Murray im Wien-Finale gegen Tsonga

29. Oktober 2016, 15:30
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Brite kam kampflos weiter – Tsonga nach Abwehr eines Matchballs gegen Aufschlag-Ungeheuer Karlovic im Finale

Wien – Dieses Finale wird in der Siegerliste des Erste Bank Open in der Wiener Stadthalle einen guten Platz finden: Mit Top-Favorit Andy Murray und Jo-Wilfried Tsonga spielen zwei ehemalige Wien-Sieger um ihren jeweils zweiten Triumph in Wien. Während Murray kampflos ins Endspiel kam, kämpfte Tsonga 2:34 Stunden gegen Ivo Karlovic, ehe er sich nach Abwehr eines Matchballs mit 5:7,7:5,7:6(6) durchsetzte.

"Ich bin wirklich glücklich, weil wenn man in so einem Turnier vier Matches in Serie gewinnt, dann bedeutet es, dass man gutes Tennis gespielt haben muss", freute sich Tsonga, der das Duell mit Karlovic als "spezielles Match" beschrieb. "Ich bin einen Satz und ein Break zurückgelegen und dann hat er mich ins Match zurückgelassen. Tsonga erreichte vor 8.900 Zuschauern und damit neuerlich ausverkaufter Stadthalle sein erstes Saison-Endspiel auf der Tennis-Tour. "Ich habe dann beständiger und aggressiver gespielt."

Der Schlüssel zur Wende war das siebente Game im zweiten Satz, als Tsonga beim Stand von 2:4 ein Doppelbreak verhinderte. Insgesamt vier Breakbälle ließ der 2,11-m-Riese Karlovic ungenutzt. Tsonga schaffte nicht nur das 3:4, sondern machte in der Folge mit zwei Zu-Null-Games gleich elf Punkte zum 5:4. Mit einem Break zum 7:5 glich der Franzose in Sätzen aus.

Furioses Finish

Im dritten Durchgang gelang dem Wien-Sieger von 2011 das Break zum 4:2, musste jedoch postwendend den Aufschlag wieder abgeben. Als im darauffolgenden Tiebreak Aufschlag-Kanone Karlovic bei 5:4 auf 6:4 hätte stellen können, sah es schlecht aus für Tsonga. Oder als Karlovic bei 6:5, Aufschlag Tsonga Matchball hatte. "Das war wirklich sehr knapp. Ich habe fast jedes Tiebreak gegen Ivo in der Vergangenheit verloren."

Bereits zuvor war Andy Murray kampflos ins Finale gekommen, weil David Ferrer wegen einer Verletzung im linken Bein nicht antreten konnte. Der Schotte, der für das Publikum noch ein Champions-Tiebreak gegen Jürgen Melzer sowie ein Show-Training absolvierte, zeigte sich freilich mitfühlend mit dem Spanier. "Ich wusste, dass David schon zu Beginn der Woche eine Verletzung an seinem Arm hatte. Dann hatte er gestern ein sehr langes Match, das ist natürlich unglücklich für ihn. Es muss wirklich etwas Ernstes gewesen sein."

Der Weltranglisten-Zweite versuchte sich rasch auf das Finale zu konzentrieren. "Ich werde den Tag ein bisschen als Pause nutzen, ein bisschen Training auf dem Center Court." Ganz ohne Star-Allüren erklärte sich der zweifache Olympiasieger bereit, gegen den kurzfristig eingesprungenen Jürgen Melzer vor voller Halle ein Match-Tiebreak zu spielen. Und in der Folge noch ein Show-Training zu zeigen.

Melzers guter Wille

Der zweifache Wien-Sieger Melzer, der im Achtelfinale ausgeschieden war, hatte kurz nach Mittag Turnierdirektor Herwig Straka spontan zugesagt. "Ich habe gerade in der Wohnung ein bisserl aufgeräumt und dann hat das Telefon geläutet", sagte Melzer. Er habe es beim Blick auf das Telefon schon geahnt, weil er Ferrer am Vortag gesehen habe. "Ich habe gesagt, mache ich, keine Frage."

Murray will nun freilich am Sonntag seinen zweiten Wien-Titel nach 2014 holen. "Ich bin motiviert, die Saison so stark wie möglich abzuschließen und wieder in einem Finale zu stehen, ist gut. Es war eine harte Woche, die ersten paar Matches waren schwierig. Aber jetzt habe ich die Chance, einen Titel zu gewinnen und hoffentlich spiele ich mein bestes Match im Finale."

Sportlich fair hatte sich auch der am linken Bein verletzte Titelverteidiger David Ferrer davor noch beim Publikum auf dem Platz präsentiert und sich für seine Verletzung entschuldigt. "Ich hoffe, dass ich nächstes Jahr wiederkomme", sagte der Spanier. (APA, 29.10.2016)

  • Jo-Wilfried Tsonga steht nach einem unglaublichen Comeback gegen Ivo Karlovic im Finale.
    foto: apa/fohringer

    Jo-Wilfried Tsonga steht nach einem unglaublichen Comeback gegen Ivo Karlovic im Finale.

  • David Ferrer musste leider w.o. geben.
    foto: apa/georg hochmuth

    David Ferrer musste leider w.o. geben.

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