Pseudo-Livestream: Wie Facebookseiten Millionen Zuseher täuschten

1. November 2016, 18:20
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Alte Weltraumvideos von Unilad und Viral USA ohne Kennzeichnung an Millionenpublikum gestreamt – Unilad: War nur Test

Zwei auf virale Inhalte spezialisierte Facebookseiten sind in Kritik geraten, weil sie ihre Besucher hinters Licht geführt haben. Unilad, der Auftritt des gleichnamigen Magazins, und Viral USA haben Jahre alte Aufnahmen von Weltraumspaziergängen als Livestream ausgespielt.

Millionen Zuseher "live" dabei

Alleine Unilad konnte auf diesem Wege über 19 Millionen Abrufe erzielen. Der Stream erntete eine knappe Million Reaktionen und wurde über 210.000 mal von Nutzern geteilt. Statt einer Liveübertragung handelte es sich laut The Verge jedoch um russische Kosmonauten, die die olympische Fackel für die Winterspiele 2014 in Sotschi mit ins All nahmen. Stattgefunden hatte der extraterrestrische Ausflug im November 2014.

Über 28 Millionen Klicks bekam das "Livevideo" von Viral USA, bei dem es sich um die Aufnahme eines Weltraumspaziergangs aus 2015 handelt. 2,6 Millionen Reaktionen und über 530.000 Shares bescherten die Nutzer dem Posting.

Unilad rechtfertigt sich mit "Test"

In beiden Fällen wurden die Aufnahmen in der Beschreibung zwar nicht als Live-Inhalt bezeichnet, doch die Nutzung des Liveformats von Facebook führte viele Beobachter erfolgreich in die Irre. Das belegen zahllose Kommentare unter den Videos, in denen Zuseher die Astronauten etwa auffordern, die Kamera in eine bestimmte Richtung filmen zu lassen oder zu winken.

Unilad hat sich auf Anfrage der BBC zur Aktion geäußert. Es habe sich lediglich um einen Test gehandelt, argumentiert man das Vorgehen. Man wollte erproben, was mit Facebooks Live-Broadcast-Funktion möglich sei.

Wer tatsächlich einen Live-Blick auf die Internationale Raumstation ISS erhaschen möchte, findet eine Gelegenheit dafür auf der Nasa-Website. Dort dokumentiert eine Außenkamera die Rundreise um den Globus. (gpi, 01.11.2016)

  • Unilad verbreitete eine alte Aufzeichnung als "Live Broadcast", Millionen Zuseher fielen darauf rein.
    foto: facebook/unilad

    Unilad verbreitete eine alte Aufzeichnung als "Live Broadcast", Millionen Zuseher fielen darauf rein.

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