Pannonische Posting-Affäre: Landesdichter vs. Landeshauptmann

27. Oktober 2016, 18:16
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Peter Wagner postet in tiefer Schärfe, Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil sagt schon vereinbartes Interview zu einem Wagner-Theaterprojekt ab

Eisenstadt – Peter Wagner (60) ist gewissermaßen der burgenländische Landesdichter. Und das ist ohne Zweifel ein (in manchen Augen wohl auch "noch ein") Glück fürs Land von jenem Anfang an, als der 25-jährige sich mit großer Kunstfertigkeit abgearbeitet hat an der burgenländischen Landeshymne. Das empfanden damals, 1981, so manche Politiker – damals vor allem schwarze und klarerweise die blauen –, als führe ihnen jemand, wie man so sagt, mit dem Arsch ins G'sicht.

Weder Wagner noch die Politiker haben sich diesbezüglich geändert seither. Am Landeshauptmann Hans Niessl arbeitet er sich beinahe mit Hingabe ab. Erst schrieb er ihm ein eigenes, gewichtiges Heimatkunde-Märchenbuch. Seit Rot-Blau verachtet er ihn wortreich und -gewaltig. Und unlängst ist ihm diesbezüglich was passiert: ein Facebook-Posting.

Rösser des Grants

Dass ihm da die wilden Rösser des wohlgenährten Grants durchgegangen sind, will er selber gar nicht bestreiten. "Ich hab's aber eh gleich korrigiert." Doch so ist das halt mit dem Facebook: kaum gepostet, schon gescreenshottet.

foto: privat

Und so erlangte vom Wagner'schen Grant auch der solcherart Begrantete, Hans Niessl also, umgehend Kenntnis davon, was er freilich ohnehin schon wusste: Wagner ("Mein Zorn auf Rot-Blau ist mir heilig!") mag ihn nicht. Aber schon so was von gar nicht.

Niessl war – darf man annehmen, sagen tut er ja dazu nichts – not amused. Wagner hält ihn (nicht nur, aber zuletzt wegen seiner brachial-aufplusternden ORF-Politik, dem einfordernden Abfordern des Landesintendanten Karl-Heinz Pabst, den er für den Verlust bei der Wahl 2015 mitverantwortlich sieht) für abgehalftert, überstandig, autokratisch sowieso und insgesamt rücktrittsüberreif. Aber eben auch für "ein Stück Scheiße", beziehungsweise, in der dann zu spät korrigierten Fassung, für "toll".

foto: privat

Niessls Sprecher Herbert Oschep ergreift für seinen Herrn das Wort: "Meinungsvielfalt und Meinungsfreiheit sind das schönste und wichtigste Gut in der Demokratie." Kann sich allerdings nach dieser durchaus auch hämischen Volte auch den verbalen Bihänder nicht verkneifen. "Ich möchte nicht wissen, wie es zugegangenen wäre, hätte irgendein x-beliebiger Hassposter sowas über den Künstler Wagner gepostet."

Über eine "BVZ"-Geschichte erfuhr nun auch Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil davon. Ein für den Nationalfeiertag vereinbartes Interview zu einem Wagner-Theaterprojekt die Journalistin Saskia Jungnikl hätte mit dem früheren burgenländischen Polizeichef über das Flüchtlingsdrama von Parndorf im August 2015 reden sollen – wurde ministeriumsseits gestanzt.

Ob deshalb, ließ sich noch nicht zweifelsfrei eruieren. Wagner sagt, ihm sei das als Grund genannt worden. (Wolfgang Weisgram, 27.10.2016)

  • Burgenlands "Landesdichter" arbeitet an einem Theaterstück über die 71 Toten im Lkw in Parndorf. Minister Doskozil stanzte ein zugesagtes Gespräch zum Thema.
    foto: peterwagner.at

    Burgenlands "Landesdichter" arbeitet an einem Theaterstück über die 71 Toten im Lkw in Parndorf. Minister Doskozil stanzte ein zugesagtes Gespräch zum Thema.

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