"Fühlte sich echt an": Sexuelle Übergriffe in Virtual Reality

27. Oktober 2016, 10:05
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Nach dem Erfahrungsbericht einer Spielerin flammt eine Diskussion über mehr Schutz für Gamerinnen auf

Als Jordan Belamire erstmals mit einer HTC Vive in virtuelle Realitäten eintauchte, war sie fasziniert: Die Grafik wirkte beeindruckend echt, der Inhalt der Spiele war äußerst kurzweilig. So etwa bei jenem QuiVr-Spiel, in dem Nutzer gemeinsam Zombie-Attacken abwehren müssen. Spieler werden nur mit ihren Händen und einem Helm dargestellt, sind also großteils unsichtbar – allerdings über ihre Stimme als männlich oder weiblich identifizierbar. Nur wenige Minuten nach Spieleinstieg bemerkte Belamire jedoch, dass sich ein anderer User namens "BigBro442" plötzlich direkt neben sie stellte – und begann, ihre virtuelle Brust zu befummeln.

Spielerin verfolgt

"Wenn ich mich wegdrehte, begann er, mich zu verfolgen", schreibt Belamire. Anschließend soll er begonnen haben, seine virtuelle Hand gegen die nicht-sichtbaren Genitalien von Belamires Avatar zu reiben. Trotz mehrmaliger Aufforderungen, aufzuhören, verfolgte der andere Spieler die Bloggerin weiter, bis sie schließlich frustriert und schockiert das Spiel abbrach. Ihre Erlebnisse hat sie nun in einem Blogpost auf Medium.com veröffentlicht und damit für einige Aufregung gesorgt.

Was tun?

"Was tun wir, wenn sich virtuelle Übergriffe wie physische Belästigung anfühlen?", fragt beispielsweise der Guardian. Die Antworten darauf sind nicht so einfach. Der Anwalt Mark Methenitis, der sich auf Übergriffe in Videospielen spezialisiert hat, denkt, dass juristische Sanktionen auf Übergriffe ohne physikalischen Kontakt schwierig sind. Sobald VR-Spiele allerdings haptisches Feedback integrieren, müsse man diese anders bewerten – was nicht heißt, dass nicht-physikalische Übergriffe für die Betroffenen nicht ebenfalls traumatisch sein können.

Persönliche Schutzzone

Die QuiVr-Entwickler Aaron Stanton und Jonathan Schenker haben nun mit einer neuen Schutzmaßnahme auf Belamires Erfahrungen reagiert. Künftig gibt es im Spiel eine Art "persönliche Schutzzone", in die andere Spieler nicht eindringen können. Die Programmierer, die über die Übergriffe "entsetzt" waren, fordern nun, derartige Zonen, die mit einer bestimmten Geste abgerufen werden können, in allen Multiplayer-Spielen zu integrieren.

Es brauche eine Art Notruf für Übergriffe, sagen sie zum Guardian. Denn auch wenn das Verhalten von Spielern in Virtual Reality wohl alle Arten von Übergriffen auf Frauen abbilden wird, gibt es einen Unterschied zur echten Welt: Programmierer können den Betroffenen leicht Superkräfte verleihen, um gegen die Übeltäter vorzugehen. (red, 27.10.2016)

  • Wie kann man Frauen in VR vor sexuellen Übergriffen schützen? Darüber diskutiert die Branche nach dem Erfahrungsbericht einer Userin
    foto: apa/afp/samad

    Wie kann man Frauen in VR vor sexuellen Übergriffen schützen? Darüber diskutiert die Branche nach dem Erfahrungsbericht einer Userin

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