Rechter Kongress in Linz: Demokratischer Schnitzer

Kommentar30. Oktober 2016, 18:39
254 Postings

Mit seiner Teilnahme hat FPÖ-General Herbert Kickl seinem Wahlkampfschützling Norbert Hofer ein Ei gelegt

Die Hofburg in Wien und die Redoutensäle in Linz haben dasselbe Problem: Sie werden – legal – von rechten Veranstaltern angemietet, was linke Gegner auf die Palme und – ebenso legal – auf die Straßen bringt. In Wien ist es der Akademikerball der Wiener Freiheitlichen, der am 3. Februar 2017 wieder über die Bühne gehen wird. In Linz war es am vergangenen Wochenende der Kongress der selbsternannten "Verteidiger Europas", auf deren "Ausstellerliste" auch rechtsrechte Vertreter standen.

Die FPÖ hatte dort, wo der Daumen links ist, noch nie Berührungsängste. Kritische Berichterstattung mag zwar öfters unerwünscht gewesen sein, ausgeschlossen wurden Medien aber bisher nicht. Doch "Lügenpresse"-Lügen zeigen Wirkung. In Linz twitterte der Veranstalter: "Mainstream-Medien bleiben heute draußen. Diesen Platz haben sie durch ihre Berichterstattung vorab selbst gewählt."

Mit seiner Teilnahme an dem Kongress hat FPÖ-General Herbert Kickl nicht nur sich selbst ein Ei gelegt, sondern auch seinem Wahlkampfschützling Norbert Hofer. Es mag ja im Kreise rechter Recken für Schenkelklopfer gesorgt haben, als Kickl zur medialen Abschottung anmerkte, dass "die Medien jetzt selber einmal darüber nachdenken können, warum das so ist". Doch mit demokratischen Grundrechten treibt man keine Späße. Schon gar nicht, wenn man Wahlkampfleiter eines Kandidaten für das höchste Amt im Staat ist. (Michael Simoner, 30.10.2016)

Share if you care.