Pädagogische Hochschulen sollen Autonomie erhalten

28. Oktober 2016, 13:36
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Bildungsministerin Hammerschmid erwartet dadurch mehr Qualität und weniger Bürokratie

Wien – Nicht nur die Schulen, auch die für Lehreraus- und -weiterbildung zuständigen Pädagogischen Hochschulen sollen künftig mehr Freiheit haben: Die Regierung will die bisherigen Dienststellen des Bildungsministeriums in die Autonomie entlassen. Das soll für die Pädagogischen Hochschulen weniger Bürokratie und in der Folge mehr Qualität in Lehre und Forschung bringen, hieß es aus dem Bildungsressort zur APA.

Die Pläne von Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) sehen vor, dass die Pädagogischen Hochschulen ähnlich den Universitäten auf eine dreijährige Ziel- und Leistungsplanperiode mit dazugehörigem Globalbudget umgestellt werden. Durch ein neues Organisationsrecht sollen sie vollrechtsfähig und damit weitgehend autonom werden, auch das Studienrecht soll an jenes der Unis angeglichen werden. Was das im Detail bedeutet, ist laut dem Ministerium noch offen.

Auf Augenhöhe mit Unis

Diese Änderung soll auch dazu führen, dass die Pädagogische Hochschulen den Unis künftig "auf Augenhöhe" begegnen können, wenn sie etwa im Rahmen der neuen Lehrerausbildung kooperieren. Derzeit hat das Ministerium weitreichenden Einfluss auf Personal-, Studien- und organisatorische Entscheidungen der Pädagogische Hochschulen; selbst Details wie jeder einzelne Urlaubsantrag laufen derzeit über das Bildungsressort.

Um österreichweit weiterhin eine vergleichbare Lehrerausbildung sicherstellen zu können, soll es Instrumente zur Qualitätssicherung geben. "Aber wir werden nicht mehr lückenlos jeden Schritt kontrollieren, sondern schauen, dass das Ergebnis stimmt", heißt es aus Hammerschmids Büro. Die Pädagogische Hochschulen sollen außerdem mehr Freiheit bekommen, in der Forschung in enger Zusammenarbeit mit den Schulen neue pädagogische Ansätze zu entwickeln. Bisher wurde bis hinunter zum Studienplan alles vom Bildungsministerium kontrolliert.

Kooperationspflicht seit Herbst

Die Pädagogischen Hochschulen wurden 2005 gegründet und sind aus den damals 51 Pädagogischen Akademien (Pädaks) und Instituten (PI) hervorgegangen. An den Pädagogische Hochschulen wurden früher alle Pflichtschullehrer (vor allem Volks- und Neue Mittelschule) ausgebildet, die Bundeslehrer (AHS, BMHS) an den Unis. Seit Herbst gibt es eine einheitliche Ausbildung für Lehrer der Sekundarstufe, die Pädagogischen Hochschulen müssen hierfür aber mit einer Uni kooperieren. Außerdem sind die Pädagogischen Hochschulen für die Fort- und Weiterbildung der Pädagogen zuständig.

Die auch vom Qualitätssicherungsrat für die Lehrerausbildung empfohlene Umstellung auf ein neues Organisationsrecht soll in Etappen kommen, für 2017/18 soll in einem ersten Schritt ein Hochschulentwicklungsplan erarbeitet werden. Mit dem Koalitionspartner ÖVP ist die Reform der Pädagogischen Hochschulen laut Hammerschmids Büro akkordiert. Auch dass die Pädagogische Hochschulen weiterhin dem Bildungsministerium und nicht (wie Unis und Fachhochschulen) dem Wissenschaftsressort unterstehen sollen, sei mit der ÖVP abgemacht.

Wissenschaftsministerium unterstützt Plan

Das Wissenschaftsministerium hat das bestätigt. Die Autonomie habe sich bei den Universitäten "im Wesentlichen bewährt", heißt es in einer Stellungnahme. Auch die Leistungsvereinbarungen, bei denen das Budget der einzelnen Unis und die dafür zu erbringende Leistungen vereinbart werden, hätten sich als wirksam erwiesen.

Auch in Hinblick auf die kontinuierliche Verbesserung der Kooperation von Pädagogischen Hochschulen und Unis, etwa bei der neuen Lehrerausbildung, sei die geplante Autonomie zu begrüßen. Über die Details der Umsetzung werde nun verhandelt. "Das Thema wird so wie die Studienplatzfinanzierung aktuell in konstruktiven Gesprächen auf Regierungsebene besprochen."

Hintergrund der Reform ist unter anderem die geplante neue Rolle der Pädagogische Hochschulen mit dem Ausbau der Schulautonomie: Sie sollen viel stärker als bisher Erkenntnisse aus der Forschung in die schulische Praxis bringen und leichter als bisher mit anderen Bildungseinrichtungen – von Kindergarten über Schule bis Uni – zusammenarbeiten können. Dazu kommt, dass aus Sicht der Ex-Unirektorin Hammerschmid die Pädagogischen Hochschulen durch das bisherige Übermaß an Bürokratie in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt werden. (APA, 28.10.2016)

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