Rechtes Treffen: Kritiker werfen Pühringer "internationale Blamage" vor

24. Oktober 2016, 18:22
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Rektor der Uni Klagenfurt warnt Oberösterreichs Landeshauptmann vor "Gewaltbereitschaft" der Identitären. Dokumentationsarchiv warnt vor Publikationen, die in Redoutensälen aufliegen werden

Klagenfurt/Linz – Die Kritik an Oberösterreichs Landeschef Josef Pühringer (ÖVP) und seiner Duldung eines rechtsextremen Treffens in den Linzer Redoutensälen reißt nicht ab. Am Montag schickte der Rektor der Uni Klagenfurt und Chef der Österreichischen Universitätenkonferenz, Oliver Vitouch, Pühringer einen offenen Brief. Darin protestiert Vitouch dagegen, dass Gruppen wie den Identitären, "die Wiederbetätigung in neuem Gewand betreiben, Repräsentationsräumlichkeiten des Landes zur Verfügung gestellt werden sollen". Deren Gewaltbereitschaft habe er am 9. Juni selbst kennengelernt, als ein führendes Mitglied der Truppe und bis vor kurzem Grazer FPÖ-Funktionär ihn bei einer Störaktion an der Uni mit einem Faustschlag attackiert habe, so Vitouch.

"Neuinterpretation der Person Hitler"

Am Montag warnte auch das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DOEW) erneut vor den Teilnehmern des Kongresses. So soll die Grazer Zeitschrift "Neue Ordnung" dort präsent seien. Deren Herausgeber Wolfgang Dvorak-Stocker hat etwa in einer Ausgabe 2016 unter dem Titel "Nationale Mythen" einen Text verfasst, in dem er hofft, dass ein neu entstehender Mythos – wortwörtlich – "eine positive Neuinterpretation der Person Hitlers und des Nationalsozialismus miteinschließt". Pühringer muss wissen, heißt es aus dem DOEW, "solche Literatur liegt am 29. Oktober in Prunksälen des Landes auf".

"Hassparolen verbreiten"

Willi Mernyi vom Mauthausen Komitee Österreich forderte Pühringer am Montag auf, endlich seinen Irrtum einzugestehen, es sei denn, er wolle wirklich, "dass rechtsextreme Schläger in den Prunksälen des Landes ihre Hassparolen verbreiten und Oberösterreich international blamieren".

Grünen-Parlamentarier Karl Öllinger ist indes über den Verfassungsschutz empört, der in einem Bericht angab, dass von dem Treffen trotz rechtsextremer Teilnehmer keine Gefahr ausgehe. Im Bericht heißt es dafür, "die übliche Recherchearbeit des linken Lagers zu Aktivitäten des ideologischen Feindes" könne eine Gefahr für die Veranstaltungsgäste darstellen. Für Öllinger ist das "eine Auftragsarbeit", um den Koalitionspartner Pühringers, die FPÖ, nicht zu verärgern. Immerhin sei auch FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl Gast beim "Narrensaum" der FPÖ, erinnert Öllinger. (Colette M. Schmidt, 25.10.2016)

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