Nationalfeiertag: Patrioten in der Minderheit

26. Oktober 2016, 09:53
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Eine Umfrage zum Nationalfeiertag zeigt, dass dieser nur bei Menschen über 50 in größerem Ausmaß patriotische Gefühle wecken kann

Linz – Eigentlich ist Österreich ein Land, auf das man stolz sein könnte. Und ein bisschen schimmert das auch bei den Antworten auf die Frage nach dem Vergleich zwischen Österreich und anderen EU-Staaten durch. Für den STANDARD fragte das Linzer Market-Instiut: "Alles in allem gesehen: Steht Österreich aus Ihrer Sicht heute besser, etwa gleich gut oder eher schlechter da als andere Staaten der EU?"

Darauf sagten vor zwei Wochen 30 Prozent, dass Österreich eher besser dran wäre, 43 Prozent halten den Zustand für etwa gleich gut und 22 Prozent für schlechter.

In diesem Zusammenhang ließ DER STANDARD auch fragen, wie es zum Nationalfeiertag um den Patriotismus bestellt ist. Hier sind die Ergebnisse sehr unterschiedlich, 38 Prozent der Männer, aber nur 26 Prozent der Frauen bekunden patriotische Gefühle. 57 Prozent haben keine patriotischen Gefühle. Für Anhänger von Grünen und Neos ist Patriotismus kaum ein Thema – am ehesten hängen Menschen über 50 daran.

Kein Einfluss der Flüchtlingskrise

"Die Werte zur Einschätzung Österreichs im europäischen Vergleich sind seit eineinhalb Jahren sehr stabil", sagt Market-Institutsleiter David Pfarrhofer: "Hier haben auch die gesamten Diskussionen um die Flüchtlinge, die es im Juni 2015 noch gar nicht gegeben hat, keinen erkennbaren Einfluss gehabt. Auch im September 2015, als wir die Frage nochmals gestellt haben, waren die Werte gleich."

Andererseits: Schon vorher hat ein deutlicher Bruch stattgefunden, wie sich aus dem Vergleich mit zwei Umfragewellen aus dem Frühjahr 2013 ergibt. Damals waren nämlich 58 beziehungsweise 60 Prozent der Befragten der Meinung, dass Österreich besser als die anderen EU-Staaten dastünde.

FPÖ-Anhänger sehen Österreich negativ

Auffallend ist, dass verschiedene Gruppen von Befragten den Status Österreichs sehr unterschiedlich beurteilen: 35 Prozent der Frauen, aber nur 25 Prozent der Männer meinen, dass Österreich besser dastünde. Auch Befragte unter 30 sowie Menschen mit höherer Bildung und aus den urban geprägten Landesteilen geben eine deutlich überdurchschnittliche Bewertung ab.

Auch läuft die Einschätzung ganz klar nach Parteilinien – wobei Anhänger der Freiheitlichen als einzige Gruppe statistisch signifikant behaupten, dass es Österreich schlechter ginge als anderen EU-Ländern.

Gefühl der Verschlechterung

Ähnlich sieht die Sache aus, wenn man fragt, ob "das Leben in Österreich alles in allem" zum Befragungszeitpunkt besser, gleich gut oder schlechter wäre: Da sagen derzeit 44 Prozent, dass es schlechter wäre – bei den FPÖ-Wählern liegt der Wert sogar bei 72 Prozent. Im Vergleich mit früheren Umfragen ist der Durchschnitt von 44 Prozent für "schlechter" im Rahmen (er schwankt zwischen 36 Prozent im August 2014 und 53 Prozent im Juni 2015). Zehn Prozent meinen, es sei besser geworden, 42 Prozent meinen, es sei gleich gut geblieben, wie es etwa vor fünf Jahren gewesen ist. (Conrad Seidl, 25.10.2016)

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