Deutsche Flugbegleiter weiten Streik aus

27. Oktober 2016, 17:00
18 Postings

Die Kabinengewerkschaft von German- und Eurowings legt am Donnerstag die Arbeit nieder. Kommende Woche soll weitergestreikt werden

Wien/Düsseldorf/Frankfurt – Lufthansa und Air Berlin heben ab, die Maschinen von Germanwings und Eurowings jedoch bleiben auf dem Boden. Dieses Bild bot sich am Donnerstag auf den deutschen Flughäfen – mit Ausnahme von Frankfurt und München. Zum Streik bei den Billigtöchtern der Lufthansa hatte die Gewerkschaft der Flugbegleiter, Ufo, aufgerufen.

Von 555 Flügen in Deutschland und Europa fielen 400 aus, darunter auch einige Verbindungen zwischen Deutschland und Österreich, Langstreckenflüge hingegen fanden statt. Insgesamt waren 40.000 Passagiere vom Streik betroffen. Ein Sprecher von Eurowings erklärte, man habe allerdings fast alle von ihnen vorher erreichen können. Nur rund 1000 Passagiere seien an Airports gekommen, um dort dann auf andere Fluggesellschaften oder die Bahn umzubuchen.

Doch der Streik hat keine Bewegung in die festgefahrenen Verhandlungen gebracht, daher will Ufo nächste Woche wieder dafür sorgen, dass die Maschinen auf dem Boden bleiben. Geplant sind zwei Streiktage, Ufo-Vorsitzender Nicoley Baublies will aber noch nicht sagen, welche.

Angebot nicht erhalten

Die Teilgesellschaften Eurowings GmbH und Germanwings betreiben zusammen 81 der insgesamt 92 Flugzeuge, die unter dem Markennamen Eurowings beworben werden. Eurowings hat nach eigenen Angaben neben einer Pensionskasse ein Lohnplus von sieben Prozent über 39 Monate für die Mitarbeiter angeboten, die schlechter bezahlt werden als ihre Kollegen bei der Lufthansa. Doch Baublies erklärt: "Wir haben dieses Angebot nie erhalten", man kenne es nur aus den Medien.

Zuletzt hatte Ufo eine Schlichtung nach dem Vorbild der Eurowings-Mutter Lufthansa ins Spiel gebracht. Dort hatte nach einem langen und sehr harten Tarifkonflikt der ehemalige brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) die Schlichtung durchgeführt, das Ergebnis war im August von den Parteien angenommen worden. Zuvor, im Herbst 2015, hatte Ufo den schärfsten Streik in der Lufthansa-Geschichte organisiert, damals waren 4700 Flüge ausgefallen.

Eurowings jedoch denkt eher in die gegenteilige Richtung und prüft einen Gang zum Arbeitsgericht. "Wir werden jetzt juristisch untersuchen, wer für diesen Streik die Verantwortung trägt, und behalten uns entsprechende rechtliche Schritte vor", sagte ein Eurowings-Sprecher am Donnerstag und nannte den Streik "unverhältnismäßig". (Birgit Baumann aus Berlin, 27.10.2016)

  • Das Unternehmen hat seinen betroffenen Kunden kostenlose Umbuchungen und Stornierungen angeboten.
    foto: apa/afp/daniel roland

    Das Unternehmen hat seinen betroffenen Kunden kostenlose Umbuchungen und Stornierungen angeboten.

Share if you care.