Afrikanische Lehrlingsausbildung mit Hindernissen

2. November 2016, 13:00
10 Postings

In Kenia und Südafrika entstehen mit österreichischer Hilfe Projekte, die die duale Ausbildung nach Afrika bringen sollen

Nairobi/Johannesburg – Auf einem Brachland in einem Armenviertel von Nairobi, zwischen Eisenbahngleisen und Müllhalden, steht ein abgezäuntes Grundstück mit zwei Gebäuden. Eastlands College of Technology steht am Eingangstor. Tatsächlich beherbergt dieser unwirkliche Ort eine der wenigen funktionierenden Ausbildungsstätten für Lehrlinge in Kenia, wenn nicht in ganz Afrika.

Rund 100 Kenianer werden zu Kfz-Mechanikern, Elektrikern, Schweißern und Photovoltaik-Monteuren ausgebildet. Vor 13 Jahren hat das ECT mit einem "Street-MBA für Straßenhändler" begonnen, sagt Projektleiter Andrew Olea, seit 2015 wird die ganze Bandbreite angeboten.

"Marshallplan für Afrika"

Für Österreichs Entwicklungszusammenarbeit in Afrika ist das ein Schlüsselprojekt, weil es dem Prinzip der dualen Ausbildung folgt. Bundesregierung und Wirtschaftskammer wollen als ihren Beitrag zu einem europäischen "Marshallplan für Afrika" in fünf Staaten – Kenia, Südafrika, Marokko, Algerien und Nigeria – solche Ausbildungsstätten fördern und setzen dabei auf Partnerschaften mit NGOs und Konzernen.

Das ECT ist mithilfe der Wiener Entwicklungsorganisation Icep entstanden, das Geld gaben Belgien und Spanien. Ein weiterer Kooperationspartner ist die HTL Ottakring, Die mehrjährige Ausbildung erfolgt in der Schule, dazu gibt es Praktika in Betrieben.

Im südafrikanischen Johannesburg war es die Voest-Tochter Böhler-Uddeholm, die 2009 die Austrian Welding Academy (AWA) für Schweißer gegründet hat. Der Bedarf an Fachkräften ist in ganz Afrika hoch, ebenso die Jugendarbeitslosigkeit. Aber Geldmangel und geringes Interesse der Politik stehen dem Erfolg im Weg.

Absolventen brauchen Weiterbildung

Bei Böhler klappt die Zusammenarbeit mit den staatlichen Merseta-Berufsschulen nicht, deren Absolventen dringend eine Weiterbildung brauchen würden, damit sie in Betrieben einsetzbar sind, sagt Helmut Ulrich, Chef von Böhler Südafrika. Deshalb ist die AWA nur etwa zur Hälfte ausgelastet; knapp 35.000 Euro müssen jährlich zugeschossen werden.

Abhilfe will Christoph Zopf schaffen, der sich auf seiner Hochzeitsreise in Südafrika verliebt hat. Er kündigte im Vorjahr bei der Kontrollbank, zog nach Johannesburg und baut nun mit seinem damaligen Reiseführer als Partner eine Personalleasingfirma auf, die junge Menschen bei der AWA ausbilden lässt und sie dann an Betriebe vermittelt. Die ersten vier haben den Kurs gerade beendet, nun werden per Inserat weitere Kandidaten gesucht.

Hohe Schulgebühren

Bei der ECT in Nairobi ist das Schulgeld von rund 300 Euro im Semester das Hauptproblem. Viele Anwärter können sich das nicht leisten, sagt Olea. "Der Staat gibt Kredite für Universitätsbesuch im Ausland, aber eine Schule wie unsere ist für die Politiker nicht genug prestigeträchtig", sagt er. "Und die ausländischen Spender zahlen zwar für ein Gebäude, aber nicht für ein laufendes Defizit."

Die größten Hoffnungen ruhen auf Partnerschaften mit Unternehmen. Als Erstes wurde der Autohändler Simba gewonnen, der Mitsubishi, BMW und Renault vertreibt und nun Kfz-Mechaniker ausbilden lässt. Die Simba-Stiftung schießt das Schulgeld vor.

Gelehrt wird auch "Pünktlichkeit, Sauberkeit und Verantwortung", sagt Icep-Direktor Bernhard Weber. Diesen Schwerpunkt auf "life skills" setzt auch die Don-Bosco-Gesellschaft in ihren rund 600 Trainingszentren in Entwicklungsländern. Sie ist Österreichs Hauptpartner für die Berufsausbildungsoffensive. "Die Schüler müssen als Persönlichkeiten vorbereitet werden, damit sie jobfit werden", sagt die Unternehmensberaterin Brigitte Sachs-Schaffer, die Don Bosco unterstützt. (Eric Frey, 2.11.2016)

  • Mithilfe aus Österreich, Belgien und Spanien lernen junge Kenianer im Eastlands College of Technology, wie man Solarpaneele montiert – eine Wachstumsindustrie in Kenia.
    foto: eric frey

    Mithilfe aus Österreich, Belgien und Spanien lernen junge Kenianer im Eastlands College of Technology, wie man Solarpaneele montiert – eine Wachstumsindustrie in Kenia.

Share if you care.