Crowdinvesting: Risikokapital aus privaten Taschen

28. Oktober 2016, 19:31
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Die Crowdinvesting-Plattform Conda bietet mit Arax Capital Partners ein Modell für Risikokapitalfinanzierungen an

Wien – Not macht bekanntlich erfinderisch, diesbezüglich macht die Finanzbranche keine Ausnahme. Da risikolose Anlagen kaum Zinsen abwerfen, bieten sich alternative Investments abseits ausgetretener Pfade wie Sparbücher, Aktien oder Anleihen als möglicher Ausweg an. Dazu zählt unter anderem sogenanntes Venture-Capital, das sind Risikofinanzierungen für Unternehmen. Mehrere zumeist junge Firmen werden mit Kapital versorgt. In der Regel werden nur wenige davon Highflyer, welche unvermeidliche Flops überkompensieren und Anlegern Rendite bescheren sollen.

Um diese Anlageform privaten Investoren leichter zugänglich zu machen, kooperieren nun der Crowdinvesting-Anbieter Conda und der Risikokapitalgeber Arax Capital Partners. Gemeinsam haben sie das Anlagevehikel Venture Space ins Leben gerufen, in das Crowdinvestoren mit zumindest 1000 und maximal einer halben Million Euro als Kommanditisten einsteigen können. Damit soll in bis zu 20 Unternehmen, zumindest die Hälfte davon aus Österreich, investiert werden.

Marktnische Folgefinanzierung

"Wir steigen in einer frühen Phase in die Unternehmen ein, die schon am Markt sind und mindestens 100.000 Euro Umsatz machen", erklärt Conda-Investmentmanager Michael Lipper. In dieser Phase sieht er eine Marktnische, da nur wenige andere Anbieter an Folgefinanzierungen teilnehmen würden – obwohl das Risiko geringer sei als bis zur Markteinführung von jungen Firmen.

Die Crowdinvesting-Kampagne soll bis Jahresende 3,5 Millionen Euro einspielen, und Anfang 2017 soll der Veranlagungsprozess beginnen, bei dem die Investoren unter vorgestellten Kandidaten die Beteiligungsziele wählen können. Achtung: Anleger verpflichten sich, bei Kapitalerhöhungen im kommenden Jahr und 2018 jeweils zumindest 20 Prozent des ursprünglichen Betrags nachzuschießen, sodass letztlich ein Investitionsvolumen von zehn Millionen Euro angepeilt wird.

Über die zu erwartende Rendite hält sich Lipper bedeckt, sagt nur so viel: Man investiere in Firmen mit erwarteten 20 bis 50 Prozent Umsatzwachstum pro Jahr und rechne auch damit, dass einige davon insolvent werden. Ab dem fünften Jahr könnten Anleger regelmäßige Rückflüsse erwarten. In spätestens zehn Jahren soll so das gesamte Investment samt Rendite abgeschichtet sein.

Profis greifen zu Alternativen

Auch unter Profiinvestoren erfreuen sich alternative Anlagen großen Interesses: Fast drei von vier Institutionellen veranlagen in diesem Bereich, wie aus einer Umfrage von Allianz Global Investors hervorgeht. Dabei ist der meistgenannte Grund, die Veranlagungen möglichst breit streuen zu wollen. Zu schätzen wissen die Institutionellen auch die geringe Korrelation zu anderen Assetklassen sowie auch höhere Renditen verglichen mit herkömmlichen Fremd- oder Eigenkapitalinvestitionen.

Was zu alternativen Anlagen zählt, ist für Martin Bruckner, Vorstand der Allianz Investmentbank, eine "Definitionsfrage". Zumeist fallen in diesen Bereich neben unternehmerischen Wagnisfinanzierungen und Risikokapital auch Hedgefonds oder der Immobilienbereich. Grundsätzlich rät Bruckner auch Privaten, ihre Veranlagungen auch auf alternative Anlagen zu streuen, um so "auf lange Sicht das Ergebnis zu verstetigen".

Allerdings sollten Private die betreffenden Produkte als "Beimischung" betrachten und nicht mehr als fünf bis zehn Prozent der Gesamtveranlagungen in diesen Bereich lenken – und das nur mit folgender Einschränkung: "Wenn man ein Produkt nicht versteht, sollte man es auch nicht kaufen." (Alexander Hahn, 27.10.2016)

  • Crowdinvesting: Der Schwarm befindet sich auf der Suche nach attraktiven Anlagemöglichkeiten.
    foto: dpa/carsten rehder

    Crowdinvesting: Der Schwarm befindet sich auf der Suche nach attraktiven Anlagemöglichkeiten.

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