Suchmaschinen könnten stärkeren Beitrag zur Suizidprävention leisten

28. Oktober 2016, 11:30
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Forscher: Bei bestimmten Suchbegriffen sollten verstärkt Hilfsangebote eingeblendet werden

Wenn Nutzer von Suchmaschinen mit bestimmten Suchbegriffen eine Selbstmord-Absicht erkennen lassen, blenden Google und Co. Hilfsangebote, etwa zur Telefonseelsorge ein. Nach Ansicht von Wissenschaftern der Universität München tun sie das aber zu selten. Sie zeigen nun im Fachjournal "Health Communication", wie die Programme solche Angebote zielgerichteter als bisher zeigen können.

Hilfsangebote einblenden

Als Internetnutzer verrät man den Betreibern von Suchmaschinen nicht nur seine Interessen und Vorlieben, sondern liefert häufig auch Informationen über seine Stimmung und den gesundheitlichen Zustand. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt allgemein Medien, Hilfsangebote zur Suizid-Prävention zu kommunizieren.

Übertragen auf den Online-Bereich hieße das im Fall von Suchmaschinen, solche Hilfsangebote einzublenden, wenn nach bestimmten Begriffen gesucht wird, etwa das Wort "Vergiftung", sagte der aus Österreich stammende Kommunikationswissenschafter Florian Arendt von Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Ludwig-Maximilians-Universität München gegenüber der APA.

Nach Angaben der Wissenschafter weisen mehrere Studien darauf hin, dass sich Suizide verhindern lassen, wenn Betroffene auf entsprechende Hilfsangebote hingewiesen werden. Derzeit werden allerdings nur bei etwa einem Viertel der Anfragen, die auf einen potenziellen Suizid hindeuten, Angebote zur Hilfe angezeigt, haben Arendt und sein Kollege Sebastian Scherr von der Uni München in einer früheren Studie am Beispiel von Google gezeigt.

Suizide an bestimmten Tagen gehäuft

Die Suchmaschinen würden damit die Chance vergeben, gefährdeten Personen zu helfen, betonen die Wissenschafter. Die beiden Wissenschafter haben nun einen Ansatz entwickelt, wie Suchprogramme zielgerichteter als bisher Hilfsangebote bei Suizidgefahr einblenden können.

Hintergrund ist, dass sich Suizide an bestimmten Tagen im Jahr häufen, etwa an spezifischen Wochentagen oder zu bestimmten Feiertagen. Arendt und Scherr haben nun am Beispiel des Suchbegriffs "Vergiftung" analysiert, an welchen Tagen und zu welchen Zeitpunkten dieses Wort besonders oft eingegeben wurde. Dabei zeigte sich, dass diese Suchanfragen genau an jenen Tagen zunehmen, an denen es auch tatsächlich mehr Selbstmordversuche gibt.

"Zumindest an solchen Tagen, etwa im Frühjahr, an Sonn- und Feiertagen oder dem Neujahrstag, wäre es daher notwendig, die Hilfsangebote vermehrt anzuzeigen", sagte Arendt. In ihrer Arbeit schlagen die Wissenschafter vor, den Algorithmus von Suchmaschinen laufend auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse anzupassen, um Risikofaktoren stärker zu berücksichtigen.

"An den Tagen mit erhöhtem Gefährdungspotenzial sollten die Alarmglocken von Google und anderen Suchmaschinen einfach schneller und lauter läuten", so der Kommunikationswissenschafter. Mit einer gezielten Anpassung der Programme könnten Suchmaschinen einen stärkeren Beitrag zur Suizidprävention leisten, die Betreiber hätten hier "eine gesellschaftliche Verantwortung". (APA, 28.10.2016)

Hilfseinrichtungen für Personen, die sich in einer Krise befinden oder Suizidgedanken haben

kriseninterventionszentrum.at

Kriseninterventionszentrum (Mo–Fr 10–17 Uhr): 01/406 95 95

Psychiatrische Soforthilfe (0–24 Uhr): 01/313 30

Rat und Hilfe bei Suizidgefahr: 0810/97 71 55

Sozialpsychiatrischer Notdienst: 01/310 87 79

Telefonseelsorge (0–24 Uhr): 142

Rat auf Draht (0–24 Uhr, für Kinder & Jugendliche): 147

Sorgentelefon für Kinder, Jugendliche und Erwachsene (Mo–Sa 14–18 Uhr): 0800/20 14 40

Männernotruf Steiermark: 0800 246 247

Link

Studie: Optimizing Online Suicide Prevention: A Search Engine-Based Tailored Approach

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