Russlands Syrien-Flotte tankt doch nicht in Ceuta

26. Oktober 2016, 22:39
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Anfrage zurückgezogen – Nato-Partner zeigten sich zuvor beunruhigt über Spaniens "Gastfreundschaft"

Damaskus/Moskau – Moskau hat seine Anfrage zur Betankung russischer Kriegsschiffe in der spanischen Exklave Ceuta zurückgezogen. Das bestätigten am Mittwoch die russische Botschaft in Madrid und die spanische Regierung. Die mögliche Betankung an der nordafrikanischen Küste hatte bei Spaniens Nato-Partnern für Empörung gesorgt.

Der Schiffsverband mit dem Flugdeckkreuzer "Admiral Kusnezow" war am 15. Oktober Richtung Syrien ausgelaufen. Moskau kämpft seit gut einem Jahr in dem Bürgerkriegsland, um das Regime in Damaskus zu stützen. Kritiker werfen Russland Kriegsverbrechen in Aleppo vor. Die Nato-Staaten unterstützen syrische Rebellen gegen die Regierung in Damaskus.

Briten protestierten

Ein Sprecher der britischen Regierung hatte am Dienstagabend gegen den Stopp protestiert. Sie zeigte sich demnach gegenüber der spanischen Regierung "beunruhigt über die Gastfreundschaft für die russische Marine".

Der frühere belgische Regierungschef Guy Verhofstadt, ein führender EU-Politiker, hatte bereits am Dienstag auf seiner Facebook-Seite geschrieben: "Es ist skandalös, dass Spanien, ein Mitglied der Nato und der EU, der russischen Kusnezow-Flotte erlauben will, auf spanischem Territorium aufzutanken und technische Unterstützung zu erhalten." Spanien habe schließlich erst in der vergangenen Woche eine Erklärung des Europarates unterzeichnet, in dem Russland Kriegsverbrechen gegen Zivilisten in Aleppo vorgeworfen würden.

Leyen warnt vor Aleppo-Einsatz

Deutschlands Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen forderte Russland auf, seinen Flugzeugträger "Admiral Kusnezow" nicht zum Bombardement der Menschen in der umkämpften syrischen Großstadt Aleppo einzusetzen. Die Präsenz des Flugzeugträgers dürfe nicht dazu beitragen, dass das Leid und die Verzweiflung der Menschen in Aleppo noch vergrößert würden, sagte von der Leyen zum Auftakt eines zweitägigen Nato-Verteidigungsministertreffens am Mittwoch in Brüssel.

Deutschland beobachte die Verlegung des Kriegsschiffes, die in internationalen Gewässern an sich ein üblicher Vorgang sei, unter diesen Umständen deshalb genau. Auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg äußerte sich besorgt, dass der russische Marine-Verband um die "Kusnezow" eingesetzt werden könnte, um die Angriffe auf Zivilisten in Aleppo zu verstärken. (red, APA, Reuters, 26.10.2016)

  • Die "Admiral Kusnezow" vor Dover, 21. Oktober
    foto: ap/gareth fuller

    Die "Admiral Kusnezow" vor Dover, 21. Oktober

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