LASK: Zu Hause vor verschlossenen Türen

2. November 2016, 10:23
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Seit Sommer spielt der LASK in Pasching und fühlt sich in Linz auf der Gugl nicht mehr erwünscht. Jetzt plant der Klub eine eigene 20.000-Zuseher-Arena

Wien/Linz – In Linz ist es kalt geworden, die Stimmung zwischen dem LASK und der Stadt zeigt in Richtung Nullpunkt: Es geht um die Gugl, Mietkosten und die Zukunft. Im Sommer ist der Klub aus Linz ausgezogen und nach Pasching in das Waldstadion übersiedelt. Das hat man bis 2029 gemietet, aber mit der Gemeinde ausverhandelt, nur in den kommenden sechs Jahren Profispiele dort abzuhalten. Ab Sommer 2022 könnte das Areal demnach als Trainings- oder Akademiestandort genutzt werden, der LASK will dann zu seinen Bewerbsspielen in ein eigenes Stadion laden: Bis zu 40 Millionen Euro soll die Spielstätte kosten, sie soll 20.000 Zusehern Platz bieten, in sechs Jahren fertig sein und in oder um Linz stehen.

Das sei nicht hoch gepokert, sondern habe die Machbarkeitsstudie ergeben. "Die Zahlen kommen nicht von ungefähr", sagt Präsident Siegmund Gruber. Der Klub habe ein derart hohes Fanpotential. Und Kostentreiber sei die Haupttribüne mit ihrer Infrastruktur und nicht eine höhere Anzahl an Sitz- bzw. Stehplätzen. Man müsse kalkulieren: "Als Unternehmen will ich nicht nach fünf Jahren dastehen und sagen: Wir haben 12.000 Plätze, jetzt stocken wir hinterher um teures Geld auf." Daran, das Stadion irgendwann voll zu bekommen, müsse man arbeiten. Dafür hat der LASK noch Zeit. Eine Fertigstellung in sechs Jahren sei realistisch – und notwendig. Die Vereinbarung mit Pasching wird jedenfalls nicht verlängert. Und eine Rückkehr auf die Gugl scheint derzeit auch nicht realistisch.

Abschied aus Linz

Dem LASK ist es wichtig, über das künftige Eigenheim verfügen zu können. So wie jetzt im Waldstadion. Darauf pocht Gruber, denn auf der Gugl war das nicht möglich. Die alte Heimstätte des Vereins steht im Besitz der Stadt. Und die lässt nicht nur den LASK auf der Sportstätte agieren. Vor allem in der direkt angrenzenden TipsArena, mit der sich die Gugl zum Teil die Infrastruktur teilt, finden regelmäßig Veranstaltungen statt – auch an Spieltagen. Dazu zählen etwa das Tennisturnier Generali Ladies oder auch die Karate-WM, die vergangene Woche Blau-Weiß Linz veranlasst hat, das Cup-Heimspiel gegen Rapid in Wien auszutragen.

Vorige Saison ist der LASK für ganze sieben Heimspiele nach Pasching umgezogen. Eine Änderung in den Lizenzierungsbestimmungen erschwert das aber seit heuer: Ein Bundesligaklub darf nur noch vier Mal innerhalb einer Saison in ein anderes Stadion ausweichen – und davon nur zwei Mal in Folge. Darüber hinaus heißt es, dass lediglich aufgrund der Zuschauerkapazität in ein größeres und kein kleineres Stadion ausgewichen werden darf. Hätte der LASK auch in dieser Saison öfter als vier Mal in Pasching spielen müssen, hätte es Strafen gehagelt.

Drei Sichtweisen

"Das Stadion getauscht hat der LASK, eben weil Parallelveranstaltungen in der TipsArena auf die Infrastruktur der Gugl zugreifen. Zwar ist der Rasen frei für Fußballkost, "aber man weiß dann nicht, wo die Presse hin soll, wo der Schiedsrichter sitzen soll, wo der Arzt seinen Dopingtest machen soll. Es werden die Kabinen mitbenutzt", sagt Gruber. Dank der Änderung in den Bestimmungen sei es für den LASK "aufgrund der Doppelbelegungen auf der Gugl nicht möglich", das Linzer Stadion weiterhin als Heimstätte anzugeben. Auch, weil Blau-Weiß Linz in derselben Liga im selben Stadion kicken würde. Denn dann hätte die Bundesliga bei etwaigen Sperrterminen de facto kaum Spielraum, um den Spielplan der Erste Liga darauf abzustimmen. Man habe in Gesprächen versucht, Überzeugungsarbeit zu leisten, damit sei man aber gescheitert.

Allen voran bei Karin Hörzing, Stadträtin für Sport in Linz. Parallelveranstaltungen würden ein Fußballspiel auf der Gugl nicht tangieren, "wenn beide Veranstalter bereit sind, auch Kompromisse einzugehen". Ein Problem bestehe dann, wenn ein Klub diese Bereiche exklusiv möchte – wie etwa der LASK. Denn "je nach Veranstaltung heißt es sicher, in vielen Bereichen zusammenzurücken. Aber es geht", so Hörzing. Laut der "Linzer Veranstaltungs GmbH" LIVA, die für beide Sportstätten verantwortlich ist, geht sogar noch mehr: "Mitbenutzt werden die VIP-Bereiche – aber auch das meist nicht oder nur eingeschränkt. Im Stadion ist ein Spiel möglich, das den Bestimmungen der Bundesliga entspricht. Zur Verfügung stehen Sanitätsräume, Kabinen oder Schiedsrichterkabinen."

Drei Parteien, drei Sichtweisen. Fakt ist aber, dass der LASK aus Linz weggezogen ist. Derzeit herrscht Funkstelle. "Meine Türen sind offen", bietet Hörzing an. Kontakt zum Linzer Traditionsklub aufnehmen will sie aber nicht, denn: "Ich habe nicht das Gefühl, dass der LASK das Gespräch sucht." Wenn, dann muss der Klub kommen und anklopfen, denn "ich sehe keine Probleme. Wenn ich einen Verein nicht halten kann, tut es mir leid. Wir haben ein Topangebot zu einem fairen Preis offeriert." Und das ist die Gugl.

Miete und Kommunikation

Dieses Topangebot gelte für alle Linzer Vereine gleichermaßen, sagt Hörzing – in diesem Fall für den LASK und Blau-Weiß Linz. Die Miete sei ein gestaffelter Tarif, der je nach Anzahl der ausgetragenen Spiele variiert: Je mehr Spiele, desto billiger fällt die Miete aus. "Wie ein Rabatt." Laut LIVA sei der Tarif im Sommer adaptiert und insgesamt "billiger geworden".

Dabei sagt Gruber, dass es für den LASK auf der Gugl teurer geworden wäre. Im Gespräch mit Hörzing habe man erklärt, dass man aufgrund der geänderten Lizenzierungsbestimmung nach Pasching übersiedeln müsste, man aber auf die Gugl als größeres Stadion ausweichen wolle, wenn keine Veranstaltungen stattfinden. "Die Frau Stadträtin hat uns gesagt, dass wir in ihren Augen kein Linzer Verein mehr wären und pro Spieltag mehr zu zahlen hätten", sagt Gruber. Es gebe offenbar unterschiedliche Interpretationen dieses Gesprächs, so Hörzing, denn: "So war das nicht." Der Verein wollte einen billigeren Miettarif von der Stadt herausschlagen – "einen billigeren, als in der Vorsaison", sagt Hörzing.

Erinnerungen eines Nostalgikers

"Als zu Beginn der Saison publik wurde, dass der LASK tatsächlich alle Heimspiele im Paschinger Waldstadion austragen wird, habe ich der Gugl schon etwas nachgetrauert", sagt Raphael Habringer. Er ist eingefleischter "LASKler" und beim Fanklub "seit1908" dabei. Er verbindet mit der Gugl Erfolge seines Vereins – "etwa den 1:0-Sieg gegen Inter Mailand im UEFA-Cup 1985". Nimmt er aber die rosarote Traditionsbrille ab, findet er die Entscheidung doch richtig. Die Atmosphäre im Waldstadion als reine Fußballarena sei viel besser als auf der Gugl. Außerdem würden "benachbarte Veranstaltungen die VIP-Räumlichkeiten und den Kabinentrakt blockieren" und auch "die Parkplatzsituation ist – gelinde gesagt – suboptimal".

Ein eigenes Stadion für seinen Verein gefällt Habringer. "Für uns LASK-Fans ist es Balsam für die Seele, wenn nach Jahren der Misswirtschaft und der Planlosigkeit in der Führungsetage endlich ein kompetentes Gremium die Zügel in die Hand nimmt. Der Weg stimmt", sagt der 18-jährige Oberösterreicher, "aber die letzten Jahre waren für alle Schwarz-Weißen so oft von Enttäuschungen geprägt, dass ich es auch erst glauben kann, wenn ich dann tatsächlich im neuen Stadion stehe."

Neue Heimat

Zum Zwecke der Glaubwürdigkeit plant der LASK munter weiter. In den kommenden sechs bis zwölf Monaten sollen die potentiellen Standorte für das Eigenheim auf drei bis maximal fünf eingegrenzt werden – wo, will Gruber noch nicht preisgeben. Erst in einem Jahr sollen Gespräche mit möglichen Geldgebern beginnen. Finanziert werden soll das Stadion durch Sponsoren und Investoren, vom Land und jener Gemeinde, in der das Stadion schlussendlich hingestellt wird. Und "der LASK wird sicherlich einen wesentlichen Beitrag leisten", so Gruber. Von Landesseite existiert etwa ein Arbeitsübereinkommen der schwarz-blauen Regierung über eine Fußballarena in Oberösterreich und eine etwaige Mitfinanzierung.

Auch Linz ist als Standort eine Option. Aus dem Jahr 2007 gibt es einen Gemeinderatsbeschluss von der Stadt, der dem STANDARD vorliegt. Die SPÖ hatte damals einen Dringlichkeitsantrag eingebracht, in dem von einem Stadion für den LASK die Rede ist. Demnach würde die Stadt ein Drittel der Gesamtkosten bis maximal zehn Millionen Euro tragen, wenn der LASK den Bau eines eigenen Stadions initiiert. Der Antrag wurde mit Stimmenmehrheit angenommen.

Interpretationsfrage

Gruber geht davon aus, dass der Beschluss nach wie vor gültig und eine Mitfinanzierung beschlossen ist, Hörzing nicht. "So interpretiere ich das nicht", sagt die Stadträtin. "In diesem Gemeinderatsantrag geht es nur darum, dass der Gemeinderat dann wieder damit zu befassen ist." Dann, wenn der LASK tatsächlich auf städtischem Boden bauen will. Außerdem liege der Ball bei der neuen Landesregierung, die ja zugesagt habe, ein reines Fußballstadion zu unterstützen, und nicht bei der Stadt, so Hörzing.

Zusage hin oder her – ob die Stadt finanziell etwas beisteuern würde, lässt Hörzing offen. Das könne sie nicht entscheiden. Zu überlegen wäre das außerdem auch nur, "wenn wir im Vorfeld miteingebunden werden. Man muss den, den man gerne mit im Boot hätte, auch mit ins Boot holen." Vielleicht baut der LASK das Stadion auch in einer umliegenden Gemeinde. Dann wäre das Linz beim LASK Linz endgültig gestrichen. "Es ist jetzt auch nicht so, dass wir den LASK in der Stadt haben. Er spielt ohnedies schon in Pasching", sagt Hörzing. Sie glaubt jedenfalls nicht, dass sich die Stadt Vorwürfe machen müsste, "dass sozusagen der Bruch passiert ist". Die Stimmung zwischen dem LASK und der Stadt bleibt eisig. (Katharina Siuka, 1.11.2016)

  • Der LASK ist aus der Sportstadt Linz ausgezogen.
    foto: siuka

    Der LASK ist aus der Sportstadt Linz ausgezogen.

  • LASK-Präsident Siegmund Gruber plant ein neues Stadion in oder um Linz.
    foto: privat

    LASK-Präsident Siegmund Gruber plant ein neues Stadion in oder um Linz.

  • Sportstadträtin Karin Hörzing glaubt, dass Parallelveranstaltungen ein Fußballspiel auf der Gugl nicht tangieren, wenn beide Veranstalter bereit sind, auch Kompromisse einzugehen.
    foto: stadt linz

    Sportstadträtin Karin Hörzing glaubt, dass Parallelveranstaltungen ein Fußballspiel auf der Gugl nicht tangieren, wenn beide Veranstalter bereit sind, auch Kompromisse einzugehen.

  • Die Tips-Arena (unten) ist durch einen Gang (Mitte) mit der Gugl (oben) verbunden. Bei Veranstaltungen wie der Karate-WM wird die Infrastruktur der Gugl mitbenützt.
    foto: siuka

    Die Tips-Arena (unten) ist durch einen Gang (Mitte) mit der Gugl (oben) verbunden. Bei Veranstaltungen wie der Karate-WM wird die Infrastruktur der Gugl mitbenützt.

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