"Krone"-Chefredakteur Biró muss wegen Verhetzung vor Gericht

24. Oktober 2016, 15:17
278 Postings

Wegen Kommentar zur Flüchtlingslage in der Steiermark angeklagt

Wien/Graz – Christoph Biró, Chefredakteur der Steiermarkausgabe der "Kronen Zeitung", muss sich wegen Verhetzung und Herabwürdigung religiöser Lehren vor Gericht verantworten. Hansjörg Bacher, Sprecher der Staatsanwaltschaft Graz, bestätigte am Montag Informationen, wonach gegen Biró Anklage erhoben wurde.

Kommentar im Oktober 2015

Grund dafür ist ein am 26. Oktober 2015 erschienener Kommentar Birós zur Flüchtlingslage in der Steiermark. Biró hatte darin wie berichtet von angeblichen Übergriffen und Sachbeschädigungen durch Flüchtlinge berichtet. "Junge, testosterongesteuerte Syrer" hätten "sich äußerst aggressive sexuelle Übergriffe" geleistet, Afghanen die Sitze in ÖBB-Waggons aufgeschlitzt und ihre Notdurft verrichtet, weil sie nicht auf Sitzen Platz nehmen wollten, auf denen Christen gesessen sind, und "Horden stürmen die Supermärkte, reißen die Packungen auf, nehmen sich, was sie wollen, und verschwinden wieder", so der "Krone"-Chefredakteur damals in der Steiermarkausgabe.

Biró sprach später von einem Fehler

Polizei und ÖBB dementierten die angeblichen Vorfälle, von Hilfsorganisationen gab es Kritik an den Aussagen. Biró selbst sprach später von einem Fehler. Er habe das Augenmaß verloren, Zustände überzeichnet und Fingerspitzengefühl vermissen lassen. Von seiner Zeitung wurde Biró wegen des Vorfalls vorübergehend beurlaubt.

Sachverhaltsdarstellung

Die Organisation SOS Mitmensch hatte in der Causa eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft Graz übermittelt. Diese hat nun Anklage wegen Verhetzung erhoben. Da die "Krone" ihren Hauptsitz in Wien hat, wurde die Causa an das Wiener Landesgericht für Strafsachen abgetreten. Einen konkreten Verhandlungstermin gibt es noch nicht, war dort am Montag zu hören. (APA, 24.10.2016)

Nachlese

Presserat verurteilt "Krone" wegen Biró-Kommentars – Geschilderte Vorfälle beruhten "auf keinerlei Recherche" – Verstoß gegen Genauigkeit und Schutz vor Pauschalverunglimpfung und Diskriminierung

"Steirerkrone"-Chefredakteur Biró zieht sich aus Redaktion zurück – Bezeichnet Flüchtlingskommentar als "Fehler" und setzt "für einige Zeit aus" – "Ich habe das Augenmaß verloren" – "Krone": "Schlussfolgerungen, die nicht restlos überprüfbar sind"

Sachverhaltsdarstellung gegen Chefredakteur der "Steirerkrone" – Christoph Biró gab in einem Kommentar längst widerlegte Gerüchte über Flüchtlinge wieder

Share if you care.