Überreste einer Nazi-Station in der Arktis entdeckt

Video25. Oktober 2016, 19:55
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Der Verzehr von rohem Eisbärenfleisch durch die Besatzung bescherte der Wetterstation auf Alexandraland ein rasches Ende

Vor 73 Jahren errichtete Nazi-Deutschland auf der heute russischen Arktisinsel Alexandraland eine geheime Wetterstation. Die taktische Operation rund 1.000 Kilometer vom Nordpol entfernt trug den Namen "Schatzgräber" und sollte dabei helfen, mit den dort gesammelten Wetterdaten Truppenbewegungen und Waffentransporte besser zu planen. Doch die Station hatte nicht allzu lange Bestand: Gegründet im September 1943 musste sie bereits im Juli des darauf folgenden Jahres wieder aufgegeben werden, weil der Großteil der Besatzung an Trichinose erkrankt war.

Die Existenz von "Schatzgräber" blieb nicht lange ein Geheimnis. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg integrierte die Sowjetunion die von den Nazis angelegte Landebahn in ihre Militärbasis Nagurskaja. Die Wetterstation selbst blieb allerdings unangetastet. Ein zum Schutz der Station angelegter Minengürtel, der erst in den 1990er-Jahren entfernt wurde, verhinderte den Zutritt.

Über 500 Objekte geborgen

Wie nun bekannt wurde, gelang es kürzlich einer russischen Polarexpedition, die Überreste der meteorologischen Station aufzuspüren. Die Wissenschafter sicherten und bargen insgesamt über 500 Objekte, darunter Teile des früheren Bunkers, Messinstrumente, Patronenhülsen sowie zahlreiche persönliche Gegenstände und Dokumente. Wie Evgeny Ermolov vom Russian Arctic National Park berichtet, sollen die Funde auf das Festland gebracht und restauriert werden.

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Video: Bilder von den entdeckten Artefakten (in russischer Sprache).

Das Ende von "Schatzgräber" dürfte wohl selbst verschuldet gewesen sein. Die insgesamt zehn Männer, die für das "Dritte Reich" Wetterbeobachtungen, Temperatur- und Höhenwindmessungen unternahmen, waren vor ihrem Arktiseinsatz in der Ausbildungsstätte Goldhöhe im tschechischen Teil des Riesengebirges trainiert worden. Im September 1943 wurde die Besatzung nach Alexandraland verschifft und im Laufe der folgenden Monate per U-Boot oder Fallschirmabwurf mit Nachschub versorgt.

Rohes Eisbärenfleisch

Um sich zu verköstigen, griffen die Männer allerdings auch auf die lokale Tierwelt zurück, was sich schließlich als fatal erweisen sollte: Am 30. Mai 1944 erlegten zwei der Besatzungsmitglieder einen Eisbären. Sein Fleisch wurde vom Koch der Wetterstation, dem Marine-Obergefreiten Werner Blankenburg, zu Hackfleisch verarbeitet und der Mannschaft in rohem Zustand vorgesetzt. Innerhalb der nächsten Tage und Wochen erkrankten alle beteiligten Männer bis auf einen Sanitäter, der als Vegetarier auf das Fleisch verzichtet hatte, an Trichinose. Am 8. Juli 1944 wurde die Besatzung schließlich evakuiert und die Wetterstation "Schatzgräber" aufgegeben. (tberg, 25.10.2016)

  • Die über 70 Jahre alten Überreste der Nazi-Wetterstation "Schatzgräber" auf Alexandraland.
    screenshot: politrussia news

    Die über 70 Jahre alten Überreste der Nazi-Wetterstation "Schatzgräber" auf Alexandraland.

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