"Unkaputtbarer" Ständer für das Smartphone

1. November 2016, 09:00
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Die Idee für einen Handyhalter machte drei Freunde zu Unternehmern, weitere Produkte sollen folgen

Wien – Den 9. Juli 2014 wird Sirus Madjderey (28) wohl nie mehr vergessen. Im Fernsehen läuft das Halbfinale der Fußball-WM: Niederlande gegen Argentinien. Madjderey sitzt mit seinen Freunden Saban Keskin (33) und Constantin Prosquill (24) vor dem Bildschirm, alle haben ihr Mobiltelefon dabei. "Es nervt, das Smartphone ständig in den Händen halten zu müssen, weil es sonst umfällt", sagt einer von ihnen. Damit war die Idee für den Handyhalter Hold geboren.

Rund zwei Jahre später ist aus der Idee ein serienreifes Produkt geworden. Rund 40 Unternehmen sind bereits Kunden von der Hold Innovation GmbH, rund 150.000 Handyhalter wurden mittlerweile verkauft. Die Holds werden vor allem von Unternehmen als Give-away verwendet, weil Firmenlogos leicht anzubringen sind. Auch über Amazon können die kleinen Plastikhalter im Kreditkartenformat nun bestellt werden.

Materialversuche mit Tupperware

Aber zurück zu den Anfängen: "Eigentlich wollten wir nur ein paar Stück erzeugen", sagt Madjderey. Für Familie und Freunde. Doch dann kam die erste Anfrage, und die wollte man erfüllen. Ab dann sei klar gewesen: Wir probieren das. Damit wurden die drei Freunde zu Unternehmern.

Doch welches Material eignet sich für eine Halterung, die die perfekte Sicht auf das Smartphone verspricht? "Wir haben viel experimentiert", erinnert sich Madjderey. Selbst aus Tupperware-Geschirr habe man Schablonen ausgeschnitten. Wichtig sei gewesen, dass das Produkt aus einem Teil besteht, nichts zusammengeschraubt werden müsse – und die Schaniere dennoch halten und über die Zeit nicht ausleiern, damit sie immer wieder flach zusammenklappen.

Finanzhilfe aus Familienumfeld

Mit einer groben Form und einem Ausdruck aus dem 3-D-Drucker habe man sich an Spritzgussfirmen gewendet und ist im Material Polypropylen fündig geworden. "Damit sind unsere Handyhalter auch unkaputtbar", sagt Madjderey. Und das sei auch das Besondere an diesem Produkt.

Finanziert habe man sich anfangs über eigenes Geld und Unterstützung aus dem familiären Umfeld. Das meiste Geld floss in die Adaptierung einer Spritzgussmaschine. Die erste Spritzgussform haben die drei Freunde noch selbst gefräst. Den technischen Background dafür haben die Jungunternehmer durch ihre Ausbildung, sie fügen Kenntnisse aus Architektur, Tischlerei und technischem Zeichnen ineinander. Mittlerweile gibt es zwei Investoren aus dem privaten Umfeld.

Der schönste Moment

"Freilich gab es Rückschläge", sagt Madjderey. Aufträge oder Kooperationen, die dann noch nicht zustande gekommen sind. Vor allem zu Beginn habe man viel herumtüfteln müssen, aber in Summe sei alles wie am Schnürchen gelaufen, fasst Madjderey, der die Geschäftsführung bei Hold innehat, zusammen. "Der schönste Moment bisher war, als die Spritzgussform das erste Mal auseinandergegangen und unser fertiges Produkt herausgeploppt ist und es voll funktionstüchtig war." Einen Produktionsfehler habe es bisher auch noch nie gegeben. Hergestellt und, wenn gewünscht, individuell bedruckt, werden die "Plastikhalter" derzeit in Deutschland. Ob des stabilen Auftragsvolumens wird nun eine Sales-Abteilung aufgebaut.

Dass man mit dem Handyhalter nicht ewig Geld verdienen kann, ist den drei Unternehmern klar. Die Weiterentwicklung der Produktpalette läuft daher bereits auf Hochtouren. (Bettina Pfluger, 1.11.2016)

  • Um das Smartphone beim Fernsehen nicht immer in der Hand halten zu müssen, haben sich drei Freunde eine simple Halterung ausgedacht und in die Praxis umgesetzt.
    foto: hold innovation

    Um das Smartphone beim Fernsehen nicht immer in der Hand halten zu müssen, haben sich drei Freunde eine simple Halterung ausgedacht und in die Praxis umgesetzt.

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