Mit Macbook Pro und Surface Studio werden Computer wieder teuer

31. Oktober 2016, 11:03
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Wieso Apple und Microsoft keine günstigen Einsteigergeräte mehr vorgestellt haben

Computer waren einst für die meisten Menschen ein Luxusprodukt und Macs galten als unerschwinglich. Die rasche Verbreitung der Technologie und damit verbundenen günstigere Komponenten führten zu niedrigeren Preisen – PCs und Laptops wurden zu Alltagsgegenständen. Was Microsoft und Apple vergangene Woche präsentiert haben, geht nun allerdings wieder in die andere Richtung. Die neuen Macbook Pro-Modelle und der All-In-One-PC Surface Studio sind alles andere, als leistbare Schnäppchen.

Teure Einstiegsgeräte bei Apple

Macs waren immer schon teurer als Computer anderer Hersteller. Mit Mac Mini und Macbook Air-Modellen teilweise weit unter 1.000 Euro hat Apple in den vergangenen Jahren einen Markt für weniger zahlungskräftige Nutzer geschaffen. Zumindest für die Laptops ist diese Zeit aber vorbei. Mit dem Start der neuen Pro-Serie hat Apple gleichzeitig auch sein bisher günstigstes Macbook – das Air mit 11 Zoll – eingestellt.

Der billigste Apple-Laptop kostet nun 1.105 Euro. Wer ein Gerät mit der neuesten Hardware haben will, muss noch viel tiefer in die Tasche greifen. 1.669 Euro kostet der günstigste, neue Macbook Pro. Die neue Touchleiste, die Funktionstasten ersetzt und zusätzliche Optionen für verschiedene Programme bietet, ist da noch gar nicht verbaut. Geräte mit dieser Ausstattung fangen erst bei 1.999 Euro an.

Den günstigen Mac Mini ab 555 Euro führt Apple zwar noch immer im Sortiment, allerdings ist er länger nicht aktualisiert worden. Das letzte Modell stammt von 2014. Wann und ob die Reihe überhaupt noch erneuert wird, ist nicht bekannt.

All-In-One-PC für Nischenmarkt

Auch Microsoft hat am Mittwoch mit dem All-In-One-PC Surface Studio ein interessantes Konzept vorgestellt. Der PC ist nicht nur einfach ein Computer mit integriertem Display – Surface Studio bietet einen 28 Zoll großen Touchscreen, auf dem man auch direkt mit einem Stift zeichnen kann. Der Monitor lässt sich dafür stark neigen und richtet sich vor allem an Nutzer aus der Kreativbranche.

Mindestens 2.999 Dollar (umgerechnet 2.729 Euro) muss man dafür allerdings ausgeben. Und auch das neu vorgestellte Surface Book-Modell kommt im November mit happigem Preispunkt ab 2.399 Dollar (umgerechnet 2.183 Euro). Die Preise für Europa hat Microsoft noch nicht genannt.

PC-Markt schrumpft

Die Erklärung zu dieser Rückbesinnung auf teure Hardware ist in der Marktentwicklung zu suchen. Kunden kaufen immer seltener neue PCs und Laptops. Laut den Marktforschern von Gartner wurden im dritten Quartal 5,7 Prozent weniger Computer verkauft als im Vorjahreszeitraum. Nutzer behalten ihre PCs und Laptops heute länger als noch vor ein paar Jahren. Denn mit Smartphones haben sie anders als früher inzwischen leistungsstarke Geräte ständig bei sich. Die wachsenden Displays der Handys haben auch den kurz aufblühenden Tablet-Markt wieder zurückgehen lassen.

Hinzu kommt, dass die Leistungssprünge zwischen zwei Computer-Generationen nicht mehr so drastisch sind wie früher. Nutzer sind mit ihren Computer länger zufrieden als früher. Wenn Hersteller ihren Umsatz nicht durch höhere Stückzahlen antreiben können, dann ist eine Erhöhung der Preise die logische Konsequenz. Diesen Schluss zieht man auch bei "The Verge".

Apple und Microsoft können mit Mac und Surface im Gegensatz zu reinen Hardware-Herstellern wie Lenovo, Asus oder Acer ein Gesamtpaket aus Software und Hardware bieten. Diese müssen bei Surface Studio und dem Macbook Pro mit Touchbar besonders gut aufeinander abgestimmt sein, um die einzigartigen Hardware-Features optimal zu unterstützen. Auch das ist Rechtfertigung für den höheren Preis. Andere Hersteller versuchen ebenfalls mit immer neuen Formaten und Konzepten wie Laptop-Tablet-Hybriden neue Kaufanreize zu schaffen. Doch wie die Marktzahlen zeigen, steigen Nutzer bisher nicht darauf ein. Ob auch diese Hersteller mit ihren Preisen wieder nach oben gehen, bleibt abzuwarten. (br, 31.10.2016)

  • Microsofts Surface Studio.
    foto: apa/afp/don emmert

    Microsofts Surface Studio.

  • Und Apples Macbook Pro.
    foto: apa/afp/getty images/stephen lam

    Und Apples Macbook Pro.

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