Private Krankenversicherung lässt Assekuranzen hoffen

29. Oktober 2016, 17:00
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3,1 Millionen Österreicher haben eine private Krankenversicherung – Tendenz steigend. Das Angebot ist dementsprechend vielfältig

Wien – Versicherungen haben es im aktuellen Nullzinsumfeld nicht leicht. Renditen zu erwirtschaften ist ohne Aufnahme von Risiko kaum mehr möglich, dennoch müssen Altverträge mit höheren Zinszusagen erfüllt werden. Im Druck der größer werdenden Deckungslücke gibt es aber einen zart wachsenden Zweig: die private Krankenvorsorge, "denn immer mehr Menschen wollen sich im Krankheitsfall optimal versorgt wissen", sagt Ralph Müller, Vorstandsdirektor der Wiener Städtischen Versicherung, und verweist auf ein Plus in der Krankenversicherung im ersten Halbjahr von 3,3 Prozent – im Vergleich zum ersten Halbjahr 2015. Die verrechneten Prämien bei der Uniqa lagen in diesem Bereich 2015 bei 922 Mio. Euro. Bei der Allianz stiegen die Prämieneinnahmen in der privaten Gesundheitsversicherung im Vorjahr um 5,6 Prozent auf 63,5 Mio. Euro. In Summe ist der Markt in diesem Segment zuletzt um 4,2 Prozent gewachsen.

Zusatz zur Pflicht

Doch woran liegt es, dass immer mehr Menschen eine Zusatzversicherung abschließen, wo Österreich doch ein gutes Gesundheitssystem und eine nahezu lückenlose Pflichtversicherung nachgesagt wird? "Patienten wollen sich immer öfter eine eigenbestimmte Medizin sichern", sagt Peter Eichler, Vorstand der Uniqa Österreich und zuständig für Personenversicherungen. Das Einholen einer Zweitmeinung, die freie Arztwahl, die Sicherung eines Ein-Bett-Zimmers – all das sind Argumente für die private Zusatzvorsorge. Immer wichtiger wird dabei der Zeitfaktor: "Vor allem in Ballungszentren ist es oft schwierig, rasch einen Termin zu bekommen", sagt Eichler. Mit dem Ausweichen auf Wahlärzte – die ohne Versicherung zur Gänze selbst bezahlt werden müssen – fällt vielen Menschen das Management ihrer Arzttermine leichter.

Das Angebot der heimischen Versicherungen ist in diesem Bereich zuletzt auch gewachsen. Im Wesentlichen gibt es zwei Deckungskonzepte:

· Sonderklassentarif Das ist jener Baustein, der die erste Klasse im Krankenhaus abdeckt.

· Privatarzttarif Dieser Tarif inkludiert Arztbesuche bei niedergelassenen Wahlärzten.

Innerhalb dieser beiden Varianten ist Spielraum gegeben. Um die Prämie der Sonderklasse günstiger zu machen, kann man sich etwa bei der Uniqa für einen Selbstbehalt entscheiden, der nur bei geplanten Operationen zu bezahlen ist und maximal einmal pro Kalenderjahr fällig wird.

Angebotsvielfalt

Zusätzlich dazu haben die Versicherer Zusatzpakete im Angebot. Einen Baby-Bonus bieten fast alle Versicherer an. Das bedeutet, dass Kunden schon vor Eintritt einer Schwangerschaft sichergehen können, dass das Baby ohne Risikoprüfung und damit ohne Einschränkungen im Versicherungsschutz inkludiert ist.

Bei der Allianz stieg in den vergangenen Jahren vor allem das Interesse an der Versicherung für ambulante Heilbehandlungen – also für homöopathische Mittel, Physio- und Psychotherapie oder auch Gesundheitsförderung (z. B. Raucherentwöhnung, Burn-out-Prophylaxe oder Fitness-Check). "Mit den Bereichen Akupunktur, Homöopathie, TCM oder Bachblüten decken wir die Lücken im Sozialversicherungssystem ab", sagt auch Müller von der Wiener Städtischen Versicherung.

Zu all dem komme der Trend zur individuell besten Behandlung hinzu, kombiniert mit dem Wunsch, dass diese im Fall nicht durch die starren Vorgaben des staatlichen Gesundheitswesens beschränkt ist. Eine Übersicht über die Angebote gibt es auf den Homepages der Versicherungen, meist kombiniert mit einem Tarifrechner, um eine Indikation über anfallende Kosten zu erhalten.

Und wer gesund bleibt und viele Jahre keine Leistungen aus dieser Versicherung braucht? "Unsere Tarife für ambulante Heilbehandlungen sind mit einer garantierten Prämienrückerstattung bei Leistungsfreiheit ausgestattet", erklärt Silke Zettl, Versicherungsexpertin bei der Allianz. Bis zu vier Monatsprämien (abhängig von der leistungsfreien Dauer) werden den Kunden damit pro Kalenderjahr gutgeschrieben. (Bettina Pfluger, 27.10.2016)

  • Alternative Medizin wird immer öfter verwendet – doch das kostet. Die Homöopathie ist mittlerweile Teil der privaten Krankenvorsorge.
    foto: caro / picturedesk.com

    Alternative Medizin wird immer öfter verwendet – doch das kostet. Die Homöopathie ist mittlerweile Teil der privaten Krankenvorsorge.

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