Au-Pair-Mädchen erstickt: Presserat rügte kurier.at

24. Oktober 2016, 15:29
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"Geringfügiger Verstoß" gegen Persönlichkeitsschutz

Wien – Im Mordprozess gegen einen Gambier, der ein US-amerikanisches Au-pair-Mädchen erstickt haben soll, hat der Online-"Kurier" nach Ansicht des Presserats "geringfügig" gegen den Opferschutz verstoßen, wie die freiwillige Ethikinstanz mitteilte. Gerügt wurde auch die Verwendung von unverpixelten Privatfotos ohne Zustimmung.

Verstoß gegen Persönlichkeitsschutz

"Der Senat ist der Auffassung, dass die Veröffentlichung des Namens und des Fotos in Zusammenspiel mit der Preisgabe von intimen Details das Lebensbild der Verstorbenen beeinträchtigt und daher postmortal gegen den Persönlichkeitsschutz verstößt", so das Urteil des Presserats. Der Verstoß sei lediglich "geringfügig", da Name und Fotos bereits in anderen Artikeln erschienen waren und die "kurier.at"-Berichterstattung auf dem Inhalt einer öffentlichen Gerichtsverhandlung beruhte.

Ethische Kriterien

Der Presserat hielt fest, dass er nicht nach rechtlichen, sondern nach den ethischen Kriterien des Ehrenkodex für die österreichische Presse entscheidet. Journalisten treffe die Verpflichtung, genau zu überlegen, wie ein Kriminalfall bzw. ein Strafverfahren in einem Artikel aufbereitet wird. Dabei gelte es zu berücksichtigen, dass die Medienöffentlichkeit weitaus größer als die Gerichtsöffentlichkeit sei. (APA, 24.10.2016)

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