Glaubensfrage Pension: Beraterfirma will Reform, AK hält dagegen

24. Oktober 2016, 14:20
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Mercer sieht Verbesserungsbedarf bei Nachhaltigkeit und fordert Anpassungen an Demografie – AK: Argumentation "interessengelenkt"

Wien – Mit der Präsentation des "Global Pension Index" hat die Beratungsfirma Mercer Österreichs Pensionssystem keine Rosen gestreut: Vor allem im Bereich Nachhaltigkeit, in den auch die Finanzierung des Rentensystems einfließt, habe das Land Boden verloren. Demnach liegt Österreich in diesem Teilbereich vor Italien auf dem vorletzten Platz von 27 untersuchten Nationen. Eine Pensionsreform müsste, wie etwa in Schweden, eine automatische Anpassung an demografische Entwicklungen berücksichtigen, lautet der Lösungsansatz von Mercer.

Kosmetische Anpassungen erachtet Österreich-Chef Josef Papousek als "nicht ausreichend" und spricht sich für eine Koppelung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters an die Lebenserwartung aus. Zudem fordert er eine Erhöhung der Erwerbsquote älterer Arbeitnehmer sowie des Antrittsalters für Frauen, ebenso wie das Ermöglichen eines flexiblen Übergangs in den Ruhestand. "Wünschenswert wäre eine ernstzunehmende Reform. Nur damit wäre ein Sprung im Ranking nach vorne möglich", meint Papousek.

In der Reihung, die Mercer zusammen mit dem Australian Centre for Financial Studies sowie der Agenda Austria durchgeführt hat, liegt Österreich unverändert auf Platz 18. Neben dem staatlichen System werden auch die betriebliche und private Vorsorge erfasst.

AK: Ranking braucht Reform

"Es ist vor allem der Mercer-Index selbst, der einer Reform bedarf", kontert Wolfgang Panhölzl von der Arbeiterkammer (AK). Die Kritik sei interessengeleitet, der Index würde umso nachhaltiger erscheinen, je größer der Anteil kapitalgedeckter Vorsorge sei, was für Panhölzl einen "Trugschluss" darstellt – vielmehr sei das Gegenteil der Fall: "Gerade jene Länder, die auf Kapitaldeckung gesetzt hatten, waren im Zuge der Finanzkrise gezwungen, Leistungen zu kürzen, das Pensionsantrittsalter anzuheben oder überhaupt vom Weg der Privatisierung wieder abzugehen."

Den Platz an der Sonne haben im Ranking die Dänen mit 80,5 Punkten vor den Niederlanden und Australien inne. Österreich liegt mit 51,7 Zählern im unteren Mittelfeld, aber deutlich vor Indien, Japan und Schlusslicht Argentinien mit 37,7 Punkten. (Alexander Hahn, 24.10.2016)

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