Tausende Informatikerstellen bleiben unbesetzt

Interview31. Oktober 2016, 08:59
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Die Steiermark als Hightech-Standort? TU-Graz-Rektor Harald Kainz erklärt, wo es noch hakt

STANDARD: Die Steiermark hat sich im Bereich Hightech schon jetzt einen Namen gemacht. Nun hat Innovationsexperte Burton Lee von der Stanford School of Engineering, Entrepreneurship und Innovation im Rahmen seiner Gastprofessur an der TU Graz weitere Empfehlungen zur Stärkung der Region abgegeben. Was hat Sie dabei am meisten überrascht?

Kainz: Stimmt, die Region ist in vielen technologischen Bereichen schon jetzt weltweit führend. Es hat mich aber auch gefreut, dass Burton Lee sehr klar potenzielle Verbesserungen herausgearbeitet hat. Dabei wurden Hochschulen, Industrie und Politik einbezogen. Die Vorschläge wurden den Geschäftsführern der wichtigsten Betriebe der Steiermark präsentiert. Und der Auftrag ist klar: Wir müssen was tun. Denn schon jetzt können allein in der Steiermark 2000 Informatikerstellen nicht besetzt werden. Das ist eine essenzielle Standortfrage, die eine Vielzahl an Maßnahmen braucht, die zum Teil auch bereits umgesetzt werden.

STANDARD: Was wäre hier von der Wirtschaft ein wichtiger Ansatzpunkt, um den Standort zu stärken?

Kainz: Wir würden uns von den Unternehmen mehr Augenmerk auf unseren Inkubator wünschen, denn die Firmengründungen brauchen auch Betriebe, die bei ihnen einsteigen. Auch im Bereich der postgradualen Ausbildung brauchen wir die Wirtschaft. Außerdem wollen wir Manager im Bereich Smart Productions und Smart Services weiterbilden.

STANDARD: Ein weiterer Vorschlag lautet, einen Software-Council in der Steiermark zu errichten. Was ist das Ziel, und wie weit sind die Pläne schon fortgeschritten?

Kainz: Auch hier ist die Industrie mit an Bord. Nächste Woche wird es dazu eine gemeinsame Planungssitzung geben, bei der die wichtigsten Themen, Aufgaben und Ziele für die nahe Zukunft abgeklärt werden sollen. Im Wesentlichen geht es bei dem Council darum, die Sichtbarkeit zu erhöhen, um die Bedeutung des Sektors besser transportieren zu können. Denn das Ziel ist es, in fünf bis zehn Jahren als attraktiver Standort für Software- und Hightechunternehmen ganz vorn zu sein. Dafür haben wir bereits eine Vielzahl an Maßnahmen gesetzt, weitere werden noch folgen.

STANDARD: Welchen Beitrag kann die Technische Universität Graz dabei leisten?

Kainz: Wir haben vor fünf Jahren mit unserer Internationalisierungsinitiative begonnen. Die Hälfte unserer Masterprogramme sind bereits in englischer Sprache. Das soll noch weiter ausgebaut werden. Damit sind wir für internationale Lehrende, aber auch für Studierende weltweit attraktiv. Studierende wiederum können sich in sogenannten Hackathons beweisen. Und unsere Studierenden haben auch schon jede Menge Erfolge zu verbuchen. So kommt beispielsweise der Weltmeister für autonome Rettungsroboter von unserer Universität. Wir werden aber noch eine breite Palette von Maßnahmen setzen müssen – für Volksschüler genauso wie für Uni-Absolventen. Damit mehr Konsumenten der digitalen Welt zu Produzenten werden.

STANDARD: Burton Lee kritisiert in diesem Zusammenhang die fehlende Attraktivität der Softwareentwicklung. Diese würde im deutschsprachigen Raum zu wenige Wissenschafter anziehen. Können Sie dem etwas abgewinnen?

Kainz: Hier hat Professor Lee nur teilweise recht. Programmieren hat nicht das beste Image, das stimmt. Das wollen wir durch Code-Camps und Ähnlichem verbessern. Aber die Wirtschaft braucht beides, sowohl Entwickler als auch Umsetzer. Wir setzen daher auch stark auf Kooperationen mit anderen Hochschulen. Mit der Fachhochschule Joanneum funktioniert die Zusammenarbeit schon jetzt sehr gut. Derzeit laufen auch Gespräche mit der Fachhochschule und der Universität Klagenfurt, um federführend im Bereich der Informatik in Südösterreich zu werden. Denn der Informatik wird auch in Zukunft eine Schlüsselfunktion zukommen, und die wollen wir als gemeinsamer Hochschulraum weiter stärken. (Gudrun Ostermann, 31.10.2016)

Harald Kainz ist seit 2011 Rektor der Technischen Universität Graz.

  • "Wir werden aber noch eine breite Palette von Maßnahmen setzen müssen –  für Volksschüler genauso wie für Uni-Absolventen. Damit mehr Konsumenten  der digitalen Welt zu Produzenten werden", sagt TU-Graz-Rektor Harald Kainz.
    foto: istock

    "Wir werden aber noch eine breite Palette von Maßnahmen setzen müssen – für Volksschüler genauso wie für Uni-Absolventen. Damit mehr Konsumenten der digitalen Welt zu Produzenten werden", sagt TU-Graz-Rektor Harald Kainz.

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