Airbus will 600 Stellen in Hubschrauber-Sparte streichen

26. Oktober 2016, 11:38
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Umsatz im dritten Quartal mit 14 Milliarden Euro leicht unter Vorjahr

Toulouse – Anlaufprobleme bei neuen Flugzeugtypen haben dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus im Sommer einen herben Gewinneinbruch eingebrockt. Kurz vor Jahresende versucht der Konzern, noch einmal aufzudrehen: Statt gut 650 Verkehrsflugzeugen, wie bisher geplant, sollen heuer jetzt mehr als 670 neue Jets die Werkshallen verlassen, wie Finanzvorstand Harald Wilhelm am Mittwoch ankündigte.

Probleme mit Zulieferern für den neuen Großraumjet A350 und die Verhandlungen um den Pannen-Militärflieger A400M halten den Konzern aber weiter in Atem.

Einbrüche auch im Rüstungsgeschäft

Im dritten Quartal erzielte der Airbus-Konzern mit knapp 14 Milliarden Euro ein Prozent weniger Umsatz als ein Jahr zuvor. Der um Einmaleffekte bereinigte operative Gewinn (EBIT) sackte wegen hoher Anlaufkosten und vergleichsweise niedrigen Verkaufspreisen für die ausgelieferten Jets um 21 Prozent auf 731 Millionen Euro zusammen. Neben der Verkehrsflugzeugsparte warfen auch das Rüstungs- und Raumfahrt-Geschäft sowie die Hubschraubertochter deutlich weniger ab als ein Jahr zuvor. Der Konzernüberschuss brach sogar um 87 Prozent auf nur noch 50 Millionen Euro ein. Letzteres erklärte Wilhelm mit einer deutlich gestiegenen Steuerquote.

Konzernchef Tom Enders machte von seinen Zielen für 2016 dennoch keine Abstriche. "In den verbleibenden Monaten bis zum Jahresende konzentrieren wir uns voll und ganz auf die Auslieferungen, um unsere Gewinn- und Liquiditätsprognosen zu erfüllen."

Großraumjet: Probleme bei Lieferkette

Einmalbelastungen gibt es bei Airbus in diesem Jahr zuhauf. Wegen der Verspätungen bei der A350 und schwerwiegenden Problemen mit den Turboprop-Triebwerken des Militärtransporters A400M hatte der Konzern zur Jahresmitte 1,4 Milliarden Euro zur Seite gelegt. Abgefedert wurden die Belastungen durch Sondergewinne aus dem Verkauf verbliebener Anteile an dem Flugzeugbauer Dassault und der Gründung eines Raumfahrt-Gemeinschaftsunternehmens mit dem Partner Safran.

Beim jüngsten Großraumjet-Typ A350 machen Airbus weiterhin Probleme in der Lieferkette zu schaffen. Es gebe einige Verbesserungen, aber noch sei nicht alles gelöst, sagte Wilhelm. Dennoch will der Vorstand heuer 50 Maschinen des Typs ausliefern. Stand heute seien es 29 Stück. Bei dem Streit mit Zulieferern geht es um Verspätungen und Mängel bei der Innenausstattung wie Sitzen und Toiletten.

Auslieferplan für Problemflieger

Zudem muss Airbus wegen Modellumstellungen bei den Mittel- und Langstreckenjets A320 und A330 kürzer treten. In der Übergangszeit musste das Unternehmen niedrigere Preise für die Flieger akzeptieren. Bei der im Jänner erstmals ausgelieferten Neuauflage A320neo verzögerten Hitzeprobleme mit den neuartigen, sparsameren Triebwerken den Großteil der Auslieferungen aufs zweite Halbjahr. Dennoch habe es kaum Stornierungen oder Verschiebungen von Aufträgen gegeben.

Unterdessen verhandelt Airbus beim Militärtransporter A400M weiterhin mit den Käuferstaaten und der europäischen Beschaffungsbehörde Occar über einen Auslieferungsplan für den Problemflieger. Offen ist auch, wann Airbus seinen Kunden wieder Finanzierungshilfen über staatliche Exportkredit-Agenturen anbieten kann. Das Unternehmen hatte sich wegen Unregelmäßigkeiten selbst angezeigt. Seit August ermittelt die britische Anti-Korruptionsbehörde SFO gegen das Unternehmen. Im April hatte die Airbus Group angekündigt, dass sie ihren Kunden manche Finanzierungsformen vorübergehend nicht mehr anbieten könne.

600 Stellen werden gestrichen

Airbus will fast 600 Stellen in seiner Hubschrauber-Sparte streichen. Insgesamt sollen 582 Arbeitsplätze an den französischen Standorten in Marignane und Paris Le Bourget – La Courneuve wegfallen, wie Airbus Helicopters am Mittwoch auf Anfrage mitteilte.

Der Abbau solle in den Jahren 2017 und 2018 vollzogen werden. Im Gespräch mit der Arbeitnehmerseite will der Konzern Maßnahmen besprechen, um die sozialen Folgen des Abbaus zu begrenzen. (APA/dpa, 26.10.2016)

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