Metaller-KV: Gewerkschaft droht mit Kampfmaßnahmen

25. Oktober 2016, 08:34
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Die dritte Runde der Verhandlungen ist gescheitert. Die Gewerkschaft macht Druck und fordert drei Prozent – für die Arbeitgeber ist das "völlig realitätsfremd"

Wien – Am späten Montagabend ist die dritte Runde der Kollektivvertragsverhandlungen für die knapp 120.000 Beschäftigten der Maschinen- und Metallwarenindustrie ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Nach knapp zehn Stunden gab die Arbeitgeberseite gegen Mitternacht die Unterbrechung der Verhandlungen bekannt.

Am kommenden Freitag holen sich nun die Arbeitnehmervertreter auf einer Länderkonferenz der Betriebsräte grünes Licht für etwaige Kampfmaßnahmen. Allerdings geben sie den Arbeitgebern noch eine Schonfrist bis zum nächsten Verhandlungstermin am 3. November. Gibt es auch dann keine Einigung, sollen Betriebsversammlungen folgen.

"Frotzelei"

Gewerkschaftsvertreter Rainer Wimmer sagte am Dienstag im Ö1-"Morgenjournal": "Von der Arbeitgeberseite konnte nach zehn Stunden kein Gegenangebot geliefert werden. Das ist eine Frotzelei, eine Pflanzerei. Deswegen werden wir nun die Gangart erhöhen."

Die Arbeitnehmervertreter hatten drei Prozent mehr Lohn und Gehalt und einen Abschluss in den Nacht auf Dienstag gefordert. Arbeitgebervertreter Christian Knill hofft auf einen "gewaltigen Schritt Richtung Realität", eine dreiprozentige Lohnerhöhung sei "völlig realitätsfremd" und ein "Jobkiller", warnte er. Die Teuerungsrate liege aktuell bei 0,9 Prozent und der Produktivitätszuwachs bei ein Prozent, also schon rein rechnerisch würden sich daraus nicht drei Prozent ausgehen, spielte Knill auf die sogenannten "Benya-Formel" (benannt nach dem ehemaligen Spitzengewerkschafter Anton Benya) an, wonach sich der Lohnzuwachs aus Inflation plus Produktivitätssteigerung ergibt.

"Steigende Gewinne"

Hier geht allerdings die Rechnung der Arbeitnehmervertreter anders. Rainer Wimmer, Chefverhandler von der Produktionsgewerkschaft Pro-GE und Industriesprecher der SPÖ, verwies zu Verhandlungsbeginn auf "steigende Gewinne, steigende Produktivität und steigende Gewinnausschüttungen". Die Drei-Prozent-Lohnerhöhung habe man schließlich nicht ins Blaue hinein gefordert, man habe sich die Zahlen der Branche genau angesehen.

Daran hat wiederum Knill, Obmann des Fachverbands der Maschinen- und Metallwarenindustrie und steirischer Industrieller, Zweifel. Die Arbeitnehmer würden nur die Zahlen der besten zehn Prozent der Betriebe herannehmen, verhandelt werde aber der Kollektivvertrag (KV) für 1.200 Betriebe, von denen es einem Drittel alles andere als gut gehe.

Freizeitoption

Wenig Freude hat Knill weiterhin mit der Forderung der Arbeitnehmer nach einer Freizeitoption – also mehr Freizeit bei Verzicht auf die KV-Erhöhung. Dies werde nur von fünf Prozent der Betriebe genutzt. Aber im Vergleich zu der Drei-Prozent-Forderung sei die Freizeitoption eine überschaubare Hürde bei den Kollektivvertragsverhandlungen.

Für Rudi Wagner, Chefverhandler der Dienstleistungsgewerkschaft GPA, gehört jedenfalls das "Erfolgsmodell Freizeitoption" weitergeführt, das Interesse sei höher als von den Arbeitgebern angeführt und akzeptiert. Die Option beruht auf Freiwilligkeit, es ist eine Betriebsvereinbarung notwendig.

Drei Runden im Vorjahr

Im Vorjahr erfolgte die KV-Einigung in der dritten Runde nach einem 24-stündigen Verhandlungsmarathon. Damals gab es um 1,5 Prozent KV- und IST-Lohnerhöhung und eine Freizeitoption. Die Inflationsrate war damals mit 0,9 Prozent nahezu ident mit der Teuerungsrate heuer. Die heurigen KV-Abschlüsse lagen bisher meist im Bereich von 1,3 bis 1,5 Prozent. Der Mindestlohn in der Metallindustrie beträgt 1.750 Euro brutto. Ein Angestellter verdient laut Knill im Schnitt 4.285 Euro brutto im Monat, bei einem Arbeiter seien es 2.973 Euro.

Im Handel, der am vergangenen Mittwoch die KV-Verhandlungen gestartet hat, liegt der Mindestlohn für die rund 500.000 Beschäftigten bei 1.500 Euro brutto.

Neben den Beschäftigten der Maschinen- und Metallwarenindustrie verhandeln derzeit auch die gut 60.000 Beschäftigten der fünf anderen Metallindustrieverbände sowie die 200.000 Arbeiter und Angestellte des Metallgewerbes. (APA, red, 25.10.2016)

  • Arbeitgeberverhandler Christian Knill (re.) und Pro-GE-Verhandler Rainer Wimmer vor der ersten Runde Ende September.
    foto: apa//robert jaeger

    Arbeitgeberverhandler Christian Knill (re.) und Pro-GE-Verhandler Rainer Wimmer vor der ersten Runde Ende September.

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    grafik: apa
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