Politik bringt Holzindustrie auf die Palme

2. November 2016, 14:00
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Verärgerung über Zitterpartien um Handelsabkommen und Verwaltungsreform – Aber kräftiges Wachstum trotz Problemen mit Holzversorgung

Wien – Zum zweiten Mal in Folge soll Österreichs Holzindustrie nach Jahren des Rückgangs heuer wieder wachsen, auch der Ausblick für 2017 ist gut. Dass die kommenden Jahre sogar noch fetter ausfallen könnten, sei von der Politik gefährdet worden, meinen Branchenvertreter. "TTIP und Ceta sind wichtige Voraussetzungen für den globalen Handel, eine zwingende Notwendigkeit", sagt Helmuth Neuner, Wirtschaftsdirektor des Stiftes Admont, das mehr als 17.000 Hektar Wald bewirtschaftet. Es sei entsetzlich zu sehen, wie die Politik mit diesem wichtigen volkswirtschaftlichen Thema umgehe. Demokratie dürfe nicht so weit gehen, dass nicht mehr mit Wissen, sondern aus dem Bauch heraus entschieden werde.

Ebenfalls auf die Palme bringt ihn der jüngste Verwaltungsreform-Rohrkrepierer. Dass die Schwelle, ab der eine Schlägerungsgenehmigung für Waldflächen notwendig ist, nach Protesten von Umweltschützern doch nicht angehoben wird, ist für Neuner eine "Lächerlichkeit par excellence". Die Größe der Wälder hätte von 1000 auf 1300 Quadratmeter angehoben werden sollen, um die Verwaltung zu vereinfachen. Dass dadurch Baumbestände verlorengegangen wären, sei albern. "Dadurch wären weniger Genehmigungsverfahren und weniger Bürokratie nötig gewesen. Wenn man nicht einmal so etwas zusammenbringt, was dann?", fragt sich Neuner.

Fast fünf Prozent Wachstum

Technologisch ist Österreichs Holzindustrie derzeit zwar gut aufgestellt, doch reicht der Status quo nicht für die Zukunft, meint Alfred Teischinger, Professor am Institut für Holztechnologie und nachwachsende Rohstoffe an der Universität für Bodenkultur in Wien. Wer trotz schwieriger topografischer und kostenseitiger Rahmenbedingungen wettbewerbsfähig sein will, müsse gut sein, so Teischinger. Und das sei die heimische Holzindustrie: "Das technologische Niveau der Sägeindustrie ist weltweit führend, das war nicht immer so." Um die Technologieführerschaft zu behalten, müsse aber der nächste Schritt in Richtung neuer Sägetechnologie, die komplexere Produkte möglich macht, gehen. "In der Weiterverarbeitung von Bauteilen und Komponenten für den Hochbau ist viel geschehen, aber da muss noch mehr gemacht und die Kette effizienter werden", sagt Teischinger. Gelingen soll das unter anderem durch bessere Logistik und Planungsabstimmung sowie flexible und günstigere Fertigung.

Im Vorjahr ist die Branche um 4,8 Prozent gewachsen und setzte fast 7,5 Milliarden Euro um. Auch heuer soll ein kleines Plus möglich sein. Der Aufwärtstrend kommt laut Erich Wiesner, Obmann des Fachverbands der Holzindustrie, unter anderem daher, dass Holz zunehmend auch von renommierten Architekten als Baustoff eingesetzt wird. Allerdings müsse noch mehr in Forschung und Entwicklung investiert werden.

Planbare Holzmengen benötigt

Eine althergebrachte Sorge der Industrie ist die Versorgung mit Holz, und da hat sich nicht viel geändert. "Die Herausforderung für die gesamte Holzindustrie besteht darin, diesen wertvollen Rohstoff aus dem Wald in unsere Produktionsstätten zu bekommen", sagt Erlfried Taurer, Vorstand bei Constantia Industries und Sprecher der Plattenindustrie. Damit spricht er die teilweise mangelnde Bereitschaft der Eigentümer an, den Wald auch zu bewirtschaften. "Wir brauchen planbare Holzmengen, und das konstant", sagt Taurer. Es werde intensiv daran gearbeitet, die Waldbesitzer dazu zu überzeugen. Die Zukunft der Branche sieht er trotz allem optimistisch: "Ich glaube, dass Holz in seiner Wertigkeit noch zunimmt." (Thomas Pressberger, 2.11.2016)

  • Die Versorgung mit "planbaren Holzmengen" kann für die weiterverarbeitende Industrie zum Problem werden.
    foto: jens meyer

    Die Versorgung mit "planbaren Holzmengen" kann für die weiterverarbeitende Industrie zum Problem werden.

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