Arbeitslosigkeit bei Frauen, Älteren und Ausländern höher

2. November 2016, 11:32
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Im Oktober ist die Arbeitslosigkeit um 0,3 Prozent gestiegen

Wien – 340.779 Personen waren Ende Oktober als arbeitslos vorgemerkt, um 0,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Inklusive Schulungsteilnehmern waren 411.951 Menschen ohne Job, ein Plus von 0,3 Prozent. Besonders betroffen vom Anstieg waren ältere Personen und Ausländer. Die Jugendarbeitslosigkeit war hingegen den 12. Monat in Folge rückläufig.

41.864 Jugendliche waren im Oktober auf Jobsuche, ein Rückgang von 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Bei den jüngsten Jobeinsteigern im Alter von 15 bis 19 Jahren lag die Arbeitslosigkeit um 5,6 Prozent unter dem Vorjahreswert, bei den 20- bis 24-Jährigen gab es einen Rückgang von 6,5 Prozent. Das teilte das Sozialministerium am Mittwoch mit.

Mehr Lehrstellen in Oberösterreich

Hingegen waren deutlich mehr junge Menschen, nämlich 7.074, auf Lehrstellensuche (plus 8 Prozent). Gleichzeitig gab es aber mehr offene Lehrstellen (4.663, plus 11,4 Prozent), sodass die Lehrstellenlücke mit 2.411 fast konstant geblieben ist (plus 48). Einen Lehrstellenüberhang gab es in Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg.

Andere Personengruppen hatten es auf dem Arbeitsmarkt deutlich schwerer. Bei älteren Personen ab 50 Jahren stieg die Arbeitslosigkeit um 6,4 Prozent, bei Ausländern um 6 Prozent. Bei Menschen mit gesundheitlichen Problemen – das war mehr als jeder fünfte Arbeitslose – betrug die Zunahme 8,4 Prozent.

Länger auf Jobsuche

16,6 Prozent aller Arbeitslosen waren länger als zwölf Monate auf Jobsuche. Im Schnitt waren die Leute heuer sechs Tage länger auf Jobsuche, nämlich 132 Tage beziehungsweise mehr als vier Monate.

Auch die Frauenarbeitslosigkeit nahm leicht zu – um 0,9 Prozent auf 156.011 Personen. Absolut gesehen waren im Oktober deutlich mehr Männer (184.768) auf Jobsuche, wenngleich die Männerarbeitslosigkeit stagnierte. Positiv entwickelte sich auch die Zahl der arbeitslos vorgemerkten Inländer (minus 1,7 Prozent auf 240.797).

Mehr offene Stellen

Die Beschäftigung ist erneut kräftig angestiegen. Die Zahl der unselbstständig aktiv Beschäftigten erhöhte sich um 1,6 Prozent. Seit Jahresbeginn fanden 516.000 Personen (plus 2,3 Prozent) wieder einen neuen Job. Der Bestand an offenen Stellen stieg um mehr als 28 Prozent.

Bis auf das Gesundheits- und Sozialwesen (plus 1,6 Prozent) war die Arbeitslosigkeit in den großen Branchen rückläufig beziehungsweise stagnierte. Den größten Rückgang gab es am Bau (minus 7,7 Prozent). Im Tourismus ging die Zahl der Jobsuchenden um 1,9 Prozent zurück, bei den Leiharbeitern um 1,4 Prozent und bei der Herstellung von Waren um 2,5 Prozent. Im Handel veränderte sich die Arbeitslosigkeit nicht.

Die meisten Menschen waren erneut in Wien auf Jobsuche (123.663); in der Bundeshauptstadt stieg die Arbeitslosigkeit um 2,4 Prozent. Den größten Zuwachs verzeichnete im Oktober aber Niederösterreich (plus 2,8 Prozent), in Oberösterreich gab es um 1,8 Prozent mehr Jobsuchende. In allen anderen Bundesländern war die Arbeitslosigkeit rückläufig, allen voran in Tirol (minus 7,2 Prozent).

Höhere Jugendarbeitslosigkeit

Die Arbeitslosigkeit nach österreichischer Berechnung schrumpfte um 0,1 Prozentpunkte auf 8,6 Prozent. Für die Quote nach internationaler Definition des EU-Statistikamts Eurostat lag zunächst nur der Augustwert vor, nämlich 6,2 Prozent (plus 0,5 Prozentpunkte). Die Jugendarbeitslosigkeit betrug nach dieser Berechnung 10,8 Prozent (minus 0,1 Prozentpunkte). Österreich hatte damit in der EU die drittniedrigste Jugendarbeitslosenquote nach Deutschland (6,9 Prozent) und den Niederlanden (10,5 Prozent). Zum Vergleich: Den traurigen Rekord stellten Spanien und Griechenland, wo jeweils rund 43 Prozent der Jugendlichen keinen Job hatten. Der EU-Schnitt lag bei 18,6 Prozent.

Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) verwies in einer Aussendung auf bereits gesetzte Arbeitsmarktmaßnahmen der Regierung, etwa die Ausbildungsgarantie bis 25. "Für ein Sinken der Arbeitslosigkeit sind angesichts des weiter steigenden Arbeitskräftepotenzials und der nach wie vor verhaltenen internationalen Wirtschaftsentwicklung jedoch auch in Zukunft weitere Maßnahmen nötig", mahnte er.

Banken bauen massiv Jobs ab

Seit dem Krisenjahr 2008 ist die Zahl der unselbstständig Beschäftigen in der Bankenbranche indessen um fünf bis sieben Prozent zurückgegangen, während die gesamte Beschäftigung um fünf Prozent angestiegen ist, rechnete das Arbeitsmarktservice (AMS) am Mittwoch vor.

600 Arbeitsplätze pro Jahr haben die heimischen Banken seit 2008/09 im Schnitt gestrichen – und ein Ende ist nicht in Sicht. "Innerhalb der nächsten fünf Jahre (bis zum Jahr 2020) wird sich die Zahl der im Bereich Erbringung von Finanzdienstleistungen beschäftigten Personen um rund 6.000 verringern. Dabei wird nur ein Teil der tatsächlichen Personalreduktionen in diesem Bereich sichtbar, da in vielen Fällen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei aufrechtem Beschäftigungsverhältnis freigestellt werden", erklärte das AMS. Derzeit arbeiten in Österreich 77.600 Personen in der Finanzbranche.

Niedrige Zinsen, strenge Vorschriften

Grund für den beschleunigten Personalabbau sind einerseits die niedrigen Zinsen und die strengen Eigenkapitalvorschriften, andererseits der zunehmende Einsatz von Onlinebanking, es ist daher immer weniger direkter Kundenkontakt nötig. Das spiegelt sich auch in der Anzahl der Bankfilialen, die in den vergangenen Jahren massiv geschrumpft ist. Von 2000 bis 2014 ist die Zahl der sogenannten Hauptanstalten um 22 Prozent auf 656 zurückgegangen, jene der Zweiganstalten um 7 Prozent auf 4.243.

Die Arbeitslosenquote ist im Bankbereich, verglichen mit anderen Branchen, mit 2,1 Prozent (Jahresdurchschnitt 2015) aber sehr gering. Zum Vergleich: Im Oktober 2016 betrug die allgemeine Arbeitslosenrate in Österreich 8,6 Prozent. (APA, 2.11.2016)

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