Wirtschaftspaket: Wirtschaftsforscher sehen Licht und Schatten

27. Oktober 2016, 13:52
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Wifo und IHS hätten sich Paket schon früher gewünscht

Wien – Wirtschaftsexperten von IHS (Institut für Höhere Studien) und Wifo (Wirtschaftsforschungsinstitut) sehen Licht und Schatten beim eben erst präsentierten Wirtschaftspaket der Bundesregierung. Das Programm hätte schon im Zuge der Steuerreform im Vorjahr umgesetzt werden sollen, dann wäre die Stimmung bei Unternehmen nicht so schlecht geworden, sagte etwa Helmut Hofer vom IHS im Ö1-"Mittagsjournal".

Auch die Investitionsanreize hätten gleich gesamt dargestellt werden sollen, so Hofer. Als positiv bewertet er, dass Gemeinden Mittel für Infrastrukturinvestitionen bekommen. So könnten Herausforderungen wie Bau oder Umbau von Schulen und Altenheimen gemeistert werden.

Eher zurückhaltend bewertet Gemeindebund-Präsident Helmut Mödlhammer die Pläne der Regierung, Investitionen von Gemeinden mit Steuergeld zu fördern. Grundsätzlich sei das zu begrüßen, aber wie viel Geld tatsächlich bei den Gemeinden ankommen wird, müsse man erst abwarten, sagt Mödlhammer im Ö1-"Morgenjournal". Kritik übte er am geplanten Verteilungsschlüssel: Wenn Investitionen nur zu 25 Prozent durch den Bund gefördert werden, sei zu befürchten, dass viele Gemeinden die restlichen 75 Prozent nicht aufbringen können.

Wifo-Vizechef befürchtet Aufschub von Investitionen

Marcus Scheiblecker vom Wifo sagte, dass die Stimmung unter den Unternehmen derzeit ansteige. Das Paket komme daher zwar nicht zu spät, aber vor zwei Jahren wäre es wesentlich wirkungsvoller gewesen, so seine Einschätzung. Der Wifo-Vizechef befürchtet zudem, dass die Investitionszuwachsprämie bei Unternehmen dazu führen könnte, dass die Firmen kommendes Jahr ihre Investitionen zurückfahren um 2018 dann eine fettere Prämie zu lukrieren.

Bei der Präsentation des Wirtschaftspakets durch Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) war in Sachen der Investitionszuwachsprämie für Klein- und Mittelunternehmen (KMU) davon die Rede, dass 2017 und 2018 rund 10.000 Firmen mit 175 Millionen Euro unterstützt werden sollen. Damit sollen Investitionen von rund 1,2 Mrd. Euro ausgelöst und 25.000 Arbeitsplätze geschaffen werden. (APA, 27.10.2016)

  • Licht und Schatten: Wirtschaftsforscher hätten sich das jetzt beschlossene Paket der Regierung schon früher gewünscht.
    foto: reuters/yuriko nakao

    Licht und Schatten: Wirtschaftsforscher hätten sich das jetzt beschlossene Paket der Regierung schon früher gewünscht.

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