América Móvil will mit Telekom Austria weiter expandieren

26. Oktober 2016, 14:50
8 Postings

Unternehmen streckt die Fühler nach Deutschland aus – Kapitalerhöhung vorerst vom Tisch

Daniel Hajj, Schwiegersohn des milliardenschweren Investors Carlos Slim und CEO der Telekom-Austria-Mutter América Móvil, sieht in Österreich weiterhin eine gute Plattform, um in Europa zu expandieren. Eine Kapitalerhöhung bei der Telekom Austria sei vorerst nicht geplant, sie müsse aber finanziell und operativ noch besser aufgestellt werden.

Deutschland ist ein sehr starker Markt

Man brauche eine starke Basis, um in andere Länder gehen zu können, sagte América-Móvil-CFO Carlos Garcia Moreno am Montag zu österreichischen Journalisten in Mexiko. Hajj will für die Weiterentwicklung auch mehr Geld in die Hand nehmen, heuer soll hierzulande mehr investiert werden. Mit der Telekom Austria habe man die Möglichkeit, in Nachbarregionen zu expandieren, speziell Deutschland sei ein sehr starker Markt.

Konkrete Zeitpläne wurden nicht genannt, hier gaben sich die Mexikaner wortkarg. "Darüber reden wir, wenn wir in Österreich sind", meinte Moreno. Auch zu dem im Vormonat aufgeflammten Zwist um eine mögliche Umwandlung der teilstaatlichen Telekom Austria von einer AG in eine GmbH äußerten sich die beiden nicht.

"Wir haben den Cashflow massiv verbessert"

Finanzchef Moreno lobte hingegen die Entwicklung der Austro-Tochter. "Wir haben den Cashflow massiv verbessert", meinte Moreno. Effizienzsteigerungen und Kosteneinsparungen hätten das Ergebnis steigen lassen – "bei gleich viel Personal". Der Schuldenberg sei die letzten Jahre kleiner geworden, im ersten Halbjahr lag das Minus bei 3,099 Milliarden Euro nach einer Nettoverschuldung von 3,276 Milliarden Euro Ende 2015.

Laut Analysten von Barclays, der Erste Bank sowie der Raiffeisen Centrobank dürfte der Umsatz der Telekom Austria im dritten Quartal um drei Prozent zugelegt haben. Das operative Ergebnis hingegen sei gesunken, unterm Strich zeichne sich aus Expertensicht beim Gewinn ein Rückgang von 23 Prozent ab.

"Deren Strategie besteht nicht im Kommen und Gehen"

Der österreichische Wirtschaftsdelegierte Fritz Steinecker sieht das Engagement der Mexikaner in Österreich positiv. Carlos Slim, Mehrheitseigentümer der América Móvil, sei kein Finanzinvestor, wie es in Europa oft kommuniziert werde. "Deren Strategie besteht nicht im Kommen und Gehen", so Steinecker. Slim habe die Vision, in Europa Fuß zu fassen. Steinecker würde América Móvil eher "ein Heimatgefühl geben". Es wäre gut, wenn der Telekomriese von Wien aus sein Europageschäft weiter ausbauen könnte. "Besser einen großen Telekomkonzern in Österreich als keinen."

Allgemein wird es laut Hajj auf dem Telekommarkt in den nächsten fünf Jahren zu massiven Umbrüchen kommen. Cloud Services seien die Zukunft, Roaming werde auf der ganzen Welt verschwinden, meinte er. América Móvil ist auch auf den Content-Zug aufgesprungen und betreibt mit Clarovideo und Claromusic hausgemachte Konkurrenten zu Netflix und Spotify.

Drahtlos und via Kabel

Heuer seien die Umsatztreiber Datenservices – drahtlos und via Kabel – und Pay-TV. Im ersten Halbjahr 2016 zählte der Konzern mehr als 360 Millionen Teilnehmeranschlüsse, davon über 280 Millionen Mobilfunkkunden. Der Telekomriese beschäftigt weltweit über 190.000 Mitarbeiter.

2012 stieg der größte Mobilfunker Lateinamerikas mit einem Aktienpaket von 22,76 Prozent bei der Telekom Austria ein, aktuell hält er 51 Prozent. Österreich hält über die Öbib 28,42 Prozent, der Rest befindet sich im Streubesitz. (APA, 26.10. 2016)

  • Artikelbild
    foto: apa
Share if you care.