Cerberus soll auch Bawag-Verkauf an Chinesen sondieren

28. Oktober 2016, 05:30
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Der US-Hedgefonds verhandelt laut Bankern neben dem Canada Pension Plan auch mit der chinesischen Legend Holdings über einen Verkauf

Wien – Die amerikanischen Eigentümer der Bawag PSK halten ihre Sondierungsgespräche mit potenziellen Käufern eher breit, ist aus der Bank zu hören. Neben den Gesprächen mit dem staatlichen kanadischen Pensionsfonds Canada Pension Plan (CPP; er ist wie berichtet an 30 bis 40 Prozent der Bawag interessiert) soll Cerberus auch mit der chinesischen Legend Holdings verhandeln. Sie ist – zum Beispiel – wichtigste Aktionärin des Technologiekonzerns Lenovo, der weltgrößter Hersteller von PCs ist.

Cerberus- bzw. Bawag-Manager führen dem Vernehmen nach bereits seit vielen Monaten Gespräche mit Legend, gegenseitige Besuche habe es bereits gegeben. Das 1984 gegründete Pekinger Unternehmen gehört mehrheitlich der staatlichen chinesischen Akademie der Wissenschaften und ist eine der größten chinesischen Holdings. Sie investiert in die Branchen IT, Finanzen, Landwirtschaft, Nahrungsmittel, Immobilien, Chemie und Energie. Die Bawag gibt zum Thema Legend keine Stellungnahme ab.

Sehnsucht nach Exit

Hedgefonds Cerberus hat die Bawag 2006 vom Gewerkschaftsbund ÖGB gekauft und hält heute 52 Prozent der Anteile. 40 Prozent hat er 2012 an Fonds Golden Tree verkauft. Cerberus hatte eigentlich vor, viel früher aus der Bawag auszusteigen – die Finanzkrise war diesem Plan aber in die Quere gekommen.

Nach dem Verkauf der Osttöchter und aller Nicht-Bank-spezifischen Beteiligungen (wie etwa der Schuhhandelskette Stiefelkönig oder des Klavierherstellers Bösendorfer) sowie einem kräftigen Personalabbau ist die vom Briten Byron Haynes geführte Bawag heute die profitabelste Bank Österreichs.

Geschäft mit Sparverein-Sparern

In den vergangenen Monaten waren die Banker sehr mit der Eröffnung von Sparkonten beschäftigt. Wegen der Einführung des zentralen Kontenregisters und entsprechender Meldepflichten hat die Bawag die Sammelkonten aller 1300 Sparvereine aufgelöst, die sie zu ihren Kunden zählt. In Summe lagen 2,2 Milliarden Euro auf solchen Konten, sie wurden aufgedröselt und den einzelnen Sparvereinsmitgliedern zugeordnet.

Ihnen bot die Bawag die Umstellung auf Sparkarten an, und die ist nun beendet. Das Angebot sei gut angenommen worden, so die Auskunft einer Banksprecherin, der Spareinlagenstand des Vereins österreichischer Sparer (VÖS; er hat seine Konten bei der Bawag) sei "sogar ausgebaut worden". (Renate Graber, 28.10.2016)

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