautor der Studie.

Teilerfolg

Im Tiermodell wurde nun versucht, erstmals eine allogene Eierstocktransplantation – also von einem Individuum zum anderen – durchzuführen. Kritischer Punkt bei solchen Eingriffen am Menschen ist die notwendige Immunsuppression nach der Transplantation von Fremdgewebe. Bisher gibt es keine Methode, die längerfristig keine zum Teil schweren Nebenwirkungen aufweist.

Der nun durchgeführte Eingriff erfolgte an Pavianen am Institut der Weltgesundheitsorganisation WHO, dem Institute of Primate Research in Nairobi (Kenia). Vor und nach der Transplantation erhielten die Tiere eine Immunsuppression namens PIF (Preimplantation factor). Das Ergebnis: Bei einem der Tiere war die Transplantation erfolgreich, ein funktionierender Monats-Zyklus wurde angestoßen. Der zweite Versuch blieb allerdings erfolglos.

"Dennoch ist die Studie vielversprechend. Auf Basis dieser Ergebnisse scheint eine erfolgreiche Eierstocktransplantation in der Zukunft möglich. Außerdem konnte gezeigt werden, dass die neue Immunsuppression PIF ohne Nebenwirkungen gut funktioniert, das könnte Einsatzgebiete auch bei anderen Transplantationen eröffnen." Mit weiteren Studien soll gezeigt werden, welche Faktoren ausschlaggebend für eine erfolgreiche Transplantation sind. Die Ergebnisse der Studie wurden auf dem weltgrößten Reproduktionskongress in Salt Lake City Ende Oktober vorgestellt. (red, 2.11.2016)

Details zu PIF:

Beim PIF handelt es sich um ein Protein, das wahrscheinlich von Säugetier-Frühembryonen gebildet wird. Es führt dazu, dass die Embryonen bei der Einnistung in die Gebärmutter nicht abgestoßen, sondern vom Immunsystem der Mutter toleriert werden, obwohl es sich bei ihnen um "Fremdmaterial" handelt. In der Frühschwangerschaft ist PIF im Blut der Schwangeren zu finden. PIF moduliert verschiedene Regelsysteme, zum Beispiel auch die Aktivität von Enzymen, die bei der Einnistung des Embryos die Gebärmutterschleimhaut auflockern. Mittlerweile kann das Protein auch künstlich hergestellt werden. In Experimenten wurden verschiedene Effekte auf Immunzellen etc. belegt.

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