Prämierte Weine: Unseriöse Nullinformation

Kolumne9. November 2016, 09:05
14 Postings

Prämierte Weine verkaufen sich meist besser. Die Kriterien dafür sind aber fragwürdig

Medaillen, Sterne, Trophäen – ein Füllhorn an Auszeichnungen ergießt sich da über Weingüter. Es wimmelt nur so von Landes-, Regions- oder Salonsiegern, und jeder halbwegs anständige Betrieb darf sich über irgendwelche Trophys oder Awards freuen. Kaum ein Wein, der nicht prämiert wird. Auf jeder zweiten Flasche weist ein Pickerl auf die erfolgreiche Teilnahme an einem Bewerb hin, von dem Otto Normaltrinker noch nie etwas gehört hat.

Was vom jeweiligen Veranstalter als Orientierungs- oder Kaufhilfe für den Weintrinker angepriesen wird, löst bei diesem Komplettverwirrung aus.

Erst kürzlich vergab die "International Wine Challenge, AWC Vienna" für die besten Gewächse unzähliger Kategorien ihre Trophys – wohl so etwas wie die Oscars der Weinwelt. Die laut Veranstalter "anspruchsvollste Verkostung unter renommierten internationalen Weinwettbewerben" verweist stolz auf 1866 Betriebe aus 41 Ländern.

Gewiss handelt es sich dabei um eine seriöse Sache, bedient man sich doch eines "anonymen Kostsystems" (!). Im Schnitt nehmen aber nur 45 Weingüter pro Nation teil. Und die nominieren sich auch noch selbst – per Anmeldeformular und Bezahlung für jeden eingereichten Wein. Für die Veranstalter vermutlich ein einträgliches Geschäft – für die Prämierten ein Pickerl mehr – für alle anderen eine Nullinformation. (Christina Fieber, RONDO, 9.11.2016)

Share if you care.