Gemeinsam in der Badewanne

1. November 2016, 14:00
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Ähnliches Hygieneverständnis oder schmerzbasierter Aufenthalt

foto: getty images/istockphoto/charity myers

Pro
von Alex Stranig

"In meiner Badewanne bin ich Kapitän", sang einst der österreichische Musiker Peter Igelhoff. Dass in der Schifffahrt jedem Kapitän ein Erster Offizier zur Seite gestellt wird, dürfte dem Liederschreiber offenbar entgangen sein. Dabei macht diese Regel aus vielerlei Gründen Sinn, vorausgesetzt, die Spielregeln sind vorher klar definiert. Wie so oft im Leben geht es in erster Linie um die Größe – die Größe der Badewanne, die Körpergröße und natürlich die menschliche Grandeur, die es braucht, um sein Wasser mit einer anderen Person zu teilen, ihr den Rücken zu waschen und für sie den Schmerz des auf die Wirbelsäule drückenden Wasserhahns zu ertragen.

Um gemeinsam in den Waschtrog zu steigen, benötigt es aber auch ein ähnliches Hygieneverständnis, wird doch die ganze Aktion ansonsten ad absurdum geführt. Bei anderen Dingen – wie der knallgelben Badeente, ätherischen Ölen mit Eukalyptus oder lauwarmem Champagner während des Plantschens – muss man eben (siehe den berühmten Badewannen-Sketch von Loriot) kompromissbereit sein.

Kontra
von Margarete Affenzeller

Wer das fünfte oder sechste Lebensjahr bereits überschritten hat, für den gibt es keinen Grund mehr für das Erlebnis Rudelwaschen. Menschen werden gemeinsam nicht sauberer, im Gegenteil. Im Gegenteil! Wo soll man zudem bitte in so einem Sanitäracryltrog alle doppelt vorhandenen Extremitäten hinstrecken? Man tut sich ja nur weh. Der schmerzbasierte Aufenthalt unter dem Schaum – wenn's denn einen gibt – ist der Verrenkungen wegen gewiss ungesund. Die Gefahrenquellen sind ja grundsätzlich schon dicht gesät, wenn auch die Kanten diverser Wasserhähne und Stöpselhalterungen abgerundet sein mögen.

Außerdem: Einer hat aufgrund der nicht spiegelgleichen Wannenenden immer das Nachsehen. Das ist auch für die Zeit nach dem Bad ganz schlecht. Wer also unbedingt im Kielwasser des Nächsten planschen will, sollte das am Strand machen. Wären Menschen in dieser Angelegenheit konsequenter, blieben uns auch die vor Okto- und Dodekagonen strotzenden Baddesigns in den Schaufenstern erspart. Bei den Mietpreisen sowieso hinfällig. (RONDO, 28.10.2016)

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