Afghanistan: Was aus Sportinitiativen für Frauen wurde

30. Oktober 2016, 18:22
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Widerstand und Proteste, Frauensport widerspreche der afghanischen Kultur

Kabul – Afghanische Frauen beim Sport waren jahrelang ein Lieblingsmotiv von Hilfsorganisationen, um Fortschritte bei den Frauenrechten im Land zu illustrieren. Viele, die den Frauensport auf die große Bühne heben wollten, sind allerdings gescheitert. Es gab Proteste, Frauensport widerspreche der afghanischen Kultur.

Fitness und Yoga

In einigen Großstädten existieren heute kleinere, private Initiativen, die Mädchen und Frauen das Sportmachen in geschützten Bereichen ermöglichen: zum Beispiel Fitnessstudios. Gerade hat in Kabul das erste Frauen-Yogastudio aufgemacht. In Schulen gibt es wenig Sportunterricht für Mädchen. Sport bleibt so den meisten fremd. Einige Beispiele:

Fußball

Das erfolgreichste afghanische Frauensportprojekt ist wohl die Fußballnationalmannschaft. Sie wurde 2007 gegründet und trat 2010 zum ersten Mal in einem internationalen Turnier an. Teamchefin Khalida Popal musste aber vor einigen Jahren wegen Drohungen ins Ausland fliehen. Das Team bröckelte. 2016 hat es mit einer öffentlichen Kampagne versucht, Geld für Trainingslager und anderes zu sammeln. Zwei neue internationale Trainerinnen haben eine neue Mannschaft aus zumeist im Ausland lebenden Spielerinnen zusammengestellt.

Eine ab 2012 organisierte "Bundesliga" mit mehreren Frauenteams konnte 2016 nicht fortgesetzt werden. Es habe Sicherheits- und finanzielle Probleme gegeben, heißt es. Die jungen Frauen spielten vor zumeist leeren Stadien.

Cricket

Die 2010 gegründete Cricket-Nationalmannschaft der Frauen schlief 2014 ein. In Medienberichten war die Rede von Drohanrufen der radikalislamischen Taliban, aber auch von Gegenwind für die Frauen unter den Männern des Cricket-Ausschusses von Afghanistan.

Taekwondo

Afghanistan hat eine große Taekwondo-Hoffnung, Somaia Ghulami. Aber Ghulami (23) sagte im April im Interview mit der "New York Times", dass sie im Iran lebe. Sie würde niemals in Turnieren antreten können, wenn sie in ihrem eigenen Land leben müsste. (APA, 30.11.2016)

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