Grippeähnliche Viren von Fledermäusen könnten Menschen infizieren

5. November 2016, 14:33
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Forscher weisen erstmals nach, dass Influenza-artige Erreger auch in Fledermäusen aus Mittel- und Südamerika vorkommen

Freiburg – "Contagion" (2011) zählt wohl zu den realistischeren Pandemiefilmen der vergangenen Jahre. Ausgangspunkt der fiktiven weltweiten Seuche ist eine Fledermaus, die einen tödlichen Virus in Hongkong an ein Hausschwein weitergibt, mit dem sich wiederum ein Koch und in weiterer Folge ein großer Teil der Menschheit infizieren. Dass dieses Szenario durchaus plausibel ist, haben bereits einige Studien nachgewiesen, die Fledermäuse als Hort zahlreicher Viren identifiziert haben.

Bisher allerdings hatten zumindest alle Grippeviren vom Typ Influenza A ihren Ursprung in Wasservögeln. Ob auch andere Tiere eine Quelle für Influenza-Viren darstellen können, war lange Zeit unklar. Nun aber zeigt erstmals ein Forscherteam des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Freiburg gemeinsam mit Kollegen aus der Schweiz und den USA, dass Influenza-ähnliche Viren auch in gewissen Fledermäusen aus Mittel- und Südamerika vorkommen.

Den Forschern ist es gelungen, die Viren im Labor nachzubauen. Bisherige Anstrengungen, die Viren aus dem Blut und Gewebe der Tiere zu isolieren, waren hingegen gescheitert. Mit den nachgebauten Viren ließen sich nicht nur Zellen von Fledermäusen, sondern auch Zellen von Hunden und Menschen infizieren. Ob eine tatsächliche Infektion von Tier zu Mensch möglich ist, müssen weitere Untersuchungen zeigen.

Dass menschliche Zellen mit dem neu identifizierten Fledermausvirus infiziert werden können, ist ein Hinweis darauf, dass die Viren möglicherweise auf den Menschen übertragbar sind. "Noch ist es zu früh für eine eindeutige Aussage, ob die Viren Artgrenzen überschreiten und den Menschen infizieren können. Aber unsere Erkenntnisse sollten ein Weckruf dafür sein, dieses Risiko genauer zu untersuchen", sagt Martin Schwemmle, Hauptautor der im Fachjournal PNAS veröffentlichten Studie.

Viren aus Erbgut nachgebaut

Im Jahr 2012 wurde erstmals virales Erbgut in Fledermäusen aus Mittel- und Südamerika nachgewiesen, welches Ähnlichkeit zu Influenzaviren besitzt. Doch bislang war es nicht gelungen funktionsfähige Viren aus dem Gewebe der Tiere zu isolieren. Daher konnten die Viren auch nicht im Labor erforscht werden. Die einzige Information, die den Wissenschaftern zu Verfügung stand, war das Erbgut der Viren.

Um vom Erbgut zum funktionsfähigen Virus zu gelangen, gingen die Freiburger Forscher in zwei Schritten vor. Zellen haben auf ihrer Oberfläche bestimmte Rezeptoren. Besitzen die Viren das passende Ankermolekül, können sie an der Zelle anhaften und dann eindringen. Die Bauanleitung für dieses Ankermolekül schleusten die Forscher in ein anderes Virus ein, das vesikuläre Stomatitis-Virus (VSV). Auf diese Weise identifizierten sie aus über 30 Zelltypen unterschiedlicher Tierarten und des Menschen diejenigen, die für eine Infektion mit den Viren anfällig sind. In Zellen, die besonders leicht von dem veränderten VSV infiziert wurden, brachten sie anschließend das gesamte Erbgut aus Gewebe von bekanntermaßen infizierten Fledermäusen ein. "Auf diese Weise haben wir voll funktionsfähige Viren erhalten, die wir nun weiter erforschen können", sagt Schwemmle vom Universitätsklinikum Freiburg.

Tödliche Krankheiten wie Ebola und Tollwut wurden in der Vergangenheit wiederholt von Fledermäusen auf den Menschen übertragen. "Fledermäuse gehören wie der Mensch zu den Säugetieren. Deshalb ist es besonders wichtig herauszufinden, ob eine Gefahr von den Viren ausgeht", so Schwemmle. (red, 5.11.2016)

  • Die Infektionsgefahr, die von Fledermäusen ausgeht, sollte man nicht unterschätzen, meinen Forscher. Nun zeigte sich, dass sie auch Influenza-ähnliche Viren weitergeben könnten. Im Bild eine Mexikanische Bulldoggfledermaus (Tadarida brasiliensis).
    foto: ap/craig s. hood

    Die Infektionsgefahr, die von Fledermäusen ausgeht, sollte man nicht unterschätzen, meinen Forscher. Nun zeigte sich, dass sie auch Influenza-ähnliche Viren weitergeben könnten. Im Bild eine Mexikanische Bulldoggfledermaus (Tadarida brasiliensis).

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