Erneut starkes Erdbeben in Mittelitalien

30. Oktober 2016, 15:21
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Beben mit einer Magnitude von 6,1 zerstörte ganze Ortschaften. Basilika und Kathedrale in Norcia sind eingestürzt

Rom – Mittelitalien ist am Sonntagmorgen erneut von einem starken Erdbeben erschüttert worden. Das Epizentrum lag in der Kleinstadt Norcia in Umbrien. Das nationale Institut für Geologie und Vulkanologie sprach von einem Erdstoß der Magnitude 6,1 in einer Tiefe von zehn Kilometern.

Das Institut korrigierte somit Angaben des Staatsfernsehens RAI, das 7,1 gemeldet hatte. Nach Medienangaben war das Erdbeben von Bozen bis Neapel zu spüren. Der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi setzte sich mit dem Zivilschutz in Verbindung, der die Nothilfe in der betroffenen Region koordiniert.

foto: apa

Nach Angaben des Zivilschutzes wurden "einige Dutzend Menschen" verletzt. Darunter soll sich ein Schwerverletzter befinden, berichtete Zivilschutzchef Fabrizio Curcio bei einer Pressekonferenz. Drei Personen wurden lebend aus Trümmern in der Marken-Stadt Tolentino geborgen. Auch in Norcia wurden sechs Personen aus den Trümmern geholt.

Ganze Ortschaften zerstört

Aleandro Petrucci, Bürgermeister der Ortschaft Arquata, die bereits am 24. August von einem schweren Erdbeben betroffen war, sagte, dass das ganze Dorf zerstört sei. "Arquata gibt es nicht mehr", sagte Petrucci. Auch die vom Erdbeben am Mittwoch schwer beschädigte Kleinstadt Ussita sei komplett zerstört. Über mögliche Opfer gab es zunächst keine Berichte.

Norcia, wo das Epizentrum des Bebens vom Sonntagmorgen lag, ist der Heimatort des Heiligen Benedikt. Die Basilika des Heiligen Benedikt und die Kathedrale von Santa Maria Argentea stürzten ein. Lediglich Teile der Fassaden blieben erhalten.

In der gesamten Region Marken kam es zu erheblichen Verkehrsproblemen. Vor allem die Straßen, die nach Norcia führten, waren blockiert. Zu Einstürzen kam es auch in L'Aquila, der Hauptstadt der Region Abruzzen, die bei einem schweren Erdbeben im April 2009 mit 306 Toten zerstört worden war. Das Heer wurde mobilisiert. Geprüft wird auch, ob die Gefahr von Erdrutschen infolge des Bebens besteht.

Die neuen Erdstöße in Mittelitalien haben auch in dem im vergangenen August von einem Erdbeben betroffenen Ort Amatrice, wo die meisten der 298 Todesopfer zu beklagen waren, schwere Schäden angerichtet. So stürzte der mittelalterliche Turm der dem Heiligen Augustin geweihten Kirche ein, der beim Beben im Sommer noch erhalten geblieben war.

Der Turm, dessen Uhr um 3.36 Uhr – Zeitpunkt des verheerenden Bebens am 24. August – stehen geblieben war, galt als Wahrzeichen des zerstörten Amatrice. Wie der stellvertretende Bürgermeister Gianluca Carloni mitteilte, wurden bei den jetzigen Erschütterungen einige Bewohner Amatrices leicht verletzt.

Renzi: "Werden alles wieder aufbauen"

Der italienische Premier Matteo Renzi hat den vom neuen Erdbeben in Mittelitalien betroffenen Gemeinden Hilfe und einen raschen Wiederaufbau versprochen. Bei einer Pressekonferenz kündigte Renzi eine Ministerratsitzung am Montag an, bei der Maßnahmen für diese dritte Erdbebenkatastrophe innerhalb von zwei Monaten beschlossen werden sollen.

"Niemand wird allein gelassen. Wir werden alles wieder aufbauen: Häuser, Kirchen und Betriebe", versicherte Renzi. Seine Regierung sei bereit, mehr Ressourcen für den Wiederaufbau zur Verfügung zu stellen. Die Betroffenen sollen vorübergehend in Hotels an der Adria-Küste untergebracht werden.

"Die Ortschaften, die zerstört worden sind, sind das Herz Italiens", betonte Renzi. Tiefer Schmerz, Stress und Müdigkeit nach dieser neuen Katastrophe dürften nicht zu Resignation führen. Renzi dankte dem Zivilschutz und den Rettungseinheiten. Der Staat habe mit Effizienz auf die neue Katastrophe reagiert. "Italien kann bei Notstandssituationen sein Bestes leisten", betonte der Ministerpräsident.

Auch in Österreich zu spüren

Das Erdbeben war am Sonntag ersten Meldungen aus der Bevölkerung zufolge auch in Teilen Österreichs zu spüren, wie der Österreichische Erdbebendienst der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) mitteilte. Die Rückmeldungen stammten "aus Kärnten, dem Inntal, dem Grazer Becken sowie bis hin nach Salzburg und ins Salzkammergut". Laut ZAMG wurde vor allem aus höheren Stockwerken über ein langsames Schwanken und das Schwingen hängender Gegenstände berichtet. Einige Personen seien auch aufgewacht.

Erst am Mittwoch hatte in den Regionen Umbrien, Latium und Marken die Erde gebebt. Zahlreiche Häuser waren eingestürzt. Der neue Erdstoß löste Angst unter der Bevölkerung aus, die in Notunterkünften die vierte Nacht im Freien verbracht hatte.

Das aktuelle Beben der Magnitude 6,5 ist das stärkste der letzten Jahrzehnte in Italien. Das verheerende Erdbeben in Friaul 1976 hatte eine Magnitude von 6,4, jenes in L'Aquila 2009 eine von 5,8. Das Beben im süditalienischen Irpinien 1980 war mit einer Magnitude von 6,5 gleich stark wie jenes, das am Sonntag registriert wurde. In Irpinien waren 2.914 Tote und 8.848 Verletzte zu beklagen. 280.000 Personen wurden obdachlos. (Reuters, APA, 30.10.2016)

  • In Norcia blieben lediglich Teile der Fassaden der Basilica erhalten.
    foto: ap

    In Norcia blieben lediglich Teile der Fassaden der Basilica erhalten.

  • In der Stadt Rieti musste laut der Nachrichtenagentur Reuters ein Krankenhaus evakuiert werden.
    foto: reuters

    In der Stadt Rieti musste laut der Nachrichtenagentur Reuters ein Krankenhaus evakuiert werden.

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