Südafrika ist modern und frustriert, Kenia arm und hoffnungsvoll

6. November 2016, 12:09
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In Südafrika und Kenia sind sowohl die Wirtschaftslage als auch die Stimmung höchst unterschiedlich

Johannesburg/Nairobi – Der erste Eindruck zeigt die Kontraste: Die Fahrt vom Oliver-Tambo-Flughafen nach Johannesburg führt über moderne Autobahnen, in Nairobi steht man sogleich im Monsterstau. Südafrika und Kenia sind auf einer anderen wirtschaftlichen Stufe. Der ehemalige Apartheidstaat gehört zu den Schwellenländern, Kenia ist ein echtes Entwicklungsland (siehe Grafik).

Das hat auch Folgen für die Wirtschaftsbeziehungen Österreichs, die beim Besuch von Außenminister Sebastian Kurz und Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl vergangene Woche im Fokus standen: Mit Südafrika gibt es einen etablierten Außenhandel und viele Investitionen, mit Kenia bisher kaum. Doch bei der Stimmung ist es umgekehrt. Kenia gilt als einer der Hoffnungsmärkte Afrikas, während Südafrika von Stagnation und Frustration geprägt ist. Das liegt vor allem an den niedrigen Preisen für Rohstoffe, die Südafrika exportiert. Das rohstoffarme Kenia lebt von Landwirtschaft, Blumen, lokaler Industrie und einem dynamischen Dienstleistungssektor in Nairobi. Das hier entwickelte Mobilfunk-Zahlungssystem M-Pesa ist weltweit zum Vorbild für die Finanzindustrie geworden.

Aber auch die Politik ist anders. In Südafrika landet fast jedes Gespräch bei Präsident Jacob Zuma und den Korruptionsvorwürfen gegen ihn und seine ANC. In Kenia regieren die politischen Gegner, die sich 2007 blutig bekämpft haben, erfolgreich gemeinsam.

Infrastrukturprojekte versprechen Besserung

Obwohl in Nairobi die Straßen ständig verstopft sind und der Strom ausfällt, versprechen zahlreiche Infrastrukturprojekte Besserung. Auch in Südafrika gibt es Strom- und sogar Wasserausfälle. Aber viele fürchten, dass es schlechter werden wird, denn der ANC lässt die geerbte Infrastruktur zum Teil vergammeln.

Seit einem Jahr gibt es auch wieder einen Handelsdelegierten in Nairobi. Kurt Müllauer erzählt von viel Interesse aus Österreich, das sich bisher noch kaum in Geschäften niedergeschlagen hat.

Einer der wenigen heimischen Unternehmer in Kenia ist Federico de Bary Landesmann, der mit österreichischen Investoren eine Kette von Klein-Supermärkten für die wachsende Mittelschicht aufbaut – "für Menschen, die mehr als zehn Dollar am Tag ausgeben können". Seine Grab-'n'-Go-Märkte sollen die Lücke zwischen Straßenständen und Hypermärkten füllen. Er habe sich bewusst für Kenia entschieden, "die dynamischste Stadt in dem am schnellsten wachsenden Kontinent". (ef, 2.11.2016)

Die Reise erfolgte zum Teil auf Einladung von Außenministerium und Wirtschaftskammer.

Siehe dazu auch: Afrikanische Lehrlingsausbildung mit Hindernissen

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    foto: standard
  • Der Oliver-Tambo-Flughafen.
    foto: apa/afp/gianluigi guercia

    Der Oliver-Tambo-Flughafen.

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