Endlich gefunden: Forscher weisen erstmals Mikroben nach, die Rost "fressen"

30. Oktober 2016, 17:11
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Mikroorganismus verbindet Reduktion von Eisen mit der Oxidation von Methan

Bremen – Schon seit langem wird gemutmaßt, dass es Mikroorganismen geben muss, die gleichsam Eisen "fressen". Nun haben Mikrobiologen tatsächlich einen solchen Einzeller ausfindig gemacht: Forscher vom Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie und der niederländischen Radboud Universität haben Archaeen entdeckt, die die Reduktion von Eisen mit der Oxidation von Methan verbinden. Sie könnten dadurch eine bedeutende Rolle für die weltweiten Emissionen dieses starken Treibhausgases spielen.

Manche Prozesse erzeugen Methan, andere verbrauchen es – und das Gleichgewicht zwischen den beiden bestimmt die weltweite Freisetzung dieses potenten Treibhausgases in unsere Atmosphäre. Ein internationales Forscherteam um Boran Kartal vom Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie (MPI Bremen) hat jetzt einen Mikroorganismus aufgespürt, der Methan mit Hilfe von Eisen in Kohlendioxid umwandeln kann. Im Zuge dieser Umwandlung wird reduziertes Eisen frei, das dann anderen Organismen zur Verfügung steht.

So setzt dieser kleine Eisenfresser – es handelt sich um eine Archaee aus der Ordnung der Methanosarcinales – eine Energiekaskade in Gang, die sowohl den Eisen- als auch den Methankreislauf beeinflusst. Doch sie fressen nicht nur Rost, diese Archaeen haben noch einen weiteren Trick im Ärmel. Sie können Nitrat in Ammonium umwandeln: die Lieblingsspeise der bekannten anammox-Bakterien, die wiederum Ammonium ganz ohne Sauerstoff in Stickstoffgas umwandeln können.

Potenzieller Helfer in Kläranlagen

"Das ist wichtig in der Abwasserreinigung", sagt Kartal, der kürzlich von der Radboud Universität ans MPI Bremen wechselte. "Man kann einen Bioreaktor bauen, der zweierlei Mikroorganismen enthält, die ohne Sauerstoff sowohl Methan als auch Ammonium umsetzen können. In diesem könnte dann gleichzeitig Ammonium, Methan und oxidierter Stickstoff aus dem Abwasser in harmloses Stickstoffgas und Kohlendioxid umgewandelt werden. Kohlendioxid ist deutlich weniger klimaaktiv als Methan." Zudem könnte dieser Prozess auch in Reisfeldern wichtig sein, die etwa ein Fünftel der anthropogenen Methanfreisetzung verursachen.

Immer wieder gab es in früheren Untersuchungen Hinweise auf solche eisenabhängigen Methanoxidierer. Aber bisher war es keinem Forscher gelungen, sie zu finden und zu isolieren. Und nun tauchten sie überraschenderweise direkt vor unserer Haustür auf. "Nach Jahren der Suche versteckten sie sich in unserer eigenen Probensammlung", berichtet Mike Jetten von der Radboud Universität. "Wir fanden sie schließlich in Anreicherungskulturen aus dem Twentekanaal in den Niederlanden, die sich seit Jahren in unserem Labor befanden."

"Wir sahen uns den genetischen Fingerabdruck dieser Mikroorganismen an und vermuteten", so Kartal, "dass sie im Zuge der Methanoxidation partikuläres Eisen – im Grunde nichts anderes als Rost – umsetzen können. Diese Vermutung überprüften wir dann im Labor. Und tatsächlich – diese Mikroben schafften es." Als nächstes will Kartal nun die dahinterliegenden Prozesse genauer unter die Lupe nehmen. "Die vorliegenden Ergebnisse füllen eine der letzten Lücken in unserem Verständnis der anaeroben Methanoxidation. Jetzt wollen wir ergründen, welche Proteinkomplexe an diesem Prozess beteiligt sind."

Blütezeit vor Milliarden von Jahren

Die Entdeckung der eisenfressenden Methanoxidierer kann auch ein neues Licht auf die Frühgeschichte unseres Planeten werfen. Schon vor 4 bis 2,5 Milliarden Jahren könnten die Methanosarcinales in der methanreichen Atmosphäre der eisenhaltigen Urozeanen eine Blütezeit erlebt haben. Wenn wir mehr über deren Stoffwechsel lernen, kann das also auch die anhaltende Diskussion über den Eisenkreislauf auf der frühen Erde einen großen Schritt weiterbringen. (red, 30.10.2016)

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