"Schlimmer als NSA": Telekom-Riese AT&T spähte Kunden aus

27. Oktober 2016, 12:09
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Konzern soll seit Jahren heimlich Kundendaten an US-Behörden verkaufen, heftige Kritik von Datenschützern

Die Beziehung zwischen dem US-Telekomriesen AT&T und US-Behörden wird von Datenschützern schon seit Jahren äußerst kritisch gesehen. Der Konzern soll etwa der NSA erlaubt haben, ab Anfang der 2000er-Jahre Internetverkehr abzufangen und soll auch beim Zugriff auf Mobilfunkdaten äußerst nachgiebig gewesen sein. Doch neue Dokumente zeigen, dass AT&T selbst Kunden ausgespäht haben soll, um diese Datensätze dann ohne richterlichen Beschluss an Geheimdienste und lokale Polizeibehörden zu verkaufen.

Aktiv Kunden ausspioniert

Das sogenannte "Project Hemisphere" sei keine "Partnerschaft" mit US-Behörden, sondern ein "Produkt, das AT&T entwickelt, beworben und für Millionen Dollar Steuergeld verkauft hat", schreibt DailyBeast, das die internen Dokumente des Telekomkonzerns zugespielt bekommen hat. Sie zeigen, dass AT&T nicht auf richterliche Beschlüsse wartet, um Vorratsdaten und andere Informationen an die Polizei weiterzugeben, sondern aktiv nach Nummern in Kriminalfällen sucht und den Behörden auch weitere Kunden vorschlägt, die untersucht werden könnten.

AT&T sitzt auf einem riesigen Datenschatz. Das Unternehmen besitzt drei Viertel des US-Festnetzes und das zweitgrößte Mobilfunknetz des Landes. Während Unternehmen wie Verizon oder Sprint Nutzerdaten maximal achtzehn Monate speichern, gibt es bei AT&T noch Mobilfunkdaten für den Juli 2008. AT&T betreibt eigene "Intelligence center", in denen Mitarbeiter die Datensätze analysieren und für Strafverfolgungsbehörden aufbereiten.

Infos bleiben "geheim"

Ein weiteres großes Problem neben des Missbrauchs von Kundenvertrauen ist, dass AT&T Vertragspartner dazu verpflichtet, vor Gericht nur im Notfall auf die durch das "Project Hemisphere" gewonnenen Informationen zuzugreifen. Das heißt, dass Angeklagte oft nicht erfahren, welche Informationen der Staatsanwaltschaft zur Verfügung stehen. Außerdem wird diese dazu angestiftet, die von AT&T erhaltenen Daten zu "replizieren", allerdings auf legalem Weg. Dieses als "parallel constructing" bekannte Vorgehen sei "äußerst gefährlich und nicht mit dem Justizsystem vereinbar", sagt Adam Schwartz von der Electronic Frontier Foundation zu DailyBeast.

Heftige Kritik

Erste Hinweise auf ein derartiges AT&T-Produkt waren bereits 2013 von der New York Times berichtet worden. Die neuen Enthüllungen kommen kurz vor den ersten Schritten zu einer Übernahme von Time Warner durch AT&T, die von Konsumentenschützern und vielen Nutzern äußerst kritisch gesehen wird. So zeigen sich beide US-Präsidentschaftskandidaten, Hillary Clinton wie Donald Trump, skeptisch über den Deal. Die Berichte über eine massive Ausspähung eigener Kunden könnten dazu beitragen, die Pläne platzen zu lassen. (red, 27.10.2016)

  • AT&T gerät kurz vor der Übernahme von Time Warner wegen der Enthüllung interner Dokumente in die Kritik
    foto: reuters/mcdermid

    AT&T gerät kurz vor der Übernahme von Time Warner wegen der Enthüllung interner Dokumente in die Kritik

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