Tanz den Bruckner, sing den Schubert

28. Oktober 2016, 16:16
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Die Symphoniker mit Robin Ticciati, die Philharmoniker mit Riccardo Muti

Wien – Romantik mit Robin und Renaud stand auf dem Programm der Konzerte der Symphoniker im Konzerthaus: erst Max Bruchs erstes Violinkonzert mit Renaud Capuçon, dann Anton Bruckners 6. Symphonie, beides unter der Leitung von Robin Ticciati. Der französische Geiger interpretierte das romantische Violinkonzert in Feldherrenart und -pose: viril, drängend, mit präsentem, starkem Geigenton. Ticciati schuf Capuçon mithilfe der glänzend disponierten Symphoniker delikate Klanglandschaften für dessen solistische Eroberungszüge.

Diese Qualität im Orchesterbereich wurde später sogar noch gesteigert. Ticciati tanzte den Bruckner (im Kopfsatz als Torero mit Ballerinaambitionen), er malte ihn in Farben der Freude und der Euphorie. Der junge Chefdirigent des Scottish Chamber Orchestra brachte die oft klobig und eckig nachgezeichnete Werkarchitektur ins Schwingen, ins Strömen, die Symphoniker setzten die blumig-beschwingten Armverdrehungen Ticciatis in eindrucksvolle Klangkunst um.

Der langsame Satz war erfüllt von geglückter Liebe (wie oft hört man so was bei Bruckner?), wundervoll auch der schwebende Beginn des Finalsatzes. Schön – wie auch viele Ereignisse im Wiener Musikverein, wo die Philharmoniker mit Dirigent Riccardo Muti sich anschickten, Schuberts 4. Symphonie als Hort kultivierter Opulenz zu entfalten. Es hatte anfangs etwas Magisches, mit welcher Klarheit und Leichtigkeit der Klageton einherschwebte.

Im weiteren Verlauf stellten sich ähnliche, auch sangliche Momente ein. Es wirkte die Symphonie aber öfter doch ein bisschen zu gemütlich angelegt – als gelte es vornehmlich, den Klang des wunderbaren Orchesters zu zelebrieren und nötige Pointen und Akzente hintanzustellen.

Ähnlich Luigi Cherubinis Requiem: Sobald es galt intime Details sanft zu erwecken, herrschte Besonderes vor, auch dank des Singvereins (etwa bei Introitus). Alles Extrovertierte geriet aber ein bisschen dicklich und tönte auch auf seinem Weg zu dramatischen Höhepunkten recht grell.

Es bleiben nun der Samstagnachmittag (15.30) und der philharmonische Sonntagvormittag (11.00), um die magischen Momente mit Kontinuität auszustatten. (end, tos, 28.10.2016)

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