Wien: Auf Tierschutz-Streife mit der Penzinger Hundemama

Video27. Oktober 2016, 05:30
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Petra Chiba ist als Tierfreundin weit über die Grenzen der Hundezone beim Otto-Wagner-Spital hinaus bekannt

Wien – "Kommt Ihr Hund auch aus dem Tierschutz?" Petra Chiba stellt diese Frage oft, wenn sie mit ihren Vierbeinern Jojo, Jeannie und Emma spazieren geht. Vor rund vier Jahren gründete sie den Verein Mentor4Dogs, der ein Tierheim in Ungarn betreibt. Weil die "hiesigen Hunde eh schon gut geschützt sind, aber die ungarischen auch zu uns kommen". Beim Smalltalk im Park erzählt die Operettensängerin und ausgebildete Persönlichkeitstrainerin anderen Hundebesitzern von der Arbeit ihres Vereins und klärt über Tierschutzfragen auf.

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Das Tierheim im Nachbarstaat sei nicht nur als Hilfsprojekt für die Kläffer gedacht, die nach Österreich vermittelt werden, sondern auch als Vorbild. Ziel sei es, Infrastruktur und Hygienestandards für den Tierschutz vor Ort aufzubauen. Der Verein wolle zeigen, "wie es gemacht werden kann; deshalb das Wort 'Mentor' im Vereinsnamen", sagt Chiba.

Keine Welpen aus dem Kofferraum

Auch hierzulande gebe es viel Aufklärungsbedarf. Die Leute würden "moah, lieb, süß" denken, wüssten oft aber nicht, was beim Kauf zu beachten ist. Welpen "aus dem Kofferraum" etwa seien tabu. Auch wenn jemand zurückgelassene Hundebabys findet, sollte er diese nicht einfach mit nach Hause nehmen, sondern dies melden. "Die Leute meinen es gut." Aber wenn die Tiere sehr jung sind, könne man davon ausgehen, dass sie nicht von legalen Züchtern kommen. Tierarztcheck, Entwurmung, Ausstellung des EU-Heimtierausweises: Das Prozedere dauere rund vier Monate. Erst dann dürften die Hunde über die Grenze gebracht werden. Chibas Motto: "Wenn schon ein Tier aus dem Ausland, dann unter Einhaltung aller Standards." Das erklärt sie Interessierten auch beim Gassigehen in Wien-Penzing, wo die 49-Jährige zu Hause ist – und wo Mentor4Dogs startete.

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"Der Auslandstierschutz kam erst später dazu", sagt Chiba. Im Grätzel geht es ihr seit jeher um das friedliche Zusammenleben von Mensch und Tier, weil "weniger Hunde werden es nicht". Die Bevölkerung werde im Schnitt "immer älter, aber rüstiger". Viele würden sich in der Pension noch einen Hund zulegen, der sie "fit und fröhlich" halte. Es gebe zudem immer mehr Singlehaushalte. "Die Menschen vereinsamen und wollen deshalb ein Haustier."

Allergien oder Spitalsaufenthalte

In der Penzinger Hundezone gegenüber vom Haupteingang des Otto-Wagner-Spitals kennt man Chiba. Meist würden sich die Leute dort an sie wenden. Es kann zum Beispiel um die Frage gehen, was zu tun ist, wenn jemand eine Allergie entwickelt. Oder "ein Frauchen muss längere Zeit ins Krankenhaus oder der Hund kann nicht bleiben, weil ein Baby kommt und es zu viel wird". Mentor4Dogs vernetzt in solchen Fällen etwa mit dem Tierschutzhaus. Oder schreitet ein, wenn es zu Konflikten oder falscher Haltung kommt; etwa wenn "der Hund vom Nachbarn ständig bellt" oder "immer eingesperrt wird".

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Wichtig ist ihr auch, dass man sich an die Sackerl-fürs-Gackerl-Regelung hält. Überhaupt ist ihr eine gepflegte Hundezone ein Anliegen. Auf das Betreiben von Mentor4Dogs hin wurden die Mistkübel im Penzinger Hundepark mit Zigarettenausdämpfern versehen, damit "nicht überall die Tschickstummeln liegen. Im schlimmsten Fall werden sie von einem Hund verschluckt." Auch dass das Areal vollständig umzäunt wurde, habe Mentor4Dogs initiiert. "Hundezonen sollen ja Mensch und Tier schützen", sagt Chiba.

Als Nächstes wolle sie dafür sorgen, dass Absperrungen so adaptiert werden, dass kleine Hunde nicht unten durchschlüpfen können. "Die Tiere können nicht für sich sprechen, also nutze ich meine Stimme als Sprachrohr", sagt die professionelle Sopranistin. "Ich mag auch Elefanten gern, aber die kann ich nicht zu Hause halten." (Text: Christa Minkin, Video: Meggi Stelter, Maria von Usslar, 27.10.2016)

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