Susana Díaz: Die spanische Version einer Eisernen Lady

Kopf des Tages29. Oktober 2016, 08:00
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Die Juristin aus Andalusien gilt als Drahtzieherin der Entmachtung von Pedro Sánchez als Generalsekretär der spanischen Sozialisten

Über Nacht wurde Susana Díaz, Präsidentin der südspanischen Region Andalusien und Chefin der regionalen Sozialisten (PSOE-A), von der Hoffnungsträgerin zur an der Basis wohl meistgehassten Person. Die 42-jährige Juristin aus Sevilla gilt als Drahtzieherin des Sturzes von PSOE-Generalsekretär Pedro Sánchez und des Schwenks ihrer Partei vom Nein hin zu einer Duldung einer Minderheitsregierung unter dem Konservativen Mariano Rajoy.

Die Chefin des stärksten sozialistischen Landesverbandes ist eine erbitterte Gegnerin eines Bündnisses mit der linken Protestpartei Podemos. Zu Hause regiert sie mit den rechtsliberalen Ciudadanos – und in Madrid verbaute sie Sánchez den Weg für eine linke Alternative zu Rajoy.

Díaz, verheiratet und Mutter eines einjährigen Kindes, hat gelernt, die Partei zu kontrollieren. Mit 17 trat die Tochter eines Installateurs und einer Hausfrau in die Sozialistische Jugend Andalusiens ein. Dort wurde sie bald Organisationssekretärin. Die praktizierende Katholikin wurde Stadträtin in Sevilla, Abgeordnete in Madrid und im andalusischen Parlament und schließlich regionale Ministerin für Gleichstellung und erneut Organisationssekretärin, dieses Mal des PSOE-A.

Ausgeprägtes Machtbewusstsein

Als ihr Mentor, Landesvater José Antonio Griñán, wegen Korruptionsskandalen den Hut nehmen musste, beerbte ihn Díaz: Mithilfe der ihr treu ergebenen Bürgermeister sammelte sie für ihre Kandidatur die Unterschriften von mehr als der Hälfte der 45.000 andalusischen Parteimitglieder – die Urwahl wurde schlicht abgesagt.

Díaz verlor dennoch die Regionalwahlen. Der PSOE-A brauchte erstmals einen Koalitionspartner. Nach dem Podemos-Erfolg bei den EU-Wahlen 2014 brach Díaz überraschend mit der Vereinigten Linken (IU) und setzte 2015 Neuwahlen an. Es half nichts: Der PSOE-A verlor weitere Stimmen, und Podemos zog ins Regionalparlament ein. Seither regiert Díaz in Andalusien mit den Ciudadanos.

Díaz hat aber nationale Ambitionen. Sie unterstützte bei der Urwahl zum Generalsekretär mit Pedro Sánchez den schwächsten von drei Kandidaten – in der Hoffnung, ihn einmal zu beerben. Doch der machte sich selbstständig; Díaz setzte dem jetzt ein Ende, was ihrer Popularität im restlichen Spanien aber schadete. "Mit Díaz ist es wie mit Bier aus Sevilla: In Andalusien glauben alle, es sei das beste, doch anderswo trinkt es keiner", lautet ein Spruch, der seit Wochen durch die sozialen Medien geistert. (29.10.2016)

  • Susana Díaz: Ambitionen auf den Vorsitz bei Spaniens Sozialisten.
    foto: afp photo / cristina quicler

    Susana Díaz: Ambitionen auf den Vorsitz bei Spaniens Sozialisten.

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