Jeder zehnte Anleger erwartet Italiens Abschied aus Eurozone

1. November 2016, 15:23
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Der Euro-Break-up-Index für Griechenland ist auf dem tiefsten Stand seit 2014. Anleger flüchten aus italienischen Staatsanleihen

Berlin/Frankfurt – Italien sinkt in der Gunst von Anlegern. Nachdem Krisenherde in Portugal und Spanien aus dem Weg geräumt wurden, wuchsen am Dienstag die Sorgen vor den politischen und wirtschaftlichen Risiken in dem hochverschuldeten Land. Anleger trennten sich von italienischen Anleihen, im Gegenzug zogen die Renditen der Papiere deutlich an. Die zehnjährigen Staatsanleihen rentierten mit 1,73 Prozent so hoch wie seit neun Monaten nicht mehr.

"Seit Portugal den Rating-Test von DBRS bestanden hat und Spanien nun eine Minderheitsregierung hat, liegt das Risiko in Italien", sagte DZ-Bank-Anleihespezialist Daniel Lenz. Zudem steige die Nervosität der Anleger vor dem Referendum über eine Verfassungsreform am 4. Dezember. Von dieser erhofft sich Ministerpräsident Matteo Renzi mehr politische Stabilität. Umfragen zufolge könnten seine Pläne aber durchfallen. Unklar ist auch, ob die Rettung der Krisenbank Monte dei Paschi di Siena gelingt.

Die Ratingagentur DBRS bestätigte vor gut einer Woche das Rating von Portugal, was dem hoch verschuldeten Land den Verbleib im EZB-Anleihekaufprogramm sicherte. In Spanien steht nach zwei Wahlen und monatelangem Streit die Regierung. Ministerpräsident Mariano Rajoy gewann am Wochenende eine Vertrauensabstimmung im Parlament.

Jeder zehnte Anleger erwartet Abschied

Investoren halten derzeit einen Euro-Austritt Italiens für wahrscheinlicher als einen griechischen Abschied. Wie die Investmentberatung Sentix am Dienstag zu einer Umfrage unter rund 1.000 Anlegern mitteilte, steht damit erstmals die drittgrößte Volkswirtschaft des Währungsraums stärker im Fokus der Finanzmärkte als das seit Jahren kriselnde Griechenland.

Etwa jeder zehnte Investor gehe davon aus, dass Italien in den nächsten zwölf Monaten aus dem Euroraum ausscheide. Grund dafür sei "die prekäre Lage der italienischen Banken, die politischen Fragezeichen rund um das Verfassungsreferendum Anfang Dezember sowie das jahrelange konjunkturelle Siechtum", sagte Sentix-Experte Manfred Hübner.

Zum Vergleich: Der sogenannte Euro-Break-up-Index von Sentix für Griechenland liegt nur noch bei rund 8,5 Prozent und damit auf dem tiefsten Stand seit 2014. Das Land hängt bereits seit Jahren am Finanztropf seiner Euro-Partner. Das laufende dritte Rettungspaket hat insgesamt ein Volumen von bis zu 86 Mrd. Euro. (Reuters, 1.11.2016)

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