Millionenentschädigung für Eltern von 23 Tsunami-Opfern in Japan

26. Oktober 2016, 17:50
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Kinder harrten auf Anweisung der Behörden in gefährdeter Volksschule aus

Tokio – Mehr als fünf Jahre nach dem Tod von 23 Schüler bei der Tsunami-Katastrophe im März 2011 hat ein japanisches Gericht den Eltern eine Millionenentschädigung zugesprochen. Das Bezirksgericht von Sendai verurteilte die Stadtverwaltung von Ishinomaki und die Verwaltung der Präfektur Miyagi am Mittwoch zur Zahlung von insgesamt 1,43 Milliarden Yen (rund 12,5 Mio. Euro), teilte ein Gerichtssprecher mit.

74 Schüler der Okawa-Volksschule waren bei der Tsunami-Katastrophe ertrunken, weil sie gemeinsam mit ihren Lehrern die Anweisungen der Behörden befolgt hatten und auf dem Schulhof geblieben waren, statt sich auf einen nahegelegenen Hügel zu flüchten. Dazu hätten sie 40 Minuten lang Zeit gehabt. Auch zehn Lehrer kamen damals ums Leben. Später entschlossen sich die Eltern von 23 der umgekommenen Kinder zu einer Klage.

Unter Forderungen der Kläger geblieben

Der Vorsitzende Richter Kenji Takamiya folgte ihrer Argumentation, dass es genügt hätte, wenn sich die Behörden auf den gesunden Menschenverstand der Lehrer verlassen hätten. Diese wären durchaus in der Lage gewesen zu erkennen, dass die Flutwelle ihre Schule erreichen werde. Mit seinem Urteil blieb Takamiya allerdings unter den Forderungen der Kläger, die insgesamt 2,3 Milliarden Yen – 100 Millionen pro Kind – verlangt hatten.

Der Bürgermeister von Ishinomaki, Hiroshi Kameyama, sagte vor der Presse, er nehme die Ermahnungen des Richters sehr ernst. Seine Verwaltung werde nun rasch entscheiden, ob sie in Berufung gehen werde. Ein Erdbeben der Stärke 9,0 hatte am 11. März 2011 den Nordosten des Landes erschüttert und bis zu 20 Meter hohe Flutwellen ausgelöst. Mehr als 18.000 Menschen kamen ums Leben, zehntausende Japaner verloren ihr Zuhause. Die Flutwelle führte auch zur schwersten Reaktorkatastrophe seit Tschernobyl. (APA, 26.10.2016)

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