Alternative Antriebe: Was ist und was kommt

30. Oktober 2016, 07:40
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Plug-in-Hybrid, Wasserstoff und Brennstoffzelle, vor allem aber Elektromobilität – was neu auf dem Markt ist und was für demnächst geplant ist

Ab 2030 sollen keine Autos mit Benzin- oder Dieselmotoren mehr zugelassen werden, lautet eine dieser Tage formulierte "Empfehlung" der deutschen Bundesländer. So schnell wird's nicht gehen. Der Verbrennungsmotor, so die einhellige Meinung sämtlicher wirklicher Experten, wird auch im Pkw-Bereich noch länger nachflackern, wie der Urknall in der kosmischen Hintergrundstrahlung.

Praxistauglichkeit

Aber die Alternativantriebe werden bis 2030, um im genannten Zeithorizont zu bleiben, vom marginalen Nischendasein zu echter Breitenwirksamkeit gelangt sein, darunter besonders auch die Elektromobilität, die durch markante Fortschritte in der Batterientechnologie soeben ihren Sprung in die echte Praxistauglichkeit schafft, die sich über Reichweiten, Ladezeiten/-infrastruktur und Fahrzeugkosten definiert. Ist mit einem E-Auto endlich die Strecke Wien-Innenstadt nach Salzburg-Innenstadt zu bewältigen, ist die Sache gebongt. Hört man jetzt von 300, 400, 500 und mehr Kilometern Reichweite und bleibt davon real zwischen der Hälfte und zwei Dritteln übrig, gelangt das Ziel in greifbare Nähe.

Speziell aufgrund fiskalpolitischer Justierung üben zwar gerade die Plug-in-Hybride einen diskreten Charme aus. Sie ermöglichen elektrisches Fahren in der Stadt und sind dank Verbrennungsmotor dennoch uneingeschränkt langstreckentauglich. Es vergeht kaum ein Monat ohne ein neues Plug-in-Modell, speziell die Deutschen geben da richtig Gas, inzwischen sind in Österreich Plug-ins von Audi, BMW, Mercedes, Mitsubishi, Porsche, Toyota, Volvo, VW (alphabetisch geordnet) greifbar, Hyundai und Kia folgen Mitte 2017, PSA (Peugeot, Citroën, DS) und JLR (Jaguar, Land Rover) steigen in den nächsten Jahren ebenfalls ein.

Opel Ampera-e

Auf Grün stehen die Ampeln aber auch bei der rein batterieelektrischen Mobilität, wie sich beim Pariser Salon gezeigt hat. Der GM-Tochter Opel gebührt hier der Vortritt, die haben mit dem Ampera-e einen echten Überraschungscoup gelandet. Schon im Frühjahr 2017 legt der Wagen in ausgesuchten europäischen Märkten los, hoffentlich bald danach auch in Österreich. Bei Platz für fünf Passagiere auf knapp 4,20 m Länge (also Golf-Format) sorgt ein 204-PS-Elektromotor für Vortrieb, die Normreichweite liegt bei über 500 (!) km, die Höchstgeschwindigkeit bei 150 km/h.

Der Renault-Nissan-Konzernverbund meint, man habe es immer schon gewusst, und bekundet, die Führungsposition keinesfalls mehr abgeben zu wollen. Bei Nissan bekam das E-Flaggschiff Leaf (4,55 m) vor kurzem eine Reichweitenexpansion von 199 auf 250 km spendiert. Beim Renault Zoe (4,09 m) freut man sich gar über eine Steigerung von 210 auf 400 km, der Wagen ist ab Dezember verfügbar.

"i" und mehr

BMW macht beim i3 (4,00 m) einen Sprung von 190 auf 300 km und kündigt an, dass hinfort Elektriker nicht nur in der Submarke "i" zu finden sein werden, sondern auch bei für den Antrieb mit Verbrennungsmotoren entwickelten Modellen. Als Erstling werden wir einen elektrischen X3 zu Gesicht bekommen.

Bei Daimler (soeben vorgestellt: Smart ED mit ca. 160 km Reichweite) lässt die Strategie EQ aufhorchen. Man gründet nämlich, ähnlich BMWs "i", die Submarke EQ. Die SUV-Studie "Generation EQ" (Reichweite 500 km) ist ein erster Fingerzeig. Dahinter steckt Folgendes. Auf einer speziell entwickelten Architektur entstehen bis 2025 mehr als zehn reine Elektrofahrzeuge, bis dahin soll der Anteil der Elektroautos bei 15 bis 25 Prozent liegen. Der VW-Ansatz klingt ähnlich, dort geht's um noch deutlich höhere Stückzahlen. Der kompakte I.D. (4,10 m lang, Reichweite 600 km) mündet nämlich 2020 in ein Serienfahrzeug und macht Appetit auf VWs Elektrofahrzeugoffensive. Auf dem neuen Modularen Elektrobaukasten (MEB) entstehen bis 2025 konzernweit über 30 Elektrofahrzeuge. Da kommt was auf uns zu.

"28-2"

Ambitioniert auch Hyundai-Kia. Dort lautet der Plan "28-2". Bedeutet: Bis 2020 kommen 28 Fahrzeuge mit umweltkorrektem Antrieb – Hybrid, Plug-in-Hybrid, Elektro, Wasserstoff-Brennstoffzelle -, damit will man sich hinter Toyota (der Hybridpionier steht der batterieelektrischen Mobilität skeptisch gegenüber) zum zweitgrößten Ökomobilautobauer aufschwingen. Den E-Auftakt macht dieser Tage Hyundais Ioniq (4,47 m, Reichweite 280 km), bei Kia ist der Soul EV (4,14 m, 212 km) ja schon länger erhältlich. (Andreas Stockinger, 30.10.2016)

  • Für die Überraschung bei Elektroautos sorgt Opel: Der Ampera-e kommt im Frühjahr, Normreichweite: über 500 km.
    foto: andreas stockinger

    Für die Überraschung bei Elektroautos sorgt Opel: Der Ampera-e kommt im Frühjahr, Normreichweite: über 500 km.

  • Renault Zoe steigert sich mit den jetzigen Facelifts auf 400 km Reichweite, ...
    foto: andreas stockinger

    Renault Zoe steigert sich mit den jetzigen Facelifts auf 400 km Reichweite, ...

  • ... der BMW i3 auf 300 km.
    foto: andreas stockinger

    ... der BMW i3 auf 300 km.

  • Hyundais Neuzugang Ioniq, von dem es auch eine Hybrid- und  Plug-in-Version gibt, kommt als E-Mobil auf 280 km.
    foto: andreas stockinger

    Hyundais Neuzugang Ioniq, von dem es auch eine Hybrid- und Plug-in-Version gibt, kommt als E-Mobil auf 280 km.

  • Der VW I.D. kommt auf bis zu 600 km Normreichweite, ...
    foto: andreas stockinger

    Der VW I.D. kommt auf bis zu 600 km Normreichweite, ...

  • ... der Mercedes EQ auf bis zu 500 km, beide Ansätze schlagen sich bis 2020 in echten Fahrzeugen nieder.
    foto: andreas stockinger

    ... der Mercedes EQ auf bis zu 500 km, beide Ansätze schlagen sich bis 2020 in echten Fahrzeugen nieder.

  • Mit der Studie FCV Plus signalisiert Toyota, wie ernst man die Antriebskombination Wasserstoff-Brennstoffzelle meint.
    foto: andreas stockinger

    Mit der Studie FCV Plus signalisiert Toyota, wie ernst man die Antriebskombination Wasserstoff-Brennstoffzelle meint.

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