Erdoğan räumt auf: Mit aller Macht

Kommentar1. November 2016, 17:56
32 Postings

Die türkische Führung agiert rasch und rücksichtslos

Rasch und rücksichtslos geht die türkische Führung nun in ihrem offenkundigen Streben nach Übernahme der gesamten Macht in der Türkei vor. Die Festnahmen von bisher einem Dutzend führender Mitarbeiter der wichtigsten verbliebenen Oppositionszeitung sind ein politischer Erdrutsch, ebenso wie die Inhaftierung der beiden Oberbürgermeister der größten kurdischen Stadt in der Türkei und deren Ersetzung durch einen staatlichen Verwalter.

Gültan Kışanak, die sich das Bürgermeisteramt der Millionenstadt Diyarbakır mit Fırat Anlı teilt, soll tagelang in einer fensterlosen Zelle inhaftiert gewesen und nun in ein Hochsicherheitsgefängnis überstellt worden sein. Ungeachtet der Vorwürfe: eine bemerkenswerte Behandlung für eine langjährige Politikerin, die zuletzt mit 55 Prozent der Stimmen in ihr Amt gewählt worden war. Doch es zeigt den Willen von Staatschef Tayyip Erdoğan, jetzt, im Ausnahmezustand, mit den politischen Gegnern aufzuräumen.

Nicht anders ist es bei "Cumhuriyet", dem regierungskritischen, im Westen anerkannten Traditionsblatt. "Cumhuriyet" soll sowohl mit dem islamistischen Netzwerk des Predigers Gülen als auch mit der kurdischen Terrorgruppe PKK in Verbindung stehen. Der Vorwurf ist lachhaft für Türken, die sich nicht von Regierungsmedien einlullen lassen. Das Kemalisten-Blatt hatte als Erstes von der Unterwanderung des Staates durch die Gülenisten berichtet. (Markus Bernath, 1.11.2016)

Share if you care.