Austrias Lauf bringt Sturm zu Fall

30. Oktober 2016, 18:45
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Wiener holen mit 2:0 gegen Graz vierten Ligasieg in Folge, Führung aus umstrittenem Elfmeter – Fink: "Beste Saisonleistung bisher"

Wien – Austria Wien hat Spitzenreiter Sturm Graz die zweite Niederlage innerhalb von fünf Tagen zugefügt. Nach dem Ausscheiden im ÖFB-Cup am Mittwoch gegen St. Pölten unterlagen die Grazer am Sonntag 0:2 (0:0) im Ernst-Happel-Stadion. Für die Austria war es der vierte Ligasieg in Folge, in der Tabelle fehlen den viertplatzierten Wienern nur noch vier Punkte auf Sturm. Für die Grazer war es die erste Liganiederlage seit zehn Runden und erst die zweite in dieser Saison. Am 30. Juli hatte man in Ried mit 0:1 verloren.

Raphael Holzhauser brachte die Austria in der 51. Minute nach einem strittigen Foulpfiff von Schiedsrichter Dominik Ouschan per Elfmeter in Führung. Die Wiener hatten schon in der ersten Hälfte mehr vom Spiel gehabt, aber nichts Zählbares daraus gemacht. Olarenwaju Kayode spitzelte den Ball in der 67. Minute zum 2:0 ins Tor.

Die Austria begann ohne Überraschungen mit der von Trainer Thorsten Fink präferierten Stammformation. Sturm-Coach Franco Foda musste hingegen auf den angeschlagenen Kapitän Christian Schulz verzichten, Christian Schoissengeyr kam stattdessen in der Abwehr zum Einsatz. Die Violetten starteten mit spielerischen Vorteilen und tiefen Pässen auf den schnellen Kayode, der in der siebenten Minute alleine vor Sturm-Goalie Christian Gratzei vergab. Zweimal tappte der Nigerianer indes in die Abseitsfalle.

Streitpunkt

Wie beim ersten Saisonduell in Graz, das die Wiener 1:3 verloren, attackierte die Fink-Elf früh und hatte mehr Ballbesitz. Gefährlich wurde die Austria vor allem über Standardsituationen. In der 24. Minute wehrte Gratzei einen von Holzhauser getretenen Freistoß ab. Sieben Minuten später brachten Lukas Rotpuller und Petar Filipovic nach Holzhauser-Freistoßflanke aus kurzer Distanz keinen Druck hinter den Ball – Gratzei war zur Stelle. Die zwei Innenverteidiger waren sichtlich überrascht von der sich ihnen bietenden Möglichkeit.

Die beste Sturm-Gelegenheit verzeichnete Charalampos Lykogiannis (15.) mit einem Freistoß von der Strafraumgrenze, der das Lattenkreuz nur knapp verfehlte. Die Grazer kamen mit Fortdauer der Partie grundsätzlich zwar besser ins Spiel, spätestens im Strafraum der Gastgeber war jedoch Endstation. Etwaige Gegenstöße brachte die Austria-Defensive gut unter Kontrolle.

Harmlose Grazer

Etwas Glück hatten die Veilchen zu Beginn der zweiten Hälfte, bekam die Austria doch wie schon vor einer Woche im 319. Wiener Derby einen umstrittenen Elfmeter zugesprochen. Lykogiannis touchierte Kayode mit dem Arm, der Stürmer ging schnell und dramatisch zu Boden. Ouschan zögerte nicht und zeigte auf den Punkt. Von dort verwandelte Holzhauser flach, obwohl Gratzei die Ecke erraten hatte.

In der 54. Minute rettete Lykogiannis gegen Felipe Pires, auf der Gegenseite wurde Deni Alar alleine vor Osman Hadzikic wegen Abseits zurückgepfiffen. Nach dem Treffer von Kayode, der in eine halbhohe Freistoß-Hereingabe von Holzhauser spritzte, versuchten die Blackys alle Kräfte zu mobilisieren – so kamen Philipp Zulechner und Roman Kienast -, wurden aber nicht mehr zwingend.

Zeitweise waren die Austrianer dem dritten Tor sogar näher als Sturm einem erfolgreichem Abschluss. So musste Gratzei in der 72. Minute nach einer Schoissengeyr-Rettungstat ein Eigentor verhindern. (APA, 30.10.2016)

Bundesliga, 13. Runde, Sonntag

Austria Wien – Sturm Graz 2:0 (0:0)
Ernst-Happel-Stadion, 11.100 Zuschauer, SR Ouschan

Torfolge:
1:0 (51.) Holzhauser (Elfmeter)
2:0 (67.) Kayode

Austria: Hadzikic – Larsen, Rotpuller, Filipovic, Martschinko – Serbest (81. Prokop), Holzhauser – Pires, Grünwald, Venuto (94. Tajouri) – Kayode (89. Friesenbichler)

Sturm: Gratzei – Koch, Schoissengeyr, Spendlhofer, Lykogiannis – Jeggo (81. Kienast), Matic – P. Huspek, Alar, Schmerböck (62. Hierländer) – Edomwonyi (71. Zulechner)

Gelbe Karten: keine bzw. Jeggo, Lykogiannis, Schoissengeyr

Stimmen

Thorsten Fink (Austria-Trainer): "Das war die beste Saisonleistung, die wir bisher gezeigt haben. Der Gegner hatte ein paar Chancen vom Sechzehner, aber am Ende war der Sieg in Ordnung. Ich bin sehr zufrieden, wie die Mannschaft gespielt hat, mit wie viel Power. Für mich war es ein Elfer. Man kann es so oder so sehen, aber der Schiedsrichter hat ihn gegeben. Wir haben gegen die Roma jetzt ein tolles Spiel, da werden wir Gas geben. Aber die Meisterschaft steht an erster Stelle."

Franco Foda (Sturm-Trainer): "Erste Halbzeit hatte die Austria weit mehr Ballbesitz, aber wir wollten sie in gewissen Zonen spielen lassen und haben nur eine Möglichkeit durch Kayode zugelassen. Unsere Umschaltmomente haben wir aber schlecht zu Ende gespielt. Ich denke, es war kein Elfer. Kayode ist in Lykogiannis hineingelaufen, es war eine fragwürdige Entscheidung. Wir haben dann alles versucht, aber aus einem Standard das 0:2 kassiert, dann war es schwierig. Uns war bewusst, dass wir noch das eine oder andere Spiel verlieren werden, heute war das der Fall."

Raphael Holzhauser (Austria-Mittelfeldspieler, Torschütze zum 1:0): "Wir haben sehr konzentriert begonnen. Wir wussten, Sturm kann nicht jedes Ligaspiel gewinnen. Wir haben schon in der ersten Halbzeit gut gespielt und dann einen Standard als Dosenöffner gehabt. Wir haben jetzt einen guten Lauf."

  • Die Wiener Austria reitet auf der Welle des Erfolges.
    foto: apa/fohringer

    Die Wiener Austria reitet auf der Welle des Erfolges.

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